Zwei Moscheeführungen hatte das Katholische Bildungswerk Achern im März 2017 angeboten. Imam Metin Lale und Moderator Adelbert Kuhn bezeichneten das Gespräch miteinander als Herzenssache. Aktuell scheint der Dialog vor größeren Herausforderungen zu stehen. | Foto: mk

Achern: Interreligiöser Dialog

„Problematik ist diffizil“

Von Michael Karle und Michael Moos

Ins Stocken gekommen ist der interreligiöse Dialog der beiden christlichen Gemeinden mit den muslimischen Vertretern der Moscheen in Achern.

Wunsch nach „Buntheit und Vielfalt“

Oberbürgermeister Klaus Muttach hatte das Thema – wie berichtet – beim Neujahrsempfang angesprochen. „Ich wünsche mir, dass der interreligiöse Dialog zwischen den verschiedenen Glaubensgemeinschaften in Achern wieder in Gang kommt. Ich wünsche mir, dass die Menschen unterschiedlicher Herkunft in unserer Stadt zusammen kommen und nicht in Parallelgesellschaften leben. Ich wünsche mir diese Gemeinschaft in Buntheit und Vielfalt.“

Eröffnungsfeier als Positivbeispiel

Als Positivbeispiel für Erreichtes verweist der OB auf die Eröffnung der Jahnhalle im November 2017. Hier hätten katholische und protestantische Schülerinnen und Schüler sich zusammen mit Jugendlichen islamischen Glaubens mit Gebeten beteiligt. Eine ähnliche Geste hätte er sich für das in diesem Jahr anstehende Kinder-, Kultur- und Integrationsfest in der Illenau gewünscht, so Muttach.

Klare Absage von Pfarrer Hans-Gerd Krabbe

Dazu kommt vom evangelischen Pfarrer Hans-Gerd Krabbe eine klare Absage: „Christen können nicht Allah anbeten, Muslime nicht den Vater Jesu Christi.“ Krabbe räumt ein, dass er in der Frage der christlich-muslimischen Gespräch in Achern „sozusagen auf der Bremse“ stehe: Hintergrund sind laut Krabbe „erhellende, enttäuschende, ernüchternde Erfahrungen“ mit Vertretern der türkisch-islamischen Moscheegemeinde („Ditib“) im Zusammenhang mit der Vorbereitung eines im Sommer 2017 terminierten Vortragsabends zum Thema „Gewalt und Extremismus“ in Achern. Wer Näheres wissen wolle, so Krabbe, könne sich gerne an ihn wenden: „Die Problematik ist diffizil, Blauäugigkeit hilft nicht weiter, Wachsamkeit ist geboten“.

Nächstes interreligiöses Gespräch am 10. Februar geplant

Für die katholische Kirchengemeinde weist Regine Schwall-Geier als Vorsitzende des Pfarrgemeinderats darauf hin, dass man gemeinsam mit der evangelischen Kirchengemeinde im Gespräch mit den Vertretern des Islam, zumindest mit den beiden Moscheen in der Fautenbacher Straße und am Stadion war. Schon vor den jetzigen hätten Jahre zuvor Begegnungen in der „Ditib“-Moschee an der Fautenbacher Straße und in der katholischen Kirche stattgefunden. „Den nächsten Termin haben wir für den 10. Februar geplant“, sagt Regine Schwall-Geier. Sie weiß auch, dass Pfarrer Krabbe nach dem Stand der Dinge hierfür nicht zur Verfügung steht. „Auch dieser Abend“, so Schwall-Geier, „wird wieder von einem externen, im interreligiösen Dialog erfahrenen Gesprächsleiter moderiert.“ Hinsichtlich der Beteiligung der Acherner Moscheen war vielfach zu hören, dass die arabische Moschee in der Severinstraße sich bislang nicht an diesem Austausch beteiligt.

„Zartes und sehr schwieriges Pflänzchen“

Auch die Pfarrgemeinderatsvorsitzende spricht davon, dass der Dialog ein „zartes und sehr schwieriges Pflänzchen“ sei. Man dürfe es weder zu sehr gießen, noch mit zu viel Erwartung überfrachten. Froh ist man, dass sich bei den Moschee-Führungen im vergangenen Jahr viel Interesse in Form von gesprächs- und fragebereiten Besuchern gezeigt habe.

Dialog wird als interreligiöse Begegnung fortgeführt

Zum weiteren Vorgehen erklärt Schwall-Geier, dass man den Dialog zunächst als interreligiöse Begegnungen fortführen will und diese nicht als gesellschaftspolitisches Ereignis instrumentalisiert sehen möchte. Immerhin gebe es ja beispielhafte Initiativen zur Begegnung wie das Frauenforum oder auch das „Cafe Hope“ im Josefshaus. Bei Letzterem sei man auch zusammen mit den örtlichen freikirchlichen Gruppen aktiv.