Ulrich Moeller
Der Meister der humorvollen Rede: Klaus-Ulrich Moeller in Aktion. | Foto: Roland Spether

Klaus-Ulrich Moeller

Obersasbacher tritt bei Rede-Europameisterschaft an

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Von Roland Spether

„Reden lernt man durch Reden.“ Ok – fünf Euro für das Phrasenschwein würde der Moderator der Sportsendung „Doppelpass“ sagen, doch für Klaus-Ulrich Moeller ist das eine fast ernsthafte Angelegenheit, und er würde daraus eine humorvolle Rede machen. Möller hat sich als Mitglied bei Toastmasters und im Rhetorikclub Karlsruhe für die Rede-Europameisterschaft qualifiziert, die an diesem Wochenende in Brünn in der Tschechischen Republik stattfindet. Die Teilnahme hat sich der Obersasbacher Neubürger mit zwei Südwestmeisterschaften gesichert – einer Stegreifrede und seiner humorvollen Rede „Der Beleidigungs-Trainer“.

Gelernter Journalist zog 2016 nach Obersasbach

Der Kommunikationsexperte und gelernte Journalist stammt aus Schleswig-Holstein, hat die vergangenen 20 Jahre im Rhein-Main-Gebiet verbracht und zog 2016 in die Villa Erlenbad, wo er sich sehr wohl fühlt. „Ich brauche für meinen Beruf Ideen und Inspiration, das bekommt man in so einer Großstadt wie Frankfurt nicht, dort ist alles Hektik, Stress und Lärm“. Deshalb wollte er „dichter an die Natur und die Berge heran“. In Sasbach-Obersasbach findet er viel Muse und Inspiration für sein Hobby.

Humorvolle Rede mit ernstem Thema

„Für meine humorvolle Rede habe ich mir eigentlich ein sehr ernsthaftes Thema ausgesucht, denn wir leben heute in einer Zeit von Hate Speech und Shit Storms im Internet mit einer emotional aufgeladenen und hasserfüllten Sprache.“ Diese zu „trainieren“ ist weder in seiner Rede noch in seinem Leben das Ziel, vielmehr deckt er auf humorvolle Weise auf, was heute ein zentrales Problem in der Kommunikation von Menschen ist. „Die Zuhörer sollen spüren, dass da eine ernsthafte Botschaft dahinter steckt, die aber mit viel Humor und Sprachwitz verpackt ist.“

Beleidigungen aus der Welt der Botanik

Eine solche Rede werde nicht einfach so aus dem Ärmel geschüttelt, vielmehr stecke für diese „schwierige Kunst“ viele Tage Zeit und Arbeit. Die hat er sich genommen und dann eine Rede kreiert, für die er Anlehnungen an Bezeichnungen aus der Botanik benutzt. „Also, da steht die Schwiegermutter vor der Tür und Du begrüßt sie hier mit: Dich braucht hier nun wirklich niemand, du behaartes Schaumkraut.“ Besagtes Kraut gibt es tatsächlich und dieses, wie viele andere von der Gemeinen Stinkmorchel bis zum Stinkenden Storchschnabel, fand er für seine Rede zu Hauf in der Botanik. Doch „geht es auch nicht friedlicher, respektvoller und menschlicher“ stellt er mitten in seiner furiosen Rede die Frage, um seine Zuhörer zum Nachdenken zu bringen. Kaum haben diese ausgedacht hallt es laut heraus: „Nein, gerade in der Beleidigung sind wir authentisch.“

Sollte mir gar nichts einfallen, gibt man die Frage ans Publikum

Das Toastmasters-System beruht auf dem Prinzip der gegenseitigen Hilfe, um die Rede- und Kommunikationsfähigkeit zu verbessern und seine Persönlichkeit weiter zu entwickeln. „Wenn ich sollte, könnte ich jetzt gleich eine Rede über den Alde Gott Wein halten und würde ungeheuer kompetent daher kommen“, so Klaus-Ulrich Moeller. „Wenn ich in dem Rede-Modus bin, dann geht das sehr schnell, und sollte mir gar nichts einfallen, dann gibt man die Frage an das Publikum und laviert sich irgendwie durch.“

Moeller verfasst Kolumnen, Buch und Satireprogramm

Den Spaß am freien Reden entdeckte Möller erst vor zehn Jahren, daraus entstand ein Satireprogramm aus eigenen Kolumnen und ein Buch mit dem Titel „Kant hätte geweint – Böse Business-Satiren und andere Betrachtungen über die Welt“. Von „Restwärme für Katzen“ über „Kohlrouladen auf dem Herd“ bis zur „Purpur-Fetthenne“ werden einige Themen ins satirische Visier genommen. Vielleicht gibt es einmal eine Veranstaltung in der neuen Heimat. Lust dazu hätte der Meister der humorvollen Rede.