Neuer Cheftrainer bei den Bühler Bisons ist Johan Verstappen (links). | Foto: Thomas Steuerer

Chefcoach Johan Verstappen

Oberster Bisons-Bändiger hat den Blick für das Ganze

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Pain – Passion – Progress“: Ohne Leiden und Leidenschaft gibt es keine Entwicklung. Es ist das Mantra des neuen Bisons-Cheftrainers Johan Verstappen. „Das fordern wir jeden Tag von den Jungs“, betont der 49-jährige Niederländer, der die Bühler Bundesliga-Volleyballer nun mit Hochdruck auf die neue Saison vorbereitet.

Verstappen, das sah auch der Außenstehende beim öffentlichen Training der Bisons in der Großsporthalle, ist ein Technikfuchs. Dabei zählt für ihn nicht allein, alles richtig zu machen. Vielmehr sollen die Spieler verstehen, „warum geht der Ball wohin“, damit könnten sie sich selbst korrigieren und seien auch in der Lage zu reflektieren. Funktioniere das, „dann haben wir in einem Jahr weniger Arbeit“, sagt der Coach und schmunzelt. Und noch mal die Technik: Die gewinne am Ende gegenüber der Kraft.

Wir sind in einem Boot und das darf nicht untergehen.

Verstappen bringt viel internationale Erfahrung mit, hatte Trainierstationen in Finnland, der Schweiz, in Belgien und Indonesien. 2014 unterschrieb er dann einen Vertrag als Coach des VC Olympia Berlin und als U20-Bundestrainer. Der Niederländer kann gut erklären, benutzt immer wieder eindrückliche Bilder, um seine Ideen und Ziele zu verdeutlichen. „Wir sind in einem Boot und das darf nicht untergehen“, brachte er beim „Bisons-Talk“ am Mittwochabend seine Philosophie auf den Punkt und betonte, „wir werden nie aufgeben“.

Blick auf das Ganze

Verstappen sieht das Ganze. Jeder einzelne Mitarbeiter im Bühler Volleyball-Kosmos sei wichtig, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Der oberste Bisons-Bändiger stellte in diesem Zusammenhang Mentaltrainerin Anke Precht aus Offenburg vor. „Wenn wir einen Schritt weiter machen, Mentaltraining ist ein Teil davon.“ Zum Kreis der wichtigen Unterstützer gehören für ihn die Bisons-Anhänger samt Fanclub Baden Rockets. „Ich war überrascht und begeistert, wie viele Leute zum öffentlichen Training gekommen sind“, freute sich der 49-Jährige, der klar betonte: „Das ist nicht meine Show.“

Die Jungs sollen auch menschlich etwas lernen.

Verstappen, das wird schnell klar, wenn man sich mit ihm unterhält, will jungen Spielern nicht nur das technische Wissen am Ball vermitteln, will ihnen nicht allein Taktik beibringen. Er will die überwiegend doch sehr jungen Profis auch auf das Leben vorbereiten, will ihnen helfen, „menschlich etwas zu lernen“. Respekt sei deshalb wichtig, „das versuche ich den Leuten mitzugeben“. Jeden einzelnen Spieler will er „individuell besser machen“.

Trainer mit Humor

Und da kommt wieder „Pain – Passion – Progress“ ins Spiel. „Die Jungs müssen sich quälen wollen“, sagt der Trainer. Der Volleyball-Experte hat Humor, und der blitzt immer wieder durch. „Wir haben diese Woche mit dem Training am Ball angefangen“, berichtet er den Fans, „vielleicht war das für euch ein super Training. Wir haben das aber sechsmal geübt, damit es so gut aussieht.“

Von der Millionenmetropole Berlin in die Kleinstadt Bühl

Von Berlin nach Bühl, von der Millionenmetropole in die Kleinstadt – das ist für Verstappen natürlich eine Umstellung. In Berlin sei immer etwas los. Doch nicht nur das ist anders. Die Großsporthalle gefällt ihm, es gebe aber einen großen Unterschied zu seinen bisherigen Wirkungsstätten. „Dort hatten wir die Halle 24 Stunden für uns.“ In Bühl dient die Sportstätte zudem den Schulen und den Vereinen. Zwei Trainings der Bisons sind deshalb von 20 bis 22 Uhr. „Daran muss ich mich gewöhnen“, so Verstappen.

Bei Verpflichtung der neuen Spieler eingebunden

In den nächsten Wochen und Monaten geht es nun darum, die Mannschaft zu einer Einheit zu formen. Verstappen war, wie er erläutert, bei der Verpflichtung der neuen Spieler eingebunden, einige der Jungs aus dem „Stammkader“ kennt er noch aus früheren Zeiten – Corbin Balster, Yannick Goralik und Stefan Thiel zum Beispiel vom VCO Berlin, Felix Orthmann aus dem U20-Nationalteam.

Das Training mit dem Ball für die Bühler Bundesliga-Profis um Cheftrainer Johan Verstappen hat begonnen. | Foto: Thomas Steuerer

Und beim vergleichsweise niedrigen Durchschnittsalter setzt er gleich in Sachen Saisonziele an. „Wir müssen ehrlich sein, wir arbeiten mit jungen Spielern“, fordert er den nötigen Realismus. Primär gehe es nicht darum, Berlin, Friedrichshafen, Frankfurt oder Haching zu schlagen, die machbaren Gegner seien eher Herrsching, Düren und Co. Wobei Verstappen natürlich nicht ausschließen will, dass an einem guten Tag ein Sieg gegen ein Team aus dem Reigen der besten Vier drin ist.

Nicht jeder war in den letzten zwei Jahren am Limit.

Denn, so hat der 49-Jährige bereits ausgemacht, es sei mehr Potenzial vorhanden, als abgerufen werde. „Nicht jeder war in den letzten zwei Jahren am Limit.“ Das wolle er ändern. Und nicht nur das. Es ist nur ein Punkt auf einer langen Liste. „Wir werden auch Fehler machen“, so Verstappen, der aber genau das als Teil des gesamten Entwicklungsprozesses sieht. Verstappen will beim Volleyball-Bundesligisten TV Bühl neues Feuer entfachen – gemäß dem Mantra „Pain – Passion – Progress“.