Scheck-Kreisel Stadtviertel Achern
Unter der Lupe: Die Verkehrsplaner der Gevas Ingenieure in Karlsruhe suchen nach einer Lösung für den Kreisverkehr am Stadteingang. | Foto: ug

Thema Verkehr bestimmt Debatte

Neues Acherner Stadtviertel auf den Weg gebracht

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Behaupte niemand, der Acherner Gemeinderat nehme das Thema nicht ernst. Mehr als zwei Stunden lang setzten sich die Mitglieder des Bauausschusses am Montagabend mit dem Entwurf des Bebauungsplans „Neues Wohnen an der Acher“ auseinander. Die Einstimmigkeit, mit der das Planwerk für mehr als 400 Wohnungen, Handel und Gewerbe dem Gemeinderat letztlich zum Beschlussfassung weitergereicht wurde, spiegelt nicht wider, wie kritisch die Volksvertreter sich vor allem mit dem Thema Verkehr befassten. Wie soll das neue Stadtviertel an das ohnedies überlastete Straßennetz angebunden werden ohne den völligen Kollaps herbeizuführen? Eine Antwort auf diese Frage blieb die Verwaltung am Montagabend unter Verweis auf den gerade entstehenden Masterplan für die Innenstadt und das ebenfalls in Arbeit befindliche Verkehrsgutachten schuldig.

Führung der Verkehrsströme muss zuerst klar sein

Mithin waren auch die Versuche zahlreicher Fraktionen, zumindest für die jenseits der Belastungsgrenze lavierende Fautenbacher Straße eine Lösung festzuklopfen, zum Scheitern verurteilt. Die CDU sprach gar vom nötigen Geländeerwerb, um die Dreispurigkeit zu sichern. Stadtplaner Rolf Bertram verwies darauf, dass dies dem Versuch gleichkomme, den Gaul von hinten aufzuzäumen: Zunächst müsse klar sein, wo und wie mittelfristig die Verkehrsströme geführt werden. Danach könne man über den Ausbau von Straßen nachdenken.

Stadt nimmt auch Scheck-in-Kreisel unter die Lupe

Am Rande der Sitzung wurde deutlich, dass die Stadt inzwischen auch den mutmaßlich wichtigsten Flaschenhals im Acherner Straßennetz unter die Lupe nehmen lässt: des sogenannten Scheck-in-Kreisel am Stadteingang. Seit dem Sommer 2017 sind die ohnedies mit dem Verkehrsgutachten beauftragten Karlsruher Verkehrsplaner beauftragt, hier zunächst einmal den Stand der Dinge zu erheben. Die Suche nach Lösungen aber dürfte schwierig sein. Laut Bertram gebe es eine Reihe von Optionen, beginnend mit einem Bypass bis zu einer Troglösung (siehe auch Hintergrund „Nadelöhr Kreisverkehr“).

Neues Stadtviertel mit urbanem Charakter

Das neue Stadtviertel im direkten Anschluss an die Acherner Kernstadt, nur einen Steinwurf von der Lammbrücke entfernt, soll durchaus urbanen Charakter haben. An der Fautenbacher Straße werden zwei Gebäuderiegel von bis zu 16 Meter Höhe entstehen, und auch entlang der Haupterschließungsstraße ist die Bebauung recht massiv – was nicht zuletzt dem Lärmschutz der dahinter liegenden Wohngebiete dienen soll. Im Inneren des Baugebiets sind zweieinhalb bis dreieinhalb Stockwerke vorgesehen, durchbrochen von Grünstreifen, an der Acher haben die Planer Stadtvillen eingezeichnet, nach dem in Achern bekannten Muster oder zumindest so ähnlich.

Schutzwall gegen Bahnlärm vorgesehen

Massiv die Bemühungen um den Schallschutz: Ein bis zu 450 Meter langer und fünf Meter hoher Wall schottet die Wohnbebauung vor allem gegen die Bahnlinie ab – teilweise wird darauf noch eine bis zu vier Meter hohe Wand errichtet. Die Straßen werden öffentlich sein, auch der Grünstreifen an der Acher, parallel zur Eisenbahnstraße, soll Fußgängern und Radfahrern zur Verfügung stehen. Im Nordosten werden 6 500 Quadratmeter für eine Stadthalle frei gehalten werden – wenn die Stadt sie sich das denn leisten kann und will: „Das muss“, so mahnte OB Klaus Muttach, „aber auch im Haushaltsplan dargestellt werden“.

Hochbauarbeiten sollen 2019 starten

Tatsächlich hat die Stadt kaum Zeit, lange zu zaudern: Noch im kommenden Jahr soll planungsrechtlich ein Knopf drangemacht werden, die Hochbauarbeiten könnten bereits im ersten Quartal 2019 beginnen.
Die CDU-Fraktion gab am Montagabend mit einem Zehn-Punkte-Plan den Takt der weiteren Debatte vor – vor allem mit dem Wunsch nach einer dritten Fahrspur und einem beiderseitigen Radweg an der Fautenbacher Straße, aber auch mit der Forderung nach Platz für Einfamilienhäuser. Stadtplaner Bertram bremste: „wir sollten jetzt keine Liste aufstellen um da alles irgendwie reinzupacken“. Vor allem Einfamilienhäuser seien in dieser Umgebung „städtebaulich und nachbarschaftlich ein Bruch“.

7000 Quadratmeter Platz für Eidechsen

Auf die Verkehrsprobleme wiesen für die Freien Wähler in der Folge Gebhard Glaser und Jutta Römer (ABL) hin, die bekannte, dass sie sich derzeit nicht vorstellen könne, wie das derzeit entstehende Verkehrsgutachten hier Linderung bringen könne: „Wir sollen uns die Möglichkeiten weiterer Entwicklungen sichern“, betonte sie daher. Dass das Baugebiet ökologisch auf dem Stand der Zeit ist, betonte Planerin Jessica Waibel: Rund die Hälfte der Dachflächen solle begrünt werden und der Lärmschutzwall diene auch als Domizil für Eidechsen: „7 000 Quadratmeter, das sind 70 Quadratmeter pro Tier“. So viel habe manche Familie nicht als Wohnraum.

Nadelöhr Kreisverkehr: Seit diesem Sommer befassen sich die Gevas Ingenieure aus Karlsruhe nicht nur mit dem Verkehrsgutachten, sondern besonders auch mit dem noch recht neuen Kreisverkehr am Acherner Stadteingang. Mit seinen fünf Armen hat er den Autofahrern schon immer viel abverlangt, inzwischen sorgt er für regelmäßige Staus bis weit ins Stadtzentrum. Derzeit läuft die Bestandsaufnahme, wenn auch mit gebremstem Schaum, so Stadtplaner Rolf Bertram auf Anfrage. Das Verkehrsgutachten habe Vorfahrt. Doch schon jetzt werde klar, welche Verkehrsbeziehungen wann für Staus sorgen. Doch eine Lösung wird schwierig. Ein Beispiel? Die von Fautenbach kommenden Autofahrer rauschen fast ungebremst in den Kreisel, blocken die von der Landesstraße 87 kommenden Fahrzeuge ab. Doch für diese einfach einen „Bypass“ zu bauen, wäre zwar möglich, weil die Stadt das Gelände hat, aber nicht sinnvoll – vermutlich, so Bertram, würde auf diese Weise noch mehr Durchgangsverkehr in die Innenstadt statt auf die neue B3 geleitet. Alternative wäre ein Trogbauwerk, doch wer das bezahlen soll und kann, das steht in den Sternen.Theoretisch wäre auch eine Verlegung der Einfahrt zum Supermarkt eine Lösung – aus fünf Anschlüssen würden vier, die Verkehrsplaner gehen davon aus, dass es dann klappt mit dem Kreisel. Doch so eine Lösung, so Bertram, halte er für „undenkbar“.