Gut ausgelastet sind vor allem die größeren Häuser des Ortenau Klinikums. Doch unter dem Strich bleiben rote Zahlen. | Foto: Kästle

Kassen fordern Geld zurück

Ortenau Klinikum schreibt auch 2017 tiefrote Zahlen

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Das Ortenau Klinikum kommt aus den roten Zahlen nicht mehr heraus. Einen Fehlbetrag von 13,8 Millionen Euro präsentierte die Verwaltung der Öffentlichkeit am Dienstag in ihrem Geschäftsbericht für das Jahr 2017. Das sind immerhin fast zwei Millionen Euro weniger als im Jahr davor (15,6 Millionen) und es ist angesichts einer Konzernbilanz von gut 350 Millionen Euro auch noch eine vergleichsweise überschaubare Summe, doch der Trend ist klar: Das Klinikum kann die strukturellen Probleme nicht mehr aus eigener Kraft ausgleichen, stand doch bis 2015 Jahr für Jahr eine mehr oder weniger rote Null unter dem Strich.

Früher war eine rote Null die Regel

Dass dies nicht mehr zu erreichen ist, dieser Trend hat sich wohl verfestigt. Nach Verrechnung der Abschreibungsverluste bleibt dem Klinikum noch immer ein negatives Bilanzergebnis von rund 6,7 Millionen Euro – zu viel, um dies langfristig hinzunehmen, wie Christoph Jopen (SPD) in der jüngsten Sitzung des Krankenhausausschusses deutlich machte: „Der Kreis könnte auf Dauer ein hoch defizitäres Klinikum nicht ertragen“. Die Befürworter der Agenda 2030 sehen sich durch die Zahlen bestätigt.

Personalkosten galoppieren davon

Die Ursachen der Probleme sind unstrittig und seit langem bekannt – der Gesetzgeber gesteht den Häusern weniger Budgeterhöhungen zu, als sie beispielsweise für die steigenden Personalkosten benötigen. Das rechnet die Verwaltung gerne und plakativ vor: Seit 1995 sind die Budgets des Ortenau Klinikums um 33 Prozentpunkte angestiegen – die Personalaufwendungen hingegen um 74,2 Punkte.

Klinik-Geschäftsführer Christian Keller | Foto: red

Da fehlen schnell Millionenbeträge. Dass man in diesem Jahr noch mit einem blauen Auge davonkam, liegt auch an einer Einsparung von rund fünf Millionen Euro bei den Sachkosten; „aber das“, so Klink-Geschäftsführer Christian Keller, „können wir nicht jedes Jahr machen“.

Anforderungen der Mitarbeiter wachsen

Dazu kommt: Steigende Personalkosten entstehen inzwischen nicht mehr nur durch Tariferhöhungen, sondern auch, weil die Konkurrenz der Kliniken vor allem um Führungspersonal härter wird, und weil die Bewerber wissen, was sie wert sind. „Wir haben immer mehr Probleme im Tagesgeschäft“, klagte Keller vor dem Ausschuss, „die Anforderungen der Stellennachfolger werden immer größer und es kostet Mühe, frei werdende Stellen wieder zu besetzen“. Zum Glück habe das Ortenau Klinikum, gemessen an anderen Häusern, noch eine vergleichsweise geringe personelle Fluktuation.

Streit um Reform wirkt noch nach

„Wir sind froh, dass der Verlust nicht so ausgefallen ist wie vielleicht noch vor einem Jahr befürchtet“, freute sich Bruno Metz für die CDU-Fraktion. Da sowohl Patientenzahl (79 086) als auch Verweildauer (5,96 Tage) zurückgegangen seien, die Stellenzahl aber konstant sei (3 659), könne man dem Klinikum nicht vorwerfen, dass es seiner Verantwortung für die Mitarbeiter nicht gerecht werde, so Metz, der damit den Ball zu Christian Keller spielte. „Der Kreis macht sehr viel für seine Kliniken“, im Vergleich zu anderen Bundesländern stehe man noch sehr gut da. Die Anmerkungen zeigen: Der emotional geführte Streit um die künftige Krankenhausstruktur wirkt noch immer nach.

Kassen zogen vor Gericht

Zu alledem steht dem Ortenau Klinikum noch ein weiteres Problem ins Haus. Während man eigene Außenstände mangels Personal teilweise nicht eintreiben konnte, rechnen die Krankenkassen inzwischen mit sehr spitzem Stift. Das führt zu schmerzhaften Rückforderungen, die nach Urteilen des Bundessozialgerichts nun teilweise bis ins Jahr 2013 zurückreichen. Hintergrund sind oft juristische Spitzfindigkeiten, die sich dann aber schnell in sechsstellige Rechnungen ummünzen, beispielsweise wegen der Frage, wie die Zusammenarbeit mit der Uniklinik Freiburg bei der Schlaganfallversorgung nun abzurechnen sei. Solche Beispiele gebe es viele, so Keller, „das steigert nicht gerade unsere Laune“.