Den Einstieg eines Investors planen die Gemeinden Lauf und Sasbach sowie die Kongregation der Erlenbader Franziskanerinnen für das Pflegeheim Erlenbad. Die Caritas soll weiter Betreiber des Hauses bleiben, doch die Bauträgergesellschaft steht zur Disposition. | Foto: Keiper/Archiv

Kontroverse um Pflegeheim

Einstiges Modellprojekt: „Das Geschwurbel muss ein Ende haben“

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Das Pflegeheim Erlenbad in Obersasbach soll von einem privaten Investor übernommen werden. Noch bevor die Gemeinden Lauf und Sasbach sowie die Kongregation der Erlenbader Franziskanerinnen am kommenden Donnerstag über die Pläne informieren können, regt sich Widerstand.

Der frühere Laufer Bürgermeister Johann Horeth, als Heimfürsprecher Sprachrohr für die Interessen der Bewohner, kritisiert die Informationspolitik im Vorfeld der Entscheidung, spricht sich aber letztlich für den Deal aus: „Das Geschwurbel muss ein Ende haben“, der Verkauf an einen seriösen Investor sei angesichts der Bedingungen die sinnvollste Lösung. Allerdings würden die Gemeinden Lauf und Sasbach so ein Stück ihrer Identität verlieren.

Schritt kommt nicht ganz freiwillig

Die amtierenden Bürgermeister der beiden Kommunen, Gregor Bühler und Oliver Rastetter, wiesen die Kritik zurück. Die Gesellschafterstruktur mit dem Kloster und zwei Kommunen sei keine nachhaltige Lösung, sagt Bühler: „Heute würden wir eine solche Konstruktion nicht eingehen“.
Und auch Rastetter macht deutlich, dass der Schritt nicht ganz freiwillig kommt: „Wenn man sieht, dass man ein solches Pflegeheim nicht zum Wohle aller weiterentwickeln kann, was soll man dann machen?“ An der Betreiberstruktur mit der Caritas als Partner werde aber nicht gerüttelt.

Projekte bezahlt und verworfen

Tatsächlich hatte es in der Bauträgergesellschaft für das 2007 fertiggestellte Heim wohl immer wieder Misstöne gegeben, und offenbar in wichtigen Dingen auch keinen Konsens. Mehrmals waren Projekte ins Gespräch gebracht und wieder verworfen worden – die Tagespflege zum Beispiel, ebenso eine geplante Erweiterung, für die man nach Informationen dieser Zeitung bereits 300 000 Euro auf den Tisch geblättert hatte, um ein Grundstück zu erwerben.

Heute würden wir eine solche Konstruktion nicht eingehen

Bauverordnung verlangt zusätzliche Investitionen

Ob das investierte Geld wieder hereinkommt? Eher wohl nicht zur Gänze, wie es heißt. Denn in dem Heim stehen nicht nur umfangreiche Investitionen in den Bestand an, sondern auch über kurz oder lang die Umsetzung der Landesheimbauverordnung, die derzeit alle Betreiber solcher Häuser zu beachtlichen Investitionen zwingt. „Wir haben eine Verlängerung bekommen“, sagt zwar Rastetter, doch irgendwann komme das Thema wieder auf den Tisch.

Ausstiegsklausel bei Unterbesetzung

Ein weiteres Problem: Der Orden hat nach Informationen dieser Zeitung eine Ausstiegsklausel verhandelt, die ihm die Rückgabe seiner Anteile an der Bauträgergesellschaft ermöglicht, sowie die Zahl der Franziskanerinnen im Kloster unter ein festgelegtes Minimum sinkt. „Wir nähern uns rasant diesem Wert“, sagt ein Insider. Dann aber müssten die Kommunen die Anteile aufkaufen.

Viele Gespräche, aber kaum Ergebnisse

Investor soll Neubau ermöglichen

Mit dem nun auserwählten Investor soll die Einrichtung zukunftsfähig gemacht werden – und wohl auch der Neubau kommen. Daran könnte auch das Kloster ein Interesse haben, dessen rund 100 Schwestern noch immer in dem von außen stattlichen, von innen aber renovierungsbedürftigen Gebäude leben.

Falsche Hoffnung geweckt

„Viele Gespräche, aber kaum Ergebnisse“, fasst der frühere Laufer Bürgermeister Johann Horeth, einer der Väter der Einrichtung, die zurückliegenden Jahre zusammen und kritisiert, dass sein Nachfolger im vergangenen Sommer noch in einer Pressemitteilung ein optimistisches Bild gezeichnet habe („unser Heim in der Heimat“), obwohl man nun annehmen müsse, dass die Idee von Verkauf schon seinerzeit zumindest in den Köpfen gereift sein musste.

Rastetter weist Vorwürfe zurück

Rastetter wies am Montag den Vorwurf der Intransparenz zurück: In der Phase der Verhandlungen seien vitale finanzielle Interessen aller Beteiligten angesprochen gewesen, da habe man nicht an die Öffentlichkeit gehen können. Der in den 2000er Jahren eingeschlagene Weg sei damals richtig gewesen. „Ich würde mich“, so Rastetter über seinen Amtsvorgänger, „freuen, wenn er weiter Heimfürsprecher bleiben würde“.