Freundlicher Empfang: Dieses Paar grüßt die Gäste aus Villié-Morgon am Ortseingang von Sasbachwalden in den deutschen und französischen Farben. | Foto: Roland Spether

„Müssen uns die Hände reichen“

Partnerschaft zwischen Sasbachwalden und Villié-Morgon ist 50 Jahre alt

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Von Roland Spether

Aus Feinden sollten Freunde werden: Auf dem Weg zu diesem Ziel haben nicht zuletzt die Partnerschaften zwischen deutschen und französischen Kommunen einen wesentlichen Beitrag geleist. Vor 50 Jahren vereinbarten die Weinbaugemeinden Sasbachwalden und Villié-Morgon eine Jumelage, die bis heute zahlreiche Freundschaften begründet hat. Dabei entstand die Partnerschaft eher aus Zufall

Ersten Ort nicht gefunden

Dem kleinen Ort bei Lyon hatte 1966 der damalige deutschen Konsul August Most die Namen von drei Gemeinden übermittelt, die sich für eine Partnerschaft interessierten, darunter das mittelbadische Blumen- und Weindorf. Bürger aus Villié-Morgon machten sich zunächst auf den Weg zu einer Gemeinde bei Freiburg. Als sie den Ort nicht fanden, fuhren sie schnurgerade weiter nach Sasbachwalden. Diese einmalige „Tour de France“ ins Nachbarland entpuppte sich als wahrer Glücksfall für  Sasbachwalden. Es war dann eine Liebe auf den ersten Blick, als die Gäste in „Saschwalle“ einfuhren, von Bürgermeister Nikolaus Müller empfangen und mit einem guten Glas „Alde Gott“ begrüßt wurden.

Liebe auf den ersten Blick

Besiegelt wurde die Jumelage bereits am 2. Juni 1967 in Villié-Morgon und am 10. September 1967 in Sasbachwalden von den Bürgermeistern Philibert Bulliat und Nikolaus Müller beurkundet. Unter den „Männern der ersten Stunde“ war Lucien Descaillot, der in deutscher Kriegsgefangenschaft war und in Bayern bei einer Bauernfamilie sehr gut aufgenommen wurde. „Er durfte sogar mittags am Tisch der Familie mitessen“ berichtet Franz Klein, der die Jumelage quasi mit aus der Taufe hob und seit 1991 Vorsitzender des Freundeskreises ist. Er durfte Lucien Descaillot immer wieder erleben, der sich nach dem Krieg mit einem Freund auf die Heimreise machte und die große Idee hatte: „Wir müssen an die Grenze gehen und uns die Hände reichen“.

Hände als Symbol der Freundschaft

Diese Hoffnung hat sich dann auch tatsächlich erfüllt und dieses Motiv hat Klaus Olenik in einem wundervollen Kunstwerk verewigt, das auf dem Villié-Morgon-Platz steht und das in der Amtszeit von Bürgermeister Valentin Doll zu dem Symbole der Freundschaft schlechthin wurde. Es gibt dann noch den Weinberg mit stilisiertem Rhein und Brücke, während im Partnerort zum 30. Jubiläum eine „Pont Saschwalle“ erbaut wurde und zum 25. Jubiläum die Nachbildung des Alde-Gott-Bildstöckels errichtet wurde. Darauf steht auf der Vorderseite „Le vieux dieu vit encore“ – „Der Alde Gott lebt noch“. Auf der Rückseite sind jene Gedanken eingemeißelt, die den Grund und Inhalt der Partnerschaft über Ländergrenzen hinweg ausdrücken: „Nach einer schlimmen Zeit trafen sich zwei Gemeinden, wurden Freunde und leben seit 25 Jahren in Frieden“.

Viele Begegnungen

Nun besteht die Jumelage schon 50 Jahre und vielen Menschen war sie ein Herzensanliegen. Denn nach den leidvollen Erfahrungen der Kriege wollten sich Deutsche und Franzosen über Ländergrenzen hinweg die Hände reichen, Freunde werden und gemeinsam den Weg in die Zukunft gehen. Nach der „Hochzeit“ kam es zu vielen Begegnungen und Freundschaften zwischen den Menschen beider Gemeinden, die ihre Jumelage mit Leben erfüllten und die Brücke über den Rhein stetig ausbauten.

Vereine als wichtiges Fundament

1987 wurden Bürgermeister Nikolaus Müller André Gauthier und Lucien Descaillot in Würdigung ihrer Verdienste um die Jumelage zu Ehrenbürgern ernannt. Dem viel zu früh verstorbenen André Gauthier, der über 30 Jahre Bürgermeister war, bedeutete das vereinte Europa und die deutsch-französische Freundschaft sehr viel. Es entstanden in beiden Orten Freundeskreise, in Sasbachwalden war Volker Eiermann Vorsitzender, Franz Klein übernahm 1991 das Amt und war vor allem als Dolmetscher unverzichtbar. Ein wichtiges Fundament bildeten die Vereine, wobei die Chorgemeinschaft Sasbachwalden/Obersasbach den Anstoß gab, dass im Partnerort der Chor „In Vino Musica“ gegründet wurde.