Umsatzrückgang bei der Genossenschaft: Spätfröste – das Bild von erfrorenen Kirschen entstand vor einem Jahr – aber auch Hitze, Starkregen und Hagel haben den Obstbauern 2017 schwer zugesetzt. | Foto: Patrick Seeger

„Historisch niedrige Ernte“

Obstgroßmarkt Mittelbaden: Bilanz schließt mit einem Minus

Die OGM Obstgroßmarkt Mittelbaden eG sieht trotz der geringen Erntemengen im Jahr 2017 und damit einhergehenden Umsatzeinbußen ihre Marktposition gefestigt. Das geht aus einer Pressemitteilung der Genossenschaft hervor. Während der Mitgliederversammlung wurde zudem ein Antrag zu Bonuszahlungen für Kleinerzeuger bei der Zertifizierung abgelehnt.

Kleinste Erntemenge der vergangenen 20 Jahre

Aus den Obstverkäufen resultiert ein Umsatz von 29,6 Millionen Euro. Damit liege die OGM deutlich unter dem Vorjahresergebnis mit 35,2 Millionen Euro. Mit 22 700 Tonnen vermarkteter Erntemenge handele es sich um die kleinste Menge der vergangenen 20 Jahre. Die Bilanz schließt mit einem Minus von rund 215 000 Euro.

Spätfröste, Hitze, Starkregen und Hagel setzen Obstbauern zu

Spätfröste, danach Hitze, Starkregen und Hagel haben den Obstbauern im vergangenen Jahr schwer zugesetzt. Vorstandsvorsitzender Wendelin Obrecht sprach bei der nichtöffentlichen Mitgliederversammlung in der Erwin-Braun-Halle am Donnerstag besonders bei den Äpfeln von einer „historisch niedrigen Ernte“. Die Auswirkungen daraus werden auch im Geschäftsjahr 2018 noch spürbar sein, da die Apfellager seit Wochen geräumt sind. Die Vermarktungsmenge lag weit unter dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre, berichtete Geschäftsführer Marcelino Expósito.

Ergebnis bei Erdbeeren bleibt unter dem des Vorjahres

Trotz des Tunnelanbaus blieben die Erdbeeren mit 3 549 Tonnen um fast 1 000 Tonnen unter dem Vorjahresergebnis. Durch ein überdurchschnittliches Erlösniveau konnte der Vorjahresumsatz fast erreicht werden „Auch bei den roten Johannisbeeren gab es positive Überraschungen“, schilderte Obrecht. Unterm Strich wirkten sich damit beim Beerenobst die Frostschäden am geringsten aus.

Ernüchterung bei Baum- und Steinobst

„Die Ernüchterung kam dann beim Baumobst.“ Bei den Tafel- und Brennkirschen konnten nur eine 30- beziehungsweise 20-Prozent-Ernte vermarktet werden. Mit 1 695 Tonnen Steinobst hatte die OGM nicht einmal 20 Prozent einer normalen Ernte zur Verfügung. Sowohl bei Kirschen als auch bei den Zwetschgen konnten gute Verkaufserlöse erzielt werden, aber die fehlenden Mengen konnten nicht annähernd kompensiert werden.

Ergebnis bei Kernobst sackt in den Keller

Auch beim Kernobst wurden die Erzeugerbetriebe empfindlich getroffen. Mit einer Menge von 4 400 Tonnen an Lageräpfeln sackte das Ergebnis gegenüber dem Vorjahr mit 12 300 Tonnen in den Keller. Nur 30 Prozent einer normalen Tafelwarenernte konnten eingelagert werden.

Gemischtes Fazit bei Mitgliedsbetrieben

So fiel das Fazit für das Obstjahr 2017 bei den Mitgliedsbetrieben sehr unterschiedlich aus. Wer auf Beeren als Schwerpunkt setzte, kam gut weg. Zufriedenheit gab es auch bei den Apfelbetrieben, die über ausreichende Frostschutzberegnung verfügen konnten. Am schlimmsten waren jene betroffen, die ihren Schwerpunkt bei Kirschen und Zwetschgen haben. Hier gibt es auch kaum technische Möglichkeiten des Frostschutzes.

Lob für Mitglieder und Produzenten

Lob gab es für die rund 2 000 Mitglieder und Obstproduzenten, die „seit Generationen täglich frisch ein vielfältiges Früchtesortiment auf höchstem Niveau“ bei den Betriebs- und Sammelstellen der OGM abliefern.

vielfältiges Früchtesortiment auf höchstem Niveau

Diese Qualitätsorientierung, die geografische Lage im sonnigen Süden sowie der vermehrte Einsatz von Anbaumethoden zur Ernteverfrühung, sowie jahrelanger Erfahrung und Fachwissen, festige die starke Marktposition der OGM.

OGM sieht sich erhöhtem Wettbewerbsdruck ausgesetzt

Auch der Obstgroßmarkt sieht sich durch den fortschreitenden Konzentrationsprozess bei den abnehmenden Märkten einem erhöhten Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Dem begegne man mit konsequenter Qualitätspolitik mit dem Fokus auf den regionalen Produkten. Dank der frühen Lieferfähigkeit habe die OGM in Deutschland eine besondere Marktstellung, betonte Expósito.

Einige Veränderungen im OGM-Vorstand

Wendelin Obrecht wurde im Amt des Vorstandsvorsitzenden bestätigt. Auch Erich Kiefer aus Ortenberg wurde wieder gewählt. Markus Grimmig wurde ebenfalls in seinem Amt bestätigt. Es wurde auch Markus Beathalter aus Offenburg in den Aufsichtsrat wieder gewählt. Thomas Schmitt aus Bühl kam neu ins Gremium und tritt die Nachfolge von Hugo Herrmann aus Lauf an, der nach acht Jahren sein Amt zur Verfügung stellte. Klemens Kammerer, Markus Kirn, beide aus  Renchen, und Franz Kurz aus Sasbach erhielten von der Versammlung den Auftrag für eine weitere Amtszeit. Neu ins Gremium kam Reinhard Huber aus Lichtenau. Er folgt auf Regina Fraß aus Lichtenau. Sie stellte ihr Amt aus privaten Gründen zur Verfügung und wurde wie ihr Kollege Herrmann durch den Aufsichtsratsvorsitzenden Grimmig für ihr Engagement gewürdigt.

Antrag abgelehnt
Eine Abordnung Obsterzeuger aus dem Bühler Raum hatte zu Beginn der Mitgliederversammlung der Obstgroßmarkt Mittelbaden e.G. (OGM) einen Antrag zur Änderung der Tagesordnung gestellt. Ziel war, wie die Genossenschaft in einer Pressemitteilung berichtet, eine Abstimmung über einen Antrag vor der Entlastung der Gremien herbeizuführen. Hintergrund ist die Entscheidung, ab 2018 keinen Bonus mehr für die Zertifizierung auszubezahlen. Vielmehr sollte der Bonus weiter bezahlt werden und über die Marktgebühr abgerechnet werden. Der Antrag zur Änderung der Tagesordnung wurde mehrheitlich abgelehnt.
Im weiteren Verlauf der Sitzung stellte Erwin Meier aus Bühl den eigentlichen Antrag zur Bonuszahlung zur Abstimmung. Die Kleinerzeuger seien im November durch den Beschluss von Vorstand und Aufsichtsrat „völlig überrascht worden“ (der ABB berichtete mehrfach). Die Verärgerung darüber habe schon einige Erzeuger veranlasst, die OGM zu verlassen. Meier gab seiner Befürchtung Ausdruck, dass Kulturen ganz aufgegeben würden und sich damit die Kulturlandschaft verändern könnte.
Hierzu hatte die OGM juristischen Rat beim Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband (BWGV) eingeholt. Aus der Satzung ergebe sich, dass die Abstimmung darüber nicht in die Zuständigkeit der Mitgliederversammlung falle. Auch sehe der BWGV im Beschluss der Gremien, den Bonus zu streichen, „keinen Verstoß gegen den genossenschaftlichen Gleichbehandlungsgrundsatz“.
Wie Vorstandsvorsitzender Wendelin Obrecht verdeutlichte, ist die Zertifizierung seit 2016 „die Eintrittskarte zum Markt, wie der TÜV beim Auto im Straßenverkehr.“ Ein Kleinsterzeuger sei hiervon stärker betroffen als ein großer Betrieb, aber die „Zertifizierung sehen wir in der wirtschaftlichen Verantwortung der Erzeuger.“
Bei der Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat hatte Obsterzeuger Georg Wolf dazu aufgerufen, den beiden Gremien das Vertrauen auszudrücken