Herrliche Landschaft: Die Gemeinde Bühlertal ist mit einem beträchtlichen Teil ihrer Gemarkung in den Natura-2000 Managementplan "Talschwarzwald" involviert. | Foto: Jörg Seiler

Seltene Tiere und Pflanzen

Bühlertal und Forbach begrüßen den Natura-2000-Managementplan

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Es gibt im Nordschwarzwald viele herrliche und wertvolle Landschaften. Auch der „Talschwarzwald zwischen Bühlertal und Forbach“ gehört dazu. Wie der Natura-2000 Managementplan ausweist, leben dort einige besondere Tiere und Pflanzen.

Es ist ja nicht so, dass man den Bühlertälern oder den Forbachern erklären müsste, in was für einer wunderbaren Naturlandschaft sie leben. Doch nun haben es die beiden Schwarzwaldgemeinden dies- und jenseits des Mittelgebirgskamms amtlich. Der Natura-2000-Managementplan „Talschwarzwald zwischen Bühlertal und Forbach“ ist vollendet. Und es gibt durchaus Erstaunliches: Zum Beispiel die Spanische Flagge.

Der finale Plan liegt zur Einsicht aus – darin wurden Lebensräume sowie Tier- und Pflanzenarten von europäischer Bedeutung erfasst. Und es sind deren Einige: Entlang der Hänge des Bühler- und des Murgtals gibt es Magerwiesen, in den Höhenlagen finden sich besondere Buchenwälder mit markanten Felsbildungen. Es gibt Vorkommen des seltenen, europäischen Dünnfarn. Dazu dient die Murg diversen Fischarten als Lebensraum und auf den Wiesen bei Neusatz wächst der Große Wiesenknopf, eine Pflanze die den Raupen seltener Schmetterlingsarten als Nahrung dient.

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Die geografischen Dimensionen sind dabei beachtlich: Für Bühlertal sind knapp 634 Hektar in den Plänen eingezeichnet. Forbach ist mit rund 500 Hektar involviert. Die Rathauschefs der Kommunen sehen eine Herausforderung, gerade auch finanziell, wie Chancen gleichermaßen.

Gemeinden sind bereits früh in Planungen eingebunden

Die Gemeinde Bühlertal begrüße den Managementplan für das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet „Talschwarzwald“, bekundet Rathauschef Hans-Peter Braun. Es sei ein weiterer Mosaikstein im Naturportfolio der Tourismusgemeinde. Die ist bekanntlich Hauptsitz des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord, der neben dem Haus des Gastes residiert.

Beide Gemeinden waren zudem in einem frühen Stadium in die Planungen involviert. In Forbach war auch der Bermersbacher Ortschaftsrat eingebunden und habe insbesondere bei der Detailangrenzung seine Fragen eingebracht, so Bürgermeisterin Katrin Buhrke. Der Gemeinderat habe Ende 2019 den Managementplan beraten und den Inhalt der kommunalen Stellungnahme vorgegeben.

Für Forbach war laut Buhrke wichtig, dass die touristische Nutzung der Murg und die Stromerzeugung durch Wasserkraftanlagen nicht weiter eingeschränkt werden. Zudem konnte die Murgtal-Gemeinde die Beweidung als Bewirtschaftungskonzept großzügig durchsetzen.

Einzigartiges Fluss-Landschaft: Das Murgtal oberhalb von Forbach gehört ebenfalls zum Managementplan „Talschwarzwald“. | Foto: Jörg Seiler
Die Bühlertäler hatten ebenso ein Auge drauf, dass zum Beispiel beim beliebten Naherholungsziel Gertelbach Entwicklungsspielraum bleibt. Die Wasserfälle seien gerade in Zeiten der Corona-Pandemie ein gesuchter Ort berichtet Bürgermeister Braun. Bühlertal habe zudem an Engelsberg Akzente gesetzt.

Heuhüttenwiesen im Murgtal stehen für Kulturgeschichte

Der markante Weinberg gehört zu den steilsten Lagen Deutschlands. Der gleichnamige Verein hat einen großen Teil der alten Reb-Anlage mit ihren historischen Trockenmauern wieder frei gelegt und den Engelssteig gebaut. Seit geraumer Zeit betätigen sich dort Ziegen als Landschaftspfleger, „gerade wurde die Fläche vergrößert und aktuell sind zwölf Tiere unterwegs“, so Braun.

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Der Managementplan „Talschwarzwald“ umfasst 175 Seiten. In der Würdigung des rund 1.160 Hektar großen Natura-2000-Gebiets heißt es: Der „Talschwarzwald zwischen Bühlertal und Forbach stellt einen repräsentativen Querschnitt durch den nördlichen Schwarzwald dar. Er erstreckt sich von den westexponierten, steilen Hangflächen bei Neusatz über die bewaldeten Höhenzüge des Schwarzwaldkamms mit Hochkopf, dem im Westen vorgelagerten Omerskopf sowie dem südlich von Herrenwies liegenden Hohen Ochsenkopf bis hin zu den Talflächen des Murgtals rund um Forbach. Besonders hier finden sich mit den Heuhütten und Wässerwiesenanlagen bemerkenswerte Zeugnisse historischer Bewirtschaftungsformen.“

Eingefasst in den Plan sind neben Bühlertal und Forbach die Städte Bühl (mit Vimbuch, Altschweier und Neusatz) sowie Baden-Baden, ebenso die Gemeinde Ottersweier.

Neusatz als Heimat: Der helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling auf dem Großen Wiesenknopf. | Foto: Schanowski/ILN

Die Lektüre des Managementplans lässt den Laien angesichts der Vielfalt von Flora und Fauna staunen: Der Begriff Moorwälder wird dem ein oder anderen noch etwas sagen, und auch der Luchs ist inzwischen in der Region wieder bekannt. Aber bei der Spanischen Flagge (Callimorpha quadripunctaria) wird es dann schon schwieriger: Es handelt sich um einen seltenen Schmetterling aus der Unterfamilie der Bärenspinner.

900 Hektar des Plangebiets sind Wald

900 Hektar des Gebiets sind Wald, den Kommunen gehören davon fast 76 Prozent. Die Höhen erstrecken sich von 272 bis auf 1.038 Meter. Angesichts der zahlreichen Auflagen zur Förderung der besonderen Fauna und Flora ist für Forbachs Bürgermeisterin Buhrke klar: Es ist, trotz in Aussicht gestellter Fördermittel, „für die Gemeinde ein große, finanzielle Herausforderung.“ Ob da noch Spielraum für Entwicklungsmaßnahmen, also für die Kür bleiben, ist laut der Rathauschefin offen.