Bekämpfung des Schädlings verschärft: ein erwachsener Borkenkäfer im Fraßgang | Foto: Ralf Petercord/Nationalpark

Kampf gegen Borkenkäfer

Nationalparkleiter: „Zweite Generation bohrt sich gerade ein“

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Der Nationalpark Schwarzwald geht verschärft gegen den Borkenkäfer vor. Erstmals wird in diesem Jahr das sogenannte „situative Borkenkäfermanagement“ greifen. Mit dieser erst 2017 beschlossenen Maßnahme bei besonders starkem Befall können auch in der sogenannten Entwicklungszone – mit 4 200 Hektar fast die Hälfte des Gesamtgebiets – befallene Bäume gefällt werden. Dies war bislang nur in der den Nationalpark umgebenden Pufferzone (siehe Grafik unten) möglich. Diese soll den umliegenden Wald vor einem Überspringen des Schädlings auf die wirtschaftlich genutzten Bestände schützen.

Inzwischen allerdings, so Nationalpark-Leiter Thomas Waldenspuhl, habe sich die Situation quasi umgekehrt. Durch die klimatischen Bedingungen in den Höhenlagen habe sich der Borkenkäfer dort, verglichen mit den umliegenden Wäldern, moderat vermehrt. Die Gefahr drohe nun eher von außen. Von einem Notfallplan will Waldenspuhl gleichwohl nicht sprechen: Das „situative Borkenkäfermanagement“ betreffe nur ein vergleichsweise kleines Waldstück im Schönmünzachtal. Die Arbeiten sollen im Herbst stattfinden: „Wir werden das saniert haben noch bevor der Frühling beginnt“, kündigt er an.

Es ist nur dem Klima zu verdanken, dass der Käfer noch nicht weiter ist

Thomas Waldenspuhl, Nationalparkleiter

Bäum leisten Käfer kaum Widerstand

Hitze, Trockenheit, Schneebruch: In geradezu atemberaubender Geschwindigkeit hat sich der Borkenkäfer in den vergangenen beiden Jahren in der Region ausgebreitet. Das Klima ist ihm zuträglich, die geschwächten Bäume können ihrem Fraßfeind kaum Widerstand entgegensetzen. Dazu kommt: Die durch die Schneelast abgebrochenen oder umgefallenen Bäume bieten dem kleinen Schädling ideale Brutvoraussetzungen.
Das hat Folgen: „Die zweite Generation bohrt sich gerade ein“, sagt Waldenspuhl, und es sei nur dem Klima zu verdanken, dass der Käfer noch nicht weiter sei. Denn er werde erst ab einer Außentemperatur von 15 Grad richtig aktiv, ab 30 Grad ist es dann wieder vorbei. Keine Erholung für den Wald allerdings: „Ab diesen Temperaturen kommt der Kupferstecher“.

Die Zonen im Nationalpark Schwarzwald

Unübersichtliche Situation

Dennoch: Die vergleichsweise geringen Temperaturen und der Regen im Höhengebiet haben laut Waldenspuhl dafür gesorgt, dass sich der Käfer im Park langsamer entwickelte als in nicht ganz so hoch gelegenen Beständen. Verkehrte Welt – hatten die Nationalparkgegner doch ursprünglich befürchtet, dass der Schädling in den Schutzgebieten quasi seine Truppen sammeln könnte, um dann über die Wirtschaftswälder herzufallen. Dass man nun dennoch zu dem greift, was man ausdrücklich nicht als Notfallmaßnahme bezeichnet wissen will, hat seinen Grund: Die Situation ist inzwischen ziemlich unübersichtlich geworden. Kam der Käfer früher in Wellen, konnte recht genau nach verschiedenen Generationen von den Förstern berechnet und vorhergesagt werden, so haben die Schädlinge inzwischen keinen einheitlichen Rhythmus mehr. Weil sie bereits seit 2017 in großer Zahl brüten, haben sich verschiedene Lebenszyklen ausgebildet, je nach Temperatur und Umfeld.

Schutzstreifen von Schadholz befreit

„Der Borkenkäfer kommt nicht mehr aus dem Nationalpark, er ist überall“, sagt Waldenspuhl. Und er ist eben auch im Nationalpark. In der vergangenen Woche nun habe man eine Warnmeldung der forstlichen Versuchsanstalt (FVA) in Freiburg erhalten, die ein vorher festgelegtes Protokoll ausgelöst habe – in einer Arbeitsgruppe mit den unteren Forstbehörden, der FVA, dem Nationalpark und der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) habe man einstimmig beschlossen, den Käfer im fraglichen Gebiet zu bekämpfen, um ein Übergreifen auf den Schutzstreifen zu vermeiden. Dieser sei zwischenzeitlich völlig von befallenen Bäumen befreit.

Wir haben intern keinerlei Probleme mit dem Käfer

Thomas Waldenspuhl

Wissen sammeln statt Käfer jagen

Die Fachleute wollen den Käfer im Nationalpark eigentlich gewähren lassen, so verstörend das zunächst klingen mag. Denn sie erhoffen sich auf diese Weise Aufschluss über die Lebensweise des Schädlings – und darüber, wie man ihn bekämpfen kann. 40 von 70 Borkenkäferfallen landesweit stehen im Nationalpark. „Wir haben“, so Waldenspuhl, „intern keinerlei Probleme mit dem Käfer“, der Nationalpark diene quasi als Labor, um mehr über das Tier zu erfahren. Das so gewonnene Wissen wird ein Baustein beim anstehenden Umbau des Waldes sein, um so die Folgen des Klimawandels aufzufangen. So könne man angesichts der Vielfalt von Bäumen sehr genau beobachten, wie unterschiedlich sie auf Hitze und Trockenheit reagieren: „Hier können wir Wissen generieren darüber, was der Klimawandel eigentlich für den Wald bedeutet“.