Sichtbarer Schaden: Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt hinterlassen ihre Spuren. Foto: Michael Moos

Ernte in Gefahr

Obstbauern in der Ortenau bleiben wegen frostiger Nächte nervös

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Die Obstbauern in der Ortenau leiden unter den frostigen Nächten. Temperaturen bis zu minus 6 Grad Celsius haben ihre Spuren hinterlassen. Die Landwirte bangen um ihre Ernte. Vor allem bei Zwetschgen und Kirschen sind Schäden zu erwarten.

Die Uhren wurden umgestellt. Abends bleibt es wieder länger Hell. Sommerzeit. Doch davon ist in den Nächten weiterhin kaum etwas zu spüren. Vor allem die Obstbauern leiden, wie berichtet, unter den frostigen Temperaturen.

Nachdem Klemens Kammerer aus Renchen-Ulm zunächst seine Beregnungsanlage aufgrund des Windes nicht nutzen konnte und die Pumpe dann auch noch defekt war, funktioniert sie inzwischen.

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Zwar kann der 45-Jährige den Schaden noch nicht genau abschätzen. Aber dieser sei auf manchen Plantagen extrem, auf anderen wiederum überhaupt nicht zu sehen. „Noch rechnen wir mit einem einigermaßen vernünftigen Ertrag, wenn man ein, zwei Plantagen ausklammert“, sagt Kammerer.

Aber aus seiner Sicht war die Nacht auf Dienstag die bislang schlimmste mit Temperaturen bis zu minus 6,5 Grad Celsius. „Die hat sicher für deutlichen Schaden gesorgt“, sagt der Obstbauer.

Bis zu 70 Prozent Schaden auf Apfel-Anlagen

Bei den Äpfeln seien insbesondere die schlechteren, also tieferen Lagen, auf seinem hügeligen Gelände betroffen. Dort setzt sich die Kälte nach unten ab – schon ein Temperatur-Unterschied von einem halben Grad Celsius im Vergleich zu höheren Lagen auf Kammerers Anlage könnte einen entscheidenden Unterschied ausmachen, ob sich aus einer Blüte noch eine genießbare Frucht entwickelt oder sie unbrauchbar ist.

„Wir haben Anlagen bei Äpfeln mit bis zu 70 Prozent Schaden“, schätzt der Obstbauer Zur Einordnung erklärt Kammerer, dass an einem Apfelbaum 400 bis 500 Blüten hängen. Er benötige acht bis zehn Prozent für einen guten Ertrag. Dementsprechend mache er sich um den Schaden noch keine Sorgen.

Wir versuchen alles, um gut durch diese Zeit zu kommen.

Markus Grimmig, Obstbauer aus Oberkirch

Für Markus Grimmig aus Oberkirch ist der Schaden auf seinem Gelände noch nicht abzusehen. „Dazu ist es zu früh, ich weiß erst in drei bis vier Wochen mehr“, erklärt der Obstbauer. Er benötigt bei den Äpfeln zehn bis 20 Prozent der Blüte für einen guten Ertrag. Immerhin könnten 90 Prozent der Äpfel bei Grimmig beregnet werden, was aber einen riesigen Aufwand bedeutet.

Wie viele dieser Blüten die frostigen Nächte überstehen, und wenn ja in welcher Qualität, lässt sich derzeit noch nicht präzise vorhersagen. „Wir versuchen alles, um gut durch diese Zeit zu kommen“, betont der 48-Jährige.

Frost macht Zwetschgen und Kirschen zu schaffen

Deutlich schlechter als beim Apfel sieht die Situation hingegen bei Zwetschgen und den Kirschen aus. „Die kalte Zeit hat den beiden Obstsorten stark zu schaffen gemacht. Wir müssen bei den Zwetschgen mit weniger Ertrag rechnen und bei Kirschen zumindest mit einem Schaden“, lautet Kammerers vorsichtiges Zwischenfazit.

Unter dem Strich seien die Karten noch nicht gespielt. Noch könne die Natur die Dinge regulieren, hofft der Landwirt aus Renchen-Ulm. Bei Grimmig in Oberkirch sieht es ähnlich aus. Auch er rechnet beim Steinobst mit einem Schaden, konkreter einordnen lässt er sich allerdings noch nicht.

Wir sind alle weiterhin sehr nervös.

Klemens Kammerer, Obstbauer aus Renchen-Ulm

In den kommenden Wochen kann sich der Schaden für die Obstbauern deutlich vergrößern. Schließlich kann es in den Nächten dem Deutschen Wetterdienst zufolge weiter frostig bleiben. Das hat dann auch Auswirkungen auf die Erträge der Obstbauern.

„Wir sind alle weiterhin sehr nervös“, beschreibt Kammerer seine Gemütslage. Auch bei Grimmig herrscht Ungewissheit. „Im März und April können wir nicht mehr richtig schlafen. Vor allem an diesen beiden Monaten hängt unser gesamter Ertrag für das Jahr“, sagt er.

Landwirte schieben Nachtschichten, um Obst zu schützen

Zu präsent ist beiden noch das Jahr 2017. Damals gingen innerhalb einer Nacht sämtliche Blüten auf ihren Anlagen kaputt. Nur verständlich erscheint vor diesem Hintergrund die verhalten optimistische Aussicht.

Um das Obst zu schützen, schieben die Landwirte in der Region derzeit einige Nachtschichten und verwenden Beregnungsanlagen. Temperaturen unterhalb des Gefrierpunktes gefährden die empfindlichen Blüten und damit die Ernte der Obstbauern. Um das zu verhindern, sprühen Kammerer, Grimmig und Co. momentan Wasser über die Bäume.

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Gefriert das Wasser auf den Blüten, bildet sich ein Eispanzer darüber. Dieser Prozess setzt Wärme frei, während die Temperatur konstant bleibt. Der Vorgang muss stetig wiederholt werden, damit sich immer wieder neue Wärme entwickeln kann. Deswegen muss die Anlage die ganze Zeit über bewacht werden.

Doch nicht jedes Obst kann so beschützt werden. Vor allem die Blüten beim Steinobst wie Zwetschgen und Kirschen vertragen das Wasser nicht.