Der Sandbach bei Weitenung ist Teil der Untersuchungen zur PFC-Belastung der Oberflächengewässer. Gegenüber dem Vorjahr sind die Veränderungen gering. | Foto: Klatt

Aktueller Bericht

PFC-Skandal im Bühler Raum: Der Zustand der Seen, Bäche und Kläranlagen

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Sind die Badeseen im Bühler Raum eigentlich auch mit PFC belastet? Was ist mit den Bächen? Und was ist mit den Kläranlagen? Diese und andere Fragen werden in dem aktuellen Bericht über die PFC-Oberflächengewässer-Belastung auf fast 100 Seiten ausführlich beantwortet.

Von unserer Mitarbeiterin Patricia Klatt

Für Markus Benkeser, den Bühler PFC-Beauftragten, „spiegelt dieser Bericht eigentlich die bekannte Situation wider und stützt die Berechnungen der Landesanstalt für Umwelt“. Der Weitenunger Kiessee und der große Waldhägenichsee überschreiten beide die PFC-Quotientensumme von 1, im Vergleich zu 2018 nehmen die Werte in Weitenung leicht zu, im Waldhägenich leicht ab, in beiden Seen wird der PFC-Gehalt von dem im Grundwasser geprägt.

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Noch keine langfristige Tendenz sichtbar

Im Zustrom zum Waldhägenichsee sind nur wenige belastete Ackerschläge vorhanden, von denen die PFC ins Grundwasser gelangen, so dass eine Abnahme der Konzentration möglich erscheint. Auch starke, der Untersuchung vorausgehende Niederschläge können die Konzentration abgesenkt haben. Eine langfristige Tendenz kann anhand der bisherigen drei Untersuchungsjahre aber noch nicht abgeleitet werden.

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„Der Kiessee in Weitenung liegt in der Abstromfahne des Belastungsschwerpunkts Steinbach-Bühl-Vimbuch. Hier liegen bereits mehrere Untersuchungsjahre vor, und man kann eine steigende Tendenz feststellen“, bestätigt Reiner Söhlmann von der PFC-Geschäftsstelle des Landratsamts Rastatt. Die Angler würden vom Amt für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung über die ermittelten Untersuchungsergebnisse informiert und über den Handlungsbedarf unterrichtet werden, so Söhlmann.

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Im Waldhägenichsee wurden 2017 und 2018 einige Karpfen untersucht: Es fand sich kein PFC. Die untersuchten Fließgewässer zeigten gegenüber 2018 keine große Veränderung. Die PFC-Werte waren gleichbleibend, obwohl sich in den Bühler Gemarkungen viele hochbelastete Flurstücke befinden. Die Messstellen waren im Sulzbach, Rittgraben, Rohrgraben, Steinbach, Grünbach und Sandbach. Ebenfalls untersucht wurden Mischproben der Abläufe von zehn kommunalen Kläranlagen der Region, damit wurden sowohl die privaten Haushalte als auch die industriellen Einleiter und das Niederschlagswasser erfasst.

Multimedia-Reportage: 20 Jahre PFC und viele offene Fragen

PFC in allen Kläranlagen

In allen Kläranlagenabflüssen fand man PFC. Über die Bühler Kläranlage gelangen rund 70 Gramm organisches Fluor pro Tag in den Ablauf der Kläranlage, das wären rund 25 Kilo pro Jahr. Beunruhigend ist es dabei, dass durch die Einzelsubstanzen im Mittel aber lediglich zwei Prozent der Fluor-Gesamtfracht abgebildet werden können und 98 Prozent des Fluors von unbekannten Fluorverbindungen stammen. Über eine vierte Reinigungsstufe können diese und andere Chemikalien in den Kläranlagen aber wohl herausgefiltert werden.

Bei den Oberflächengewässern bleiben viele offene Fragen, wie bei so vielem in der hiesigen PFC-Belastung

Markus Benkeser, PFC-Beauftragter für Bühl

„Die Kläranlagen in Bühl und Baden-Baden sind bereits in der Umsetzung der vierten Reinigungsstufe, die beiden Anlagen des Abwasserverbandes Murg (Rastatt und Gaggenau) sind in der Planungsphase“, so Reiner Söhlmann. Also müsste man davon ausgehen können, dass sich nach Fertigstellung zumindest dieser PFC-Anteil, der in die Oberflächengewässer eingeleitet wird, reduzieren wird. Für Markus Benkeser bleiben „jedenfalls auch bei den Oberflächengewässern viele offene Fragen, wie bei so vielem in der hiesigen PFC-Belastung“.