Ausstellung Nationalparkzentrum
Aus der Luft sind die Ansätze des künftigen Nationalparkzentrums bereits sichtbar. Aktuell entstehen die Untergeschosse und die Brandschutz-Treppenhäuser aus Beton. Das bisherige Besucherzentrum links wird zum Bürogebäude für die Parkmitarbeiter. | Foto: bfc

Ausstellung wird vorbereitet

Nationalparkzentrum zeigt Geschichten über das Verborgene

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Ein Erlebnis, nicht nur einen Museumsbesuch, das wollen die Ausstellungsmacher im künftigen Besucherzentrum des Nationalparks Schwarzwald bieten. Multimediales, viel zum Sehen und zum Anfassen soll es geben. „Seit knapp zwei Jahren sind wir dran. Die grobe Planung haben wir hinter uns, jetzt geht es an die Umsetzung“, sagt Elke Osterloh, Leiterin des Infozentrums.

Ausstellung wird in „Baumstämmen“ gezeigt

An übereinandergefallene Bäume soll der Bau erinnern, der am Ruhestein entsteht. In den einzelnen „Baumstämmen“, von den Ausstellungsmachern Riegel genannt, werden verschiedene Themen behandelt. Zunächst steht der Wald selbst im Vordergrund: Welche Aufgabe haben die einzelnen Organismen, wie funktioniert das Werden und Vergehen, und welche Rolle spielt eigentlich die Zeit im Wald? „Den Nationalpark zeichnet aus, dass ein toter Baum dort liegen bleiben darf – und so ein Baum liegt dann auch in der Ausstellung“, erklärt Ausstellungsgestalter Friedo Meger, Geschäftsführer von Kunstraum GfK aus Hamburg.

Ausstellung Nationalparkzentrum
Eine Schwarzwaldtanne soll in einem Teil der Ausstellung eine zentrale Rolle spielen, wie es auf dieser Computersimulation angedeutet wird. | Foto: Kunstraum GfK

Das sei nicht leicht, erklärt Nationalparkleiter Wolfgang Schlund: „Eine Tanne ist doch ziemlich groß, das ist bei dem Format der Riegel (60 Meter lang, sieben Meter breit und vier Meter hoch) schwierig. Viele solcher Herausforderungen werden uns oft erst auf den zweiten Blick klar.“ Über Monitore erfahren die Besucher dann Geschichten von Protagonisten des Waldes. Wer oder was diese sein werden, das sei gerade „ein heißes Thema“ in der Vorbereitung.

Die meisten Nationalparks präsentieren sich über ihre vordergründigen Highlights

Während sich der zweite Riegel um die Jahreszeiten dreht, taucht man in Riegel Nummer drei unter die Erde. Durch einen Lichthof geht der Blick schon von oben aus in die Tiefe, unten spannen sich Wurzelwerk und das weit verzweigte unterirdische Geflecht der Pilze durch den Raum. Hier werden auch Waldbewohner thematisiert, die die Besucher sonst nicht wahrnehmen, wie zum Beispiel das Bärtierchen, das nur einen Millimeter groß ist, aber Erstaunliches schafft: Extremste Umwelteinflüsse kann es unbeschadet über viele Jahre überleben. „Die meisten Nationalparks präsentieren sich über ihre vordergründigen Highlights, zum Beispiel über den Schweinswal oder den Wolf. Wir gehen dagegen stärker auf verborgene Prozesse ein“, so Meger.

Technik soll zur Faszination beitragen

Zu Beginn der Schau führt ein zwei bis drei Minuten langer Film in die Themen ein; er ist gleichzeitig eine Art Taktgeber, damit höchstens 20 bis 30 Besucher gleichzeitig in den Ausstellungsräumen unterwegs sind. Wie diese dann später aussehen könnten, zeigt ein computeranimierter Rundgang. „Die alte Ausstellung im bisherigen Besucherzentrum wurde 1996/97 noch mit Skizzen vorbereitet“, erinnert sich Schlund. Überhaupt könne man mit neuen Medien heute viel mehr machen, etwa Texte leicht mehrsprachig zeigen. Dabei soll die viele Technik zur Faszination der Besucher für den Wald beitragen, aber nicht im Vordergrund stehen. So wird sich in einem Riegel die Lichtstimmung immer wieder so ändern, dass ein Tag-Nacht-Zyklus entsteht. Je nach Tageszeit sind andere Geräusche zu hören und unterschiedliche Tiere zu sehen, die in einer Projektion über die Wand huschen.

Das Besucherzentrum
Rund 3 000 Quadratmeter groß wird die Fläche des gesamten (barrierefreien) Besucherzentrums sein. Auf 1 000 Quadratmetern entsteht die Dauerausstellung, dazu kommen eine Sonderausstellung, zwei Klassenzimmer, Vortragsraum und Kino sowie Shop, Restaurant und ein „Raum der Stille“ mit Panoramafenster. Ein „Skywalk“ führt von der Straße aus auf ebenem Weg durch das Haus hindurch und endet auf „Augenhöhe“ mit den Baumwipfeln. Die Dauerausstellung allein kostet rund drei Millionen Euro, eine Förderung in Höhe von einer Million Euro kommt von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Die Kosten lägen für ein Projekt in dieser Größenordnung im Mittelfeld, so Nationalparkchef Wolfgang Schlund. Der Besuch im Besucherzentrum selbst soll kostenlos sein, für die Ausstellung ist ein gestaffelter Eintrittspreis vorgesehen, der aber noch nicht festgelegt ist.

 

„Im Moment erarbeiten wir die interaktiven Elemente“, sagt Schlund. „Es kommt noch viel auf uns zu. Die Ausstellung muss auch noch mit Texten befüllt werden, die natürlich so formuliert sind, dass jeder sie versteht“, so der Nationalparkchef. „Wenn man eine Frage, wie man einen Bereich präsentieren will, beantwortet hat, ergeben sich zehn neue Fragen“, ergänzt Elke Osterloh. Fachwissenschaftler tragen dazu ihr Wissen bei. Beteiligt sind zudem unter anderem Lichtplaner, Zeichner und teilweise auch Mitarbeiter der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe.

Rund 1 500 Veranstaltungen im Jahr

Ausstellungsgestalter Friedo Meger kommt etwa alle drei Wochen zur Besprechung nach Seebach. Neben dem Schwarzwald ist sein Planungsbüro in weiteren Schutzgebieten tätig: im Nationalpark Hunsrück-Hochwald und im Multimar-Wattforum an der Nordsee. Megers bisher größtes Projekt war die Ausstellung im Klimahaus Bremerhaven. Die Nachfrage nach Informationen sei groß, sagt Elke Osterloh: Rund 200 Schulklassen besuchen den Park im Jahr, 1 500 Veranstaltungen gibt es insgesamt. Die Ausstellungseröffnung ist für Sommer 2020 vorgesehen.

Die Bauarbeiten
Die Arbeiten am künftigen Besucherzentrum gehen sichtbar voran: Die aktuellen Rohbauarbeiten sollen noch im Mai fertig werden. Eigentlich hätte der Rohbau noch im Dezember beendet werden sollen, aber der schneereiche Winter habe die Arbeiten vorzeitig zum Erliegen gebracht, so Pia Riegert-Matt, die Leiterin des Amts Vermögen und Bau Baden-Württemberg, das der Bauherr des Projekts ist: „Seit der Einrichtung des Nationalparks waren die Winter immer so, dass man hätte bauen können – nur nicht in unserem ersten Baustellenwinter.“ Der Zeitplan sei dadurch aber nicht wesentlich durcheinandergeraten. Der fertige Rohbau wird dann ausgemessen, damit die Holzbaufirma mit der Planung für den aus Holz gefertigten Teil des neuen Besucherzentrums beginnen kann.