Der Umzug in Varnhalt war wieder ein voller Erfolg. | Foto: Lienhard

Tausende partylustige Besucher

Perfekte Bedingungen lassen Varnhalter Umzug zu einem vollen Erfolg werden

Anzeige

Tausende Besucher, fast 75 Gruppen, perfekte Wettbedingungen: Der Umzug in Baden-Baden-Varnhalt ist wieder zum Höhepunkt der Rebland-Fastnacht geworden.

 „Der Umzug“, so nennen der Narrenclub Varnhalter Rebschenkele und die Reblandhexen ihr gemeinsames närrisches Großereignis. Dieser Titel muss natürlich auf dem ersten Wort betont werden, denn diese Veranstaltung ist, Achtung: Betonung, das Fastnachtsereignis schlechthin im Rebland; wer will, darf sich an dieser Stelle auch einen Wald von Ausrufezeichen vorstellen.

Am Samstag ist „der“ Umzug seinem Ruf wieder vollauf gerecht und zu einem vollen Erfolg geworden: Die Sonne lachte vom Himmel, feierwilliges Volk säumte die Straßen zu Tausenden, und eine kaum zu überschauende Schar von Hexen, Dämonen, Trollen, Teufeln und was das fastnachtliche Arsenal an schaurigen Gestalten sonst noch so bieten zu bieten hat, zog durch die Straßen, begleitet von mitunter ohrenbetäubender Partymusik.

Mehr zum Thema: Diese Fastnachtsumzüge gibt es 2020 im Landkreis Karlsruhe

Fast 75 Gruppen dabei

Steinmurmer Moorhexe, Ettlinger Moschdschelle, Windige Eckhexe Wittnau: Teils fantasievolle Namen trugen die fast 75 Gruppen, die dem Publikum ein zweistündiges Dauerprogramm bescherten, das Augen und Ohren ansprach. Vorneweg schwang der Bott die Schelle und verkündete, was Minuten zuvor schon nicht zu überhören und kurz darauf auch nicht mehr zu übersehen war: Der Umzug kommt!

Rebschenkele und Reblandhexen an dessen Spitze stimmten auf eine ausgelassene Party ein, die vor allem im oberen Bereich des Kirchbergs ordentlich abging. Dass manche Hexe dem partyseligen Jungvolk noch den Vortänzer gab, wäre kaum nötig gewesen: Es wurde ohne Unterlass getanzt, gehüpft und gesungen.

Dämonen, Trolle, Hexen – allerlei schaurige Gestalten waren unterwegs. Auch die Unzhurster Himbeergeister zogen durch Varnhalt. Foto: Lienhard

Partymusik und andere Töne

Neben der Partymusik aus der Konserve war auch echte, hand- und mundgemachte Musik zu vernehmen, von ganz unterschiedlicher Machart: vom Fanfarencorps Türkenlouis Rastatt und dem Fanfarenzug Haueneberstein über die Varnhalter Winzerbuben bis hin zu den klassischen Fastnachtstönen der Guggemusik in Form der Radaugugge Spessart oder der Gugge ma mol Mussi Neuweier.

Mehr zum Thema: So sorgt die Polizei für Sicherheit auf den Fastnachtsumzügen

Ein Fest für die Sinne

Das Auge hatte derweil zu tun, all die farbenfrohen Eindrücke zu sortieren, die es geboten bekam. Das wohlbekannte Rot-Gelb der Varnhalter Wehrflämmle, das kernige Rot-Grün der Unzhurster Himbeergeister und viele andere Farben des Regenbogens leuchteten, und auch wahre Hingucker waren zu bestaunen, vorneweg die Eberschder-Bisch-Bäljer Wieber in ihren höchst musikalischen Klavier-Kostümen. So hat der Varnhalter Umzug wieder gezeigt, welch ein Fest für die Sinne die Fastnacht sein kann.

Konfetti statt Schnee

Und noch etwas hat er bewiesen: Für eine weiße Decke auf der Straße braucht es keinen Schnee, auch Konfetti tut’s (schmilzt auch nicht gleich in der Sonne). Großzügig, sehr großzügig sogar wurde es verteilt, mal aus der Kanone geschleudert, mal nach alter Väter Sitte ins Haar gestrubbelt oder in den Nacken gesteckt. Auch ein gelegentliches Konfettibad stand auf der Tagesordnung. Dass dies in aller Regel jungen Besucherinnen vorbehalten war, muss vermutlich nicht weiter erwähnt werden. Auch das gehört halt zu „dem“ Umzug.

Polizei bilanziert „normalen Umzug“

Als der Varnhalter Umzug zu Ende geht, kann Polizeihauptkommissar Peter Kimmig ein erstes Fazit ziehen. „Aus unserer Sicht war es ein normaler Umzug“, sagt der Einsatzleiter vom Bühler Polizeirevier. Knapp zwei Stunden vor Umzugsbeginn waren um die 25 Beamte der Reviere Bühl und Baden-Baden eingetroffen. Ihr Augenmerk lag auf „Sicherheit und Ordnung“, so Kimmig, der erstmals Einsatzleiter in Varnhalt war.

Veranstalter haben Hausrecht auf der Straße

Den Umzug selbst sicherten Ordner des Narrenclubs Varnhalter Rebschenkele und der Reblandhexen sowie ein zwölf Mann zählender privater Sicherheitsdienst. Entscheidend sei für die Ordner, sagen einige von ihnen am Umzugsrand, dass die Veranstalter auf der Straße das Hausrecht haben. Das war in diesem Jahr zum dritten Mal so. „Der Sicherheitsaufwand ist gegenüber den früheren Jahren gewaltig gestiegen“, sagt ein Ordner. „Aber es hat sich bewährt. Und es wird von Jahr zu Jahr besser.“

Zahlreiche Ordner sorgten für einen reibungslosen Ablauf des Umzugs. Foto: Lienhard

 

Ordner leisten sehr gute Arbeit

Dazu trägt das Zusammenspiel der verschiedenen Akteure bei: Vereine, Polizei, Feuerwehr und Sicherheitsdienst agieren weitgehend unauffällig, aber effizient. Wer seinen Blick mal nicht dem Umzugsgeschehen selbst widmete, konnte mühelos die sehr gute Arbeit der Ordner erkennen. Freundlich, aber bestimmt baten sie die Zuschauer zurück an den Straßenrand, wenn große Wagen anrollten. Das war auch geboten, denn gerade im oberen Bereich des Kirchbergs war es „brutal eng“, sagte Kimmig mit Blick auf die Zuschauermenge.

Alkoholkonsum führt zu Verletzungen

Das Hausrecht nutzten die Veranstalter in einigen Fällen, um Unruhestifter des Umzugs zu verweisen; sie hätten sich „nicht zu benehmen gewusst“, formuliert es der Einsatzleiter, der mittels Funk stets auf dem Laufenden war. Polizeibeamte sorgten dafür, dass die Unruhestifter tatsächlich das Gelände verließen. Auch Alkohol führte zu Problemen. Zwar war auch das Team von Hart am Limit unterwegs, um gerade auf Jugendliche ein Auge zu haben, und auch Taschenkontrollen an den Einlassstellen trugen dazu bei, Alkoholexzesse zu vermeiden. Doch ganz zu verhindern sind Ausfälle am Ende nicht. Das DRK bilanzierte ein gutes halbes Dutzend Verletzungen, bei der Hälfte sei es die Folge von Alkoholkonsum gewesen. Nach dem Umzug kam es laut Polizei an einer Bushaltestelle zudem zu einer Körperverletzung.