Kommentar
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DSL-Versorgung mit Lücken

Der Ortenaukreis weckt einen schlafenden Riesen

Dass der Ortenaukreis an seiner 2016 auf den Weg gebrachten Breitband-Strategie nicht festhalten konnte, das war eigentlich schon klar, als Landrat Frank Scherer in dieser Woche zum Pressegespräch geladen hatte. Spannend war einzig die Frage, wie man das Ende des alles in allem 500 Millionen Euro teuren Investitionsprogramms wohl verkaufen würde. Zu sehr hatten andere Betreiber, allen voran die Telekom, mit ihren plötzlich aus dem Hut gezauberten Investitionen insbesondere ins Vectoring untergraben, was Kommunen und Kreis seinerzeit ja auch mehr der Not gehorchend denn aus wahrer Begeisterung auf den Weg gebracht hatten.

Ordnungsrechtliche Zweifel

Von Anfang an begleiteten die Entscheidung zum Ausbau eines Glasfaser-Backbones mit dem Geld der Steuerzahler auch ordnungsrechtliche Zweifel: Ist so etwas in einem hochindustrialisierten Land wirklich die Aufgabe des Staates? Mit der jetzt vorgestellten Idee, die dem Vernehmen nach direkt aus dem Büro von Landrat Frank Scherer kam, schüttelt der Kreis nicht nur solche Erwägungen ab – er bindet vielmehr die Unternehmen, so sie denn wollen, in seine Strategie ein und bürdet die Kosten auch auf die Schultern derjenigen, die danach mutmaßlich den Profit einstreichen wollen. Gut so. Allerdings hat die Geschichte einen Haken – und der liegt in der Frage, ob es ein Riese wie die Telekom schafft, über den eigenen Schatten zu springen und sich an einem Modell zu beteiligen, das an der Philosophie kratzt, die eigene Infrastruktur nicht zu Markte zu tragen.

Der schlafende Riese

Noch immer gibt es in der Ortenau, dieser wirtschaftlich prosperierenden Region, erhebliche Versorgungslücken mit dem schnellen, ja selbst mit einem halbwegs erträglichen, Internet. Und zwar nicht nur in irgendwelchen Seitentälern des Schwarzwalds. Das ist der eigentliche Skandal. Wenn es dem Ortenaukreis auch nur gelungen ist, durch seine Initiative den einen oder anderen schlafenden Riesen zu wecken, dann hat die ganze Geschichte schon ihr Gutes gehabt. Bislang wartete die Telekom oftmals lieber darauf, dass der Steuerzahler die Verlegung der Kabel, wie beispielsweise in den Acherner Stadtteilen geschehen, notgedrungen mit hohen Summen subventioniert.

Zurück in die Zukunft?

Ob das neue Modell tatsächlich die Lösung für die Breitbandprobleme im flächengrößten Landkreis Baden-Württembergs bringt, wird nun vor allem von der Gestaltung der Verträge mit dem privaten Partner abhängen. Noch immer stehen erhebliche Zuzahlungen für die letzten Meter Glasfaser bis zur Übergabestelle im Haus im Raum. Dies könnte das ganze Konstrukt ins Wanken bringen. Letztlich bliebe dann doch wieder das „gute alte“ Vectoring der Telekom als Option. Zurück in die Zukunft gewissermaßen. Dafür reicht auf den letzten Metern dann auch ein Kupferkabel, und die geforderten 100 MBit pro Sekunde würden dennoch erreicht. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.