Ungebetener Gast: Immer öfter brechen Eisbären in die Lagerhütten der Expeditionen ein – wie hier mit einer Fotofalle dokumentiert. | Foto: pr

Martin Klatt gestaltet den Stempel

Polargrüße mit Bühler Ursprung

Eine kurze Stippvisite in Bühl, um dort den neuen Stempel für die diesjährige Grönlandexpedition abzuholen, mehr Zeit hat Benoit Sittler vier Wochen vor seinem diesjährigen Abflug in
die Arktis nicht. Seit 31 Jahren fliegt der promovierte Geograf nun schon jeden Sommer für zwei Monate in das Karupelv-Tal auf die Insel Traill in Nordost-Grönland – und fast genauso lange gibt es schon die dazugehörige Polarpost.

Eismöwe als Motiv

„Mit wenigen Ausnahmen wird der Stempel immer von Martin Klatt aus Bühl gestaltet und seit ungefähr zehn Jahren von der Druckerei Frietschy hergestellt“, erzählt Sittler, der sich sichtlich nicht nur über den neuen Stempel mit der Eismöwe als Motiv freut, sondern auch darüber, Karl Frietschy endlich einmal persönlich kennenzulernen. Die Polarpost hat mittlerweile viele Liebhaber, „ich werde in den nächsten Tagen wohl hauptsächlich damit beschäftigt sein, an die 2 000 Briefe zu stempeln“, schmunzelt Sittler, die dann auch noch von den fünf diesjährigen Expeditionsteilnehmern unterschrieben werden.

Willkommener Gast: Benoit Sittler probiert in Bühl den neuen Stempel für die Polarpost aus. | Foto: Klatt

Grundlagenforschung in Nordost-Grönland

Das Karupelv-Valley-Projekt in Nordost-Grönland hat vor vielen Jahren als Grundlagenforschung der Ökologie begonnen; damals wie heute untersuchen die Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen der Anzahl der Lemminge und dem Einfluss auf die Fressfeinde wie Hermelin oder Schnee-Eulen. Durch den Klimawandel sind immer mehr Themen dazugekommen, und „die Auswirkungen der Erwärmung auf die Eisbären hat dieses Jahr auch direkte Konsequenzen für uns“, so Sittler. Man habe, wie andere Expeditionen auch, eine Hütte in einer Station in Mestersvig am Rand des Nationalparks, in der man Sachen den Winter hindurch einlagere. Es sei in den letzten Jahren dann vermehrt zu „Einbrüchen“ durch Eisbären in diese Hütten gekommen, „deshalb verlangen die grönlandischen Behörden nun, dass alle Expeditionen einen Stahlcontainer organisieren, um die Sachen eisbärsicher zu überwintern“, erzählt Sittler. Man sei also jetzt damit beschäftigt, über Dänemark einen entsprechenden Container zu besorgen, der dann mit einem Eisbrecher nach Mestersvig transportiert werde.

Begegnung mit Eisbären

„Zum Glück unterstützt uns die Stiftung „Menschen für Eisbären“, die uns auch bereits im letzten Jahr einen Elektrozaun als Eisbär-Schutz besorgt hat, bei der Finanzierung“, zeigt sich Sittler erleichtert. Eisbärenbegegnungen seien mittlerweile die Regel geworden, und man wisse nie, ob die kleine Trapperhütte im Lager selber unbeschadet bleibe, Fotofallen hätten schon eindrucksvolle Eisbärbesuche aufgezeichnet, zum Glück bis jetzt in Abwesenheit der Wissenschaftler. Aktuelle Satellitenbilder zeigen übrigens, dass dort oben momentan noch viel Schnee liegt, „ich hoffe nur, dass wir nicht wieder wegen des Schnees gar nicht am Lager selber landen können“, so Sittler.  2017 habe man die ganzen Vorräte und die gesamte Ausrüstung mühsam über zwei Kilometer hinweg von der Landestelle des Flugzeuges zum Lager tragen müssen.

Polarfuchs weckt Interesse der BBC

Besondere Aufmerksamkeit werden Sittler und seine Kollegen in diesem Sommer dem Polarfuchs schenken, denn vor einer Woche habe die BBC wegen einer Dokumentation angefragt. „Das ist jetzt natürlich alles sehr kurzfristig“, so Sittler. Er bezweifele, ob die Filmaufnahmen der Polarfüchse bereits in diesem Jahr gedreht werden könnten. 2019 sei die BBC aber wohl auf alle Fälle dabei. Seine Langzeitbeobachtungen in der Arktis dokumentieren die Folgen des Klimawandels für die dortige Tier- und auch Pflanzenwelt sehr nachdrücklich: Benoit Sittler sieht die Zukunft für Tiere wie Eisbären oder Moschusochsen zunehmend pessimistisch. „Ich war über Donald Trumps Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen schockiert“, ärgert sich Sittler, „er sollte einmal mit nach Grönland kommen, um sich überhaupt ein Bild von der Lage machen zu können“. Patricia Klatt

Das Karupelv-Valley-Project ist ein Langzeitforschungsprojekt in Grönland im größten Nationalpark der Erde. Mit der Polarpost können Sammler und Interessierte gegen einen Unkostenbeitrag von 13 Euro zur Erforschung bedrohter Ökosysteme beitragen. Bis zum 20. Juni kann die Polarpost noch direkt bei Benoit Sittler bestellt werden. Die Sammler erhalten einen gestempelten, unterschriebenen Umschlag mit grönländischer Marke sowie einen Kurzbericht der Expedition im Anschluss, der ihnen sonst kaum zugängliche Einblicke in die Realität des gegenwärtigen Wandels in den nördlichen Polargebieten gewährt. Details zur Polarpost gibt es im Internet