Der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Bündnis 90/Die Grünen) steht im Nationalpark Schwarzwald. Er informierte sich über die künftige Entwicklung des Waldes unter veränderten klimatischen Bedingungen.
Der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Bündnis 90/Die Grünen) steht im Nationalpark Schwarzwald. Er informierte sich über die künftige Entwicklung des Waldes unter veränderten klimatischen Bedingungen. | Foto: Patrick Seeger/dpa

Seebach

Nationalpark zeigt Chancen für den Wald im Klimawandel

Anzeige

Der Wald stirbt nicht – davon ist Landes-Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) überzeugt. „Aber“, so fügt er hinzu, „er wird sich verändern und dem Klimawandel anpassen“. Wie er sich verändern wird, sei ebenso wenig abzusehen wie der Klimawandel. Untersteller warnt vor Aktionismus und spontanen Pflanzaktionen von vermeintlich klimastabilen Bäumen. Man müsse dem Wald Zeit lassen und sollte das Wissen des Nationalparks Schwarzwald zur natürlichen Waldentwicklung nutzen.

Von Hannes Kuhnert

Einen halben Tag nahm sich der Minister, begleitet von einer großen Medien-Truppe, am Montag Zeit, um sich anhand verschiedener Waldbilder im Nationalpark über den Zustand des Waldes und die Auswirkungen des Klimawandels zu informieren. Dort vertrauen Nationalpark-Leiter Thomas Waldenspuhl und Jörg Ziegler, Leiter des Fachbereichs Wald und Naturschutz, vor allem auf die natürliche Waldentwicklung mit Naturverjüngung.

Nicht auf eine bestimmte Baumart setzen

„Die sinnvollste Variante ist sicher, nicht auf eine bestimmte Baumart zu setzen, sondern ein breit gemischtes, stabiles System zu wählen“, meint auch Untersteller. Artenreichtum berge noch das geringste Zukunfts-Risiko. Nach zwei extrem trockenen Sommern sei abzusehen, dass die Fichte zwar nicht aus dem Nationalpark verschwinden werde, von Klimawandel, Trockenheit und Stürmen jedoch besonders betroffen sei. Tanne, Buche, Bergahorn, Vogelbeere und andere Arten seien da wesentlich widerstandsfähiger.

Nationalpark macht Wissen für alle zugänglich

Der Nationalpark hatte als Versuch Samen von verschiedenen Bäumen auf einer Referenzfläche ausgebracht, um zu sehen, welche Pflanze der Standort, also die Natur, zum Aufwachsen auswähle. Das Wissen über die Beschaffenheit des Standorts werde immer wichtiger, so Waldenspuhl. Er betonte einmal mehr, dass der Nationalpark sein Wissen und seine Forschungsergebnisse jedermann zugänglich mache. Untersteller hoffe, dass die Forstwirtschaft davon Gebrauch machen werde.

Minister Untersteller fordert mehr Bannwälder

Ziel müsse es sein, der ökologischen Waldbewirtschaftung einen höheren Stellenwert einzuräumen. Dazu würden aktuelle Förderprogramme vorbereitet, finanzielle Mittel dazu stünden zur Verfügung. Mit Blick auf die wesentlich höhere CO2-Speicherkapazität von alten Bäumen forderte der Umweltminister: „Unsere Bäume müssen älter werden können. Wir brauchen mehr Bannwälder“. Darüber wolle er mit Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) diskutieren. Die grassierende Borkenkäfer-Problematik habe sich im Nationalpark nicht so stark ausgewirkt wie in anderen Wäldern.

Die intensivst überwachte Waldzone Deutschlands

Dies liege auch, so Jörg Ziegler, an der Höhenlage und dem stärkeren Niederschlag im Nationalpark-Areal. Dort sei Untersteller zufolge der Borkenkäfer eher „ein Mitwirkender, der kein Geld bekommt“. Er trage zur Naturverjüngung und schnelleren Veränderung bei, schaffe Prozesse, die außerhalb des Nationalparks nicht möglich seien, und neue Lebensgrundlagen für Flora und Fauna. Die Pufferzone zu den angrenzenden Privatwäldern allerdings ist laut Untersteller „die intensivst überwachte Waldzone Deutschlands“.

Regionales Klima seit 1880 um 1,3 Grad erwärmt

Ein Abstecher der Informationsfahrt galt einem „Real-Labor“ in Form von einer von 20 Klimastationen im Nationalpark. Deren Arbeitsweise erläuterte Christoph Dreiser. Dort werden meteorologische Daten aufgezeichnet und ausgewertet. Die Ergebnisse gehen in verschiedene Betriebsforschungen des Nationalparks ein, so auch in das Borkenkäfermonitoring. Anhand alter und neuer Daten wies Dreiser nach, dass sich das regionale Klima seit dem Jahr 1880 um 1,3 Grad erwärmt hat, allein in den vergangenen 30 Jahren um ein Grad Celsius.