In Offenburg zentriert werden nach den Plänen des Kreises viele Dienstleistungen wie die Krankenhausapotheke. | Foto: Karmann

Bettenkonzept vorgestellt

Ortenaukreis verfolgt die umstrittene Klinikreform weiter mit Hochdruck

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Der Ortenaukreis treibt ungeachtet der Corona-Krise seine Klinikreform weiter voran. Am kommenden Dienstag soll der Kreistag über das Bettenkonzept für die drei Häuser in Achern, Offenburg und Lahr entscheiden.

Das Zahlenwerk wird die Grundlage für den Architektenwettbewerb sein. Zur Sitzung hat die Verwaltung an diesem Mittwoch eingeladen. Ob sie tatsächlich stattfindet oder ob Beschlüsse auf anderem Wege herbeigeführt werden, ist  unklar.

234 Betten für Achern

Der Kreis orientiert sich bei den Bettenzahlen an der Praxis des Landes. Das heißt konkret: Man geht von einem weiteren Rückgang der stationären Patientenzahlen aus, kreisweit wären nach dieser Berechnung 1.459 Klinikbetten erforderlich. 724 davon würden in Offenburg stehen, 234 in Achern und 431 in Lahr. Dass diese Zahlen abschließend sind, gilt freilich als unwahrscheinlich. Beim Kreis rechnet man offenbar damit, dass das Land noch den Rotstift zücken wird. „Bei der Planung ist eine möglichst hohe Flexibilität zu berücksichtigen“, so Klinikchef Christian Keller. Man werde auch Erkenntnisse aus der Corona-Krise einfließen lassen.

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Dieser Rotstift ist auch der Grund, dass der Kreis Überlegungen, auch in Lahr ein neues Krankenhaus zu bauen, nun wieder fallen lässt – zum einen würde man erhebliche Zuschüsse für bereits erledigte Aus- und Umbauten verlieren, auf der anderen Seite geht man beim Ortenau Klinikum nicht davon aus, dass Stuttgart gleich drei neue Klinikstandorte bezuschussen würde.

Kardiologie mit Sitz in Lahr

Allerdings soll in Lahr weiter erheblich in den Bestand investiert werden. So soll das Haus federführend für eine standortübergreifende Abteilung Kardiologie werden – gegebenenfalls in Zusammenarbeit mit dem privat betriebenen Lahrer Herzzentrum. Diese soll an den Häusern Lahr-Ettenheim und Offenburg-Kehl realisiert werden. Die Suche nach einem Chefarzt hat bereits begonnen. Die Stelle in Lahr wird spätestens zum Jahresende frei.

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Dienstleistungen aus Offenburg

Grundlegend neu ordnen will der Kreis auch die so genannten sekundären Dienstleistungen wie die Krankenhausapotheke, die Sterilgutversorgung oder auch die Küche – Einrichtungen, die sich in einem so genannten „Multi-User-Zentrum“ am Standort Holderstock in Offenburg konzentrieren sollen, wie die Verwaltung in der Beschlussvorlage für die Kreistagssitzung am Dienstag vorschlägt.

Vorgesehen sind eine Zentralapotheke sowie die zentrale Sterilgutversorgung in Offenburg, auch der größere Teil der Laborarbeiten soll dort erledigt werden – allerdings sollen die drei übrigen Häuser ebenfalls Labore erhalten. In Lahr soll die Pathologie verbleiben.

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Unklar ist noch, ob die Küche für die vier Standorte intern oder von einem externen Dienstleister bedient wird, vorgesehen ist aber in jedem Falls das Konzept „cook and chill“, das das stundenlange Warmhalten der Speisen erspart. Mit ihrem Programm setzt die Kreisverwaltung weiter auf Tempo bei der knapp getakteten Umsetzung der Agenda 2030, während sich die Stimmen mehren, die ein Innehalten einfordern.

Widerspruch aus Kehl

So hatten jüngst Oberbürgermeister und Gemeinderat in Kehl den Verdacht geäußert, dass die Corona-Krise genutzt werde solle, um die Beschlüsse der Agenda 2030 – die die Schließung des Kehler Krankenhauses vorsehen – festzuklopfen. In einer gemeinsamen Stellungnahme forderten sie eine Neubewertung der Situation nach der Krise.