Sasbach Gerichtsverhandlung
Schockierende Tat: Im April 2017 wurde in Sasbach eine Frau getötet. | Foto: Spether Archiv

Gericht verhandelt Bluttat

Opfer kam in Sasbach auf brutale Weise ums Leben

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Von Dieter Klotz

„Mord u. a.“ stand auf dem Aushang zum Sitzungssaal 118 des Landgerichts Baden-Baden. Angeklagt wegen Mordes und versuchter Entführung: ein 50-jähriger Handelsvertreter aus Appenweier, dem von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen wird, im April 2017 in die Wohnung seiner ehemaligen Freundin in Sasbach eingedrungen zu sein. Er wollte sie entführen und zwingen, zu ihm zurückzukehren. Dabei kam die Frau auf brutale Weise zu Tode. Der Mann muss möglicherweise damit rechnen, dass im Falle einer Verurteilung auch die Sicherheitsverwahrung angeordnet wird. Das Urteil wird für den 7. März erwartet.

Angeklagter will sich nicht äußern

Der Angeklagte selbst werde, so sein Verteidiger Martin Stirnweis auf Frage des Vorsitzenden Richters bei der Großen Strafkammer am Landgericht Baden-Baden, Wolfgang Fischer, „durchgängig“ nichts zu seiner Person und zur Sache sagen. „Eventuell“ später im Laufe der sieben angesetzten Verhandlungstage. Im „Großen und Ganzen“ stimme der Tatvorwurf. Ein Geständnis des Mannes wurde mit der Anklageschrift verlesen.

Mann wollte Opfer nach Frankreich entführen

Im April vergangenen Jahres war er nach der Trennung mit einem zurückbehaltenen Schlüssel unbemerkt in die Wohnung der ehemaligen Partnerin eingedrungen. Schon in der Vergangenheit soll es zwischen den beiden immer mal wieder zu Streitigkeiten gekommen sein. Vor allem die erwachsenen Kinder der Frau sollen ihn nicht akzeptiert haben. Damit die Frau seine Anwesenheit nicht bemerkt, hatte er sein Fahrzeug am Stadtgarten in Achern geparkt. Mit dabei hatte er Klebeband, um die Frau zu fesseln und nach Frankreich zu entführen, in der Hoffnung, sie würde über diesen Weg zu ihm zurückkehren.

50-Jähriger wartete unter dem Bett

Damit ihn die Frau in der Wohnung nicht gleich bemerkt, hatte er sich – als Kopfkissen diente ihm ein Handtuch – unter dem Bett versteckt. Mehr als eine Stunde lang lag er dort. Während dieser Zeit war die ahnungslose Frau zurückgekommen, um nach einer Dusche und einem längeren Telefonat auf dem Sofa im Wohnzimmer Platz zu nehmen. Das war der Moment, als sich der Angeklagte nach Darstellung der Anklagebehörde von hinten näherte und sich zu erkennen gab. Die Frau schrie auf, der Mann versuchte, ihr mit dem mitgebrachten Klebeband den Mund zu knebeln. Zunächst mit Erfolg. Sie konnte sich aber losreißen und nach einer Sprühflache mit Reizgas greifen, um damit den Angreifer attackieren. Die Frau flüchtete ins Treppenhaus. Dahinter der Verfolger, um ihr mit Klebeband dieses Mal den ganzen Kopf und die Haare zu umwickeln. Neue Hilfeschreie folgten.

Leblos aus ersten Stock gestürzt

Als er erkannte, dass er mit seinem Versuch, sie auf diese Weise zur Rückkehr zu bewegen, gescheitert war, ging er laut Staatsanwaltschaft zum Würgeangriff über. Es sei ihm dabei gleichgültig gewesen , dass sie zwischenzeitlich durch den heftigen Druck seiner Hände blutete. Er hatte sie überwältigt, so dass sie sich aus seinem festen Griff nicht mehr befreien konnte. Leblos stürzte sie aus dem ersten Stock des Hauses zu Boden. Mit ihrem Auto, den Schlüssel holte er aus der Wohnung, fuhr er danach zum Baggersee, um sich das Reizgas abzuwaschen. Danach stellte er sich.

Opfer starb durch Strangulierung

Der Tod der Frau, so eine vom Gericht als Sachverständige gehörte Rechtsmedizinerin, sei durch die Strangulierung hervorgerufen worden. „Wenige“ Minuten, so auf Nachfrage der Verteidigung, habe es gedauert, bis nach dem Würgegriff der Tod eingetreten sei. Die weiter am Körper der Frau festzustellenden Hämatome zeigten, dass es bereits zuvor in der Wohnung bereits zu körperlichen Auseinandersetzungen gekommen war. Teilweise seien sie aber auch durch den Sturz im Treppenhaus hervorgerufen worden.

Noch drei Zeugen sollen gehört werden

Als Zeugin konnte das Gericht eine Kriminalbeamtin zu ihren Ermittlungen befragen. Sie berichtete, dass das Opfer leblos und barfuß im Treppenhaus aufgefunden wurde. In der Wohnung habe man gesehen, dass der Teppich verzogen da lag. Weiter auf dem Boden lagen ein Handy und Haarbüschel mit Klebeband. Blutspuren habe man in der Wohnung keine finden können. Auf solche sei man erst an der Tür und im Treppenhaus gestoßen.

Die Verhandlung wird am 22. Januar fortgesetzt, drei weitere Zeugen sollen zum Tathergang gehört werden.