Laos Nuss Philippe Schmidt
Die Produktion läuft: Das Ziel ist es, rund 20 000 Energieriegel mit der Sacha-Inchi-Nuss als Nahrungsergänzung an Kinder zu verschenken. | Foto: privat

Kappelrodecker Philippe Schmidt

Nuss soll in Laos nach der Katastrophe helfen

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Kaum hatte Philippe Schmidt eine Tüte mit Schokonüssen aus Laos in eine Schale gegeben, da hatten seine Freunde diese auch schon mit Genuss aufgegessen und er musste Nachschub holen. Den hatte er für seinen Heimaturlaub in Kappelrodeck reichlich dabei, denn die Nüsse haben eine besondere Geschichte.

Bei der Leckerei handelte es sich um das kulinarische Ergebnis eines neuen Unternehmens, das der im Jahr 2000 mit seiner Ehefrau Babette Schmidt nach Laos ausgewanderte Arzt und Mitbegründer der Deutschen Hilfsaktion für Missionskrankenhäuser (DHM) mit Sitz in Achern in seinem neuen Heimatland mit anderen gründete. Hierbei handelt es sich um die Lebensmittel- und Agrarfirma „Mai Savanh Lao“ (MSL), die sich derzeit vor allem auf Produkte konzentriert, deren Basis die in Europa noch ziemlich unbekannte, aber höchst nährreiche und vielfältig verwendbare „Inka-Nuss“ Sacha Inchi ist. „Die Nüsse sind reich an Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, und das Öl ist das beste Pflanzenöl der Welt“, schwärmt Philippe Schmidt, der seinen Heimaturlaub auch nutzt, um Geschäftspartner und Unterstützer für MSL zu finden.

Laos Nuss Philippe Schmidt
Seit dem Jahr 2000 lebt das Ehepaar Schmidt in Laos. Im Bild Philippe Schmidt und Babette Schmidt beim Heimaturlaub mit Arnaud Weider. | Foto: Roland Spether

Diese ist eine Non-Profit-Organisation, hat derzeit 50 Mitarbeiter und baut mit 2 000 Bauernfamilien auf 1 000 Hektar die Nüsse in ihrer charakteristischen Sternform an. Die Nüsse werden vor allem auch zu einem Energieriegel verarbeitet, der an Kinder und Erwachsene verschenkt wird. „Unser Ziel ist, 20 000 Riegel zu verschenken, und je nach Spendenaufkommen wollen wir bis zu 100 000 gehen“, so Philippe Schmidt.
Hintergrund dieser besonderen Hilfsaktion ist eine Flutkatastrophe, die hierzulande kaum bis gar nicht bekannt wurde und die viele Menschen das Leben kostete.

Wasser zerstörte in Laos sieben Dörfer

Nachdem es drei, vier Tage ununterbrochen geregnet hatte, brach ein Damm und fünf Milliarden Kubikmeter Wasser – ungefähr so viel wie der Chiemsee und der Starnberger See zusammen fassen – überschwemmten sieben Dörfer, berichtete Philippe Schmidt. Deshalb möchte MSL noch mehr dieser Energieriegel produzieren und den Menschen zur Verfügung stellen, drei Riegel am Tag würden dank der hohen Qualität den Tagesbedarf an Nährstoffen decken.

Acherner DHM unterstützt das Projekt

Deshalb hat sich auch die DHM nach Aussage ihres Vorsitzenden Arnaud Weider dazu entschieden, dieses Projekt zu unterstützen, nachdem von Achern aus bereits vor drei Jahren eine Anschubfinanzierung für die professionelle Herstellung von Sacha-Inchi-Produkten erfolgt war und diese nun fortgesetzt wird. Anhand von Bildern und Videos verdeutlichte Philippe Schmidt, mit welche hohem Standard mittlerweile produziert werde und wie vielfältig die Produkte schon seien.

Laos Nuss Philippe Schmidt
Dank der hohen Qualität sollen drei Riegel den Tagesbedarf an Nährstoffen decken. | Foto: privat

Im Januar 2000 wurden Babette und Philippe Schmidt bei einem Gottesdienst in der Christuskirche in Achern nach Laos ausgesandt, um dort vor allem in der Hauptstadt Vientiane medizinisch tätig zu sein und die Unfallchirurgie mit aufzubauen. Ferner wurde er als Koordinator für verschiedene medizinische Projekte in Laos eingesetzt, und das Krankenhaus in Atopeu wurde umfassend renoviert und erweitert. Die Arbeit wurde von der DHM unterstützt, auch der Aufbau einer Produktion mit Seidenwaren, wobei von der Zucht der Seidenraupen bis zur fertigen Ware alles aus einem Unternehmen kam und derzeit von 200 Bauernfamilien getragen wird. Alljährlich auf dem Acherner Weihnachtsmarkt verkauft die DHM die Seidenprodukte aus Laos.


Spendenkonten: Die Deutsche Hilfsaktion für Missionskrankenhäuser hat folgende Konten, für Spenden für das Sacha-Inchi-Projekt als Kennwort „Laos“ angeben: Volksbank in der Ortenau mit der IBAN DE72 6649 0000 0000 5670 00 sowie bei der Sparkasse Offenburg-Ortenau, IBAN DE35 6645 0050 0088 0159 72.

Hintergrund: Die Sacha-Inchi-Nuss
In den 80er Jahren brachten ernährungswissenschaftliche Untersuchungen das an den Tag, was die alten Inka in Peru und die Menschen in Amazonien schon vor 3 000 Jahren aus Erfahrung wussten: Die Inka-Nuss in Form eines Sterns gehört zu den besten pflanzlichen Omega-Fettsäuren-Lieferanten, darüber hinaus haben die Nüsse einen hohen Anteil an Antioxidantien, an Vitamin A und Vitamin E, auch essenzielle und nichtessenzielle Aminosäuren sind reichlich vorhanden. Nicht zu vergessen, dass die Frucht zu den besten pflanzlichen Omega-Fettsäuren-Lieferanten gehört, die „Mutter Natur“ zu bieten hat.
Wie auch immer die Nuss nach Asien und insbesondere nach Laos kam – sie gedeiht dort prächtig und ist aus der Sicht von Ernährungsexperten ein perfekter Lieferant für gesunde Nahrung. Dies haben sich Philippe Schmidt und seine Partner zu eigen gemacht, das Unternehmen „Mai Savanh Lao“ gegründet und einen Ansatz an moderner Entwicklungshilfe umgesetzt, der von der Einbeziehung von Bauernfamilien über gerechte Preise für die Produzenten bis zur Schaffung von Arbeitsplätzen und fairem Handel reicht. Nun sollen die Geschäftsfelder ausgedehnt werden, Kontakte zu Produzenten in Frankreich, Deutschland und Italien sind geknüpft, MSL-Mitarbeiter besuchten auch Lebensmittelmessen. Da es sich bei dem Unternehmen letztlich um die Herstellung von gesunder, fair produzierter Nahrung handelt und der Sacha-Inchi-Riegel ein Energielieferant für Kinder ist, unterstützt die DHM dieses Projekt des Ehepaares Schmidt in Laos. Und dieses heißt „Mai Savanh Lao“ – „Seide aus dem Paradies“.

Von Roland Spether