Nicht besetzt sind beim Ortenau Klinikum viele Stellen im Pflegebereich – nicht zuletzt offenbar auch wegen der Durchfallerquote beim Examen.
Nicht besetzt sind beim Ortenau Klinikum viele Stellen im Pflegebereich – nicht zuletzt offenbar auch wegen der Durchfallerquote beim Examen. | Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Jahresbericht aus Offenburg

Viele Pflegestellen im Ortenau Klinikum sind nicht besetzt

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Das Ortenau Klinikum hat immer mehr Mühe, noch Mitarbeiter für die Pflege zu finden. Derzeit sind laut Klinik-Geschäftsführer Christian Keller allein in Offenburg 30 bis 40 Stellen nicht besetzt. Zwar sei die Lücke in anderen Häusern nicht so hoch, doch der Trend ist klar: Die Pflegeberufe sind ganz offenkundig nicht attraktiv genug.

Keller nannte diese Daten bei der Vorstellung des Geschäftsberichts für die Krankenhäuser im Kreis in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Gesundheit und Kliniken. Dabei wurde deutlich, nicht nur die Zahl der an einer Ausbildung für den Pflegeberuf Interessierten nimmt ab, sondern auch deren Qualifikation. Es gebe „alarmierende Zahlen bei den Schwesternexamina“, sagte Kreisrat Jens-Uwe Folkens, selbst lange Jahre Chefarzt in Offenburg. Er konstatierte eine „Durchfallquote, wie es sie früher nie gegeben hat“.

Viele Stellen bleiben unbesetzt

Man könne bereits viele Stellen nicht mehr besetzen, nun kämen noch die Verluste durch nicht bestandene Examina dazu, beklagte Folkens: „Da werden wir etwas tun müssen.“ Laut Christian Keller hilft man sich beim Klinikum inzwischen mit Leih-Mitarbeitern aus. Notgedrungen: „Wir wollen das nicht auf Dauer.“

Patienten verweilen kürzer in der Klinik

Die von Keller so genannte „Ambulantisierung“, also die Entwicklung zu immer mehr Operationen ohne stationären Klinikaufenthalt, habe sich in den Zahlen für das vergangene Jahr erstmals spürbar niedergeschlagen: „Bundesweit sieht man inzwischen einen Trend zur Verweildauerverkürzung“. So lag im Ortenaukreis im Jahr 1977 ein Patient noch durchschnittlich 15,9 Tage im Bett (damals wurde nach Verweildauer abgerechnet). Inzwischen sind es noch 5,8 Tage, und damit statistisch gesehen 0,2 weniger als im vorangegangenen Jahr.

Defizit bei steigendem Umsatz

Christian Keller stellte dem Ausschuss ein Zahlenwerk vor, das mit einem Minus von 6,9 Millionen Euro das zweithöchste Defizit in der jüngeren Geschichte des Klinikums ausweist – bei einem mit 391,4 Millionen Euro auf einen neuen Höchststand gestiegenen Umsatz der Häuser in Offenburg, Lahr, Achern, Ettenheim, Oberkirch, Kehl und Wolfach, die teilweise bereits zu Verbünden zusammengefasst sind.

OP- und Patientenzahlen sinken leicht

Die Zahl der stationären Patienten ist leicht von 78.086 auf 78.008 zurückgegangen. Auch die der ambulanten Operationen sank, entgegen dem bundesweiten Trend, deutlich auf nun nur noch 10.158 nach einem Höchststand von 14.481 im Jahr 2015. Das macht deutlich, wie sehr Wohl und Wehe der Häuser von der Personalsituation abhängig sind – bei der Klinikleitung erklärt man sich diesen Effekt mit dem Weggang einiger Ärzte, die besonders im ambulanten Bereich viele Patienten angezogen hätten, zum Beispiel in der Orthopädie in Kehl.

Geburtenzahl stabilisiert sich

Knapp über 4.000 hat sich inzwischen die Zahl der Geburten im Kreis stabilisiert. Im vergangenen Jahr hatten 4.020 junge Ortenauer das Licht der Welt in einem Kreißsaal des Klinikums erblickt. 2018, auch dies gehört zur Statistik, verfügte der gesamte Konzern über 1.715 Planbetten. Davon 461 in Offenburg, 411 in Lahr, 187 in Achern und 81 in Oberkirch. Dazu kommen 80 Betten in Wolfach, 77 in Ettenheim und, seinerzeit noch aktiv, 104 im inzwischen geschlossenen Gengenbacher Krankenhaus.

Gesetzliche Budgets wachsen zu langsam

Derzeit sind 5.730 Menschen in den Kliniken des Kreises beschäftigt, sie teilen sich 3.692 Planstellen – eine, trotz der sinkenden Fallzahlen, erneute leichte Steigerung. Das wirkt sich bei den Finanzen aus, denn die Budgets wachsen nur langsam: „Die Bereitschaft des Gesetzgebers, mehr Qualität und den medizinischen Fortschritt durch höhere Budgets zu honorieren, ist nach wie vor gering“, merkt die Klinikleitung in ihrem Jahresbericht an. Und dies bei steigenden Personalkosten. Das merkte für die CDU-Fraktion auch Bruno Metz an: „Gäbe es die Tarifschere nicht, ginge es uns prima im Ortenaukreis.“