Sein Herz schlägt für betagte Autos: Marc Culas ist der Organisator des Oldtimer-Meetings in Baden-_Baden.
Sein Herz schlägt für betagte Autos: Marc Culas ist der Organisator des Oldtimer-Meetings in Baden-Baden. | Foto: Bernd Kamleitner

Organisator Marc Culas

„Oldtimer-Meeting ist ein Erfolgscocktail“

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Vom 12. bis 14. Juli 2019 folgt die 43. Auflage des Oldtimer-Meetings in Baden-Baden, das von den Badischen Neuesten Nachrichten als Medienpartner begleitet wird.  Das Freilichmuseum der Automobilgeschichte  hat sich längst zu einer Leuchtturmveranstaltung in der Region entwickelt. BNN-Redakteur Bernd Kamleitner sprach mit Organisator Marc Culas.

Wie wurden Sie vom Oldtimer-Fieber infiziert?

Culas: Mein Vater hat 1976 das Oldtimer-Meeting ins Leben gerufen. Eineinhalb Jahre vorher hat er mit einem Freund einen alten Citroen, einen Traction Avant, bekannt als Gangsterlimousine, restauriert. Damals war ich so fünf, sechs Jahre alt und aus dieser Zeit sind die ersten Oldtimer-Erinnerungen präsent. Das Fahrzeug wurde zerlegt und wieder zusammengebaut, und wir Kinder durften mit dabei sein. Da ging es mit dem Oldtimer-Virus los.

Der Wagen gilt als legendäres Gangster-Fluchtfahrzeug …

Culas (lacht): Wir sind mit dem Auto nicht geflüchtet! Aber in einem alten Auto zu fahren, das war schon immer viel spannender als in einem modernen Wagen. Für mich als Kind waren die alten Autos mit ihren außergewöhnlichen Formen viel interessanter.

Welche sind Ihre Schätze?

Culas: Von meinem französischen Großvater haben wir eine alte Ente. Sie war eine der ersten nach dem Krieg – grau und ganze neun PS stark. Das ist ein ganz puristisches Autofahren. Für das Sportlichere habe ich noch einen Alfa Romeo, um ein bisschen Freude auf der Schwarzwaldhochstraße zu haben. Es ist eine Limousine, damit auch meine zwei Kinder mit Sicherheitsgurt sicher mitfahren können.

Zuletzt war es heiß. Steigen Sie da lieber in ein Auto mit Klimaanlage oder bleiben Sie dem Oldtimer treu?

Culas: Im typischen Stop-and-go-Verkehr in der Stadt ist es bei diesen Temperaturen in einem modernen Auto viel angenehmer. Mit Klimaanlage bewahrt man einen kühlen Kopf und auch Bremsen und Lenkung sind mit den Standard im Oldtimer nicht vergleichbar. Das hat schon Vorteile. Sobald es aber ins Freizeitvergnügen geht oder ich außerhalb der Stadt unterwegs bin, macht auch ein Oldtimer viel Fahrfreude.

Können Sie sich vorstellen, dass heutige Autos in 50 Jahren Kultcharakter genießen werden?

Culas: Diese Frage stellt sich jede Generation. Es gibt auch heute Nischenmodelle oder Modelle, die Flops waren, weil sie den Zeitgeist nicht getroffen haben oder völlig überdimensioniert waren. Zum Beispiel Rennsportfahrzeuge oder Kleinserien, in denen besonderes Interieur verbaut wurde, was das Auto sehr teuer gemacht hat und es gab keine Abnehmer – eben Fahrzeuge mit kleinen Stückzahlen. Vor rund 15 Jahren gab es zum Beispiel den Renault Avantime. Das Model ist gefloppt, aber aufgrund seiner extravaganten Form beginnt es heute Liebhaber zu verzaubern. Mit steigender Nachfrage zieht der Preis an.

Schrauben Sie gerne selbst an ihren Oldtimern?

Culas: Meine technischen Fähigkeiten halten sich leider in Grenzen, um so richtig Hand anzulegen an die Oldtimer. Gerne widme ich mich Fahrzeugpflege: ein schönes Holzfurnier oder Chromfelgen polieren, Leder aufbereiten. Da habe ich Freude dran und bin bereit, die eine oder andere Stunde zu vergraben.

Das Oldtimer-Meeting geht in die 43. Auflage. Was macht die Faszination aus Ihrer Sicht aus?

Culas: Es ist ein ganz besonderer Erfolgscocktail. Da ist zum einen diese wunderbare grüne Kulisse mit Kurpark, und Kurhaus. Das ist für mich die Schmuckschatulle. Die Oldtimer sind die Schmuckstücke. Nirgends passt das so gut zusammen wie in Baden-Baden. Openair an einem schönen Sommerabend bei den Fahrzeugen draußen zu sitzen, da feiert man ein Stück das Leben und Automobile – ein ganz besonderes Flair.

An Oldtimern hängen ganz viele Geschichten

Da geht vielen das Herz auf und Kindheitserinnerungen gehen durch den Kopf: die erste Urlaubsfahrt mit den Eltern oder Großeltern oder das erste Liebesabenteuer im Auto. Da hängen ganz viele Geschichten dran.

Auf welchen Oldtimer freuen Sie sich ganz besonders?

Culas: Da gibt es viele. Besonders gefreut habe ich mich, dass ein Sammler nach zweieinhalb Jahren Restaurierung ein seltenes Maybach-Cabriolet mit besonderer Schwingachskonstruktion zeigt. Das war damals schon ein Einzelstück. Es wurde originalgetreu aufgebaut. Ich habe aber genauso Respekt vor dem „Schrauber“, der vielleicht einen alten Käfer oder einen Kadett aus Jugendzeiten in Eigenregie mit kleinem Budget aufbaut. Auch er leistet einen Beitrag, um das Kulturgut Oldtimer zu erhalten. Vor beiden ziehen ich meinen Hut und sage Dankeschön!

Mit ihrer Unterstützung planen die BNN besondere Meeting-Momente: etwa einen Reifenwechsel am Citroen DS. Was ist daran besonders?

Culas: Wenn ein Reifen bei einem normalen Auto platt ist, senkt sich der Wagen, weil das Rad an der gefederten Achse hängt. Um den Reifen zu wechseln, braucht man einen Wagenheber, sonst würde die Karosserie nach unten rutschen.

Reifenwechsel ohne Wagenheber

Bei der hydropneumatischen Federung des DS von Citroen können Sie einstellen, dass der Wagen eben bleibt – auf drei Rädern! Sie können in Ruhe den Reifen wechseln – ganz ohne Wagenheber. Allerdings sind an der Hinterachse zuvor die Kotflügelabdeckungen abzumontieren!

Klimaschutz ist in aller Munde. Viele sehen in alten Autos eher den „Stinker“. Wie sehen Sie das?

Culas: Nach Erhebungen des Oldtimer-Fachverbandes wird der durchschnittliche Oldtimer etwas mehr als 600 Kilometer bewegt – im Jahr. Auf den Kilometer gerechnet hat ein solches Fahrzeug natürlich keine besondere Abgasreinigung. Der Oldtimerbestand wächst zwar, aber am Gesamtverkehrsaufkommen ist sein Anteil verschwindend gering. Er hat quasi keine Relevanz was die Klimaschädlichkeit in der Summe angeht.