Übergangslösung: Während der dreimonatigen Vollsperrung der Straßenbrücke können Pendler und Arbeiter des Kraftwerks die Gambsheimer Schleuse über diesen Steg queren. Derzeit kontrollieren Techniker die Sicherheit des Behelfsbauwerks. | Foto: Christian Schäfer

Rheinübergang Gambsheim

Provisorische Brücke fast vollendet

Anzeige

Gelassenheit trotz massiven Zeitdrucks: Auf der französischen Seite des Rheinübergangs Freistett/Gambsheim sind die Arbeiten zur Erneuerung der Straßen- und Fußgängerbrücke nun deutlich sichtbar. Südlich der Schleusentore hat ein französisches Bauunternehmen seit Anfang März an der Südseite der Schleusentore eine provisorische Brücke errichtet.

Freigabe am 4. Juni

Eine Übergangslösung im wahrsten Wortsinn: In 8,50 Meter Höhe können Fußgänger und Radfahrer während der dreimonatigen Vollsperrung des Rheinübergangs vom 4. Juni an die Schleusenkammern in beiden Richtungen queren. Danach hat die Behelfskonstruktion ausgedient, sie wird wieder abgebaut.
Direkt neben dem Geländer verlaufen, in Kunststoffrohren auf Metallschienen verborgen, zahlreiche Kabel und eine 20 Kilovolt-Starkstromleitung. Knallrote Bänder mit der Aufschrift „Danger de mort“ (Lebensgefahr) flattern an den Rohren. Die Kabel werden wegen des Abrisses der 44 Jahre alten Straßenbrücke verlegt, darunter auch Telefonverbindungen zwischen Deutschland und Frankreich. Die provisorische Brücke mit 80 Stufen umfassenden Treppenaufgängen ist mittlerweile fast vollendet. Freigegeben wird sie jedoch erst, wenn die Straßenbrücke Anfang Juni in beiden Richtungen gesperrt wird. Für so manchen Radfahrer wird es dann mühsam: Aus Sicherheitsgründen erhalten die Aufgänge voraussichtlich keine Schienen zum Schieben von Fahrrädern.

Sichtschutz gegen „Baustellentourismus“

Techniker des französischen TÜV nehmen derzeit das Bauwerk ab. Hier und da empfehlen sie, noch zusätzliche Schrauben anzubringen. Bis zu 15 Tonnen Gewicht, so Winum, kann das provisorische Konstrukt tragen. Die eigentliche Belastungsprobe steht noch aus. „Die kann aus Sicherheitsgründen nur nachts erfolgen, wenn keine Schiffe durch die Schleuse fahren. Jetzt fehlen nur noch die Sichtschutzwände, damit es zu keinem Baustellentourismus kommt“, erklärt Polier Christian Winum. Ihm obliegt die Aufsicht seiner Kollegen. Er und die Ingenieure stehen unter einem massiven Druck. Wie berichtet, darf die Vollsperrung der Straßenbrücke nicht länger als drei Monate dauern. Sonst droht eine Vertragsstrafe von 40.000 Euro pro Tag. „Da täglich etwa 40.000 Fahrzeuge den Übergang passieren, macht das einen Euro pro Fahrzeug Strafe“, meint ein leitender Bauingenieur. Dennoch unterstreicht er: „Wir sind nicht optimistisch, sondern sicher, dass wir es schaffen werden.“

Verschiedene Arbeiten gleichzeitig

Deshalb finden verschiedene Arbeiten gleichzeitig statt. Einen Großteil des Parkplatzes des Restaurants „Rhinkaechele“ unweit der Schleuse hat die Firma dafür in Beschlag genommen. Zwei weiße Büro- und Aufenthaltscontainer türmen sich aufeinander. Nebenan errichtet Bauarbeiter Paulo Da Sousa mit zwei Kollegen Verschalungen aus Holz. Sie dienen zur Vorfertigung von Betonplatten für die neue Straßenbrücke. „Sie werden auf diesem Parkplatz hergestellt und dann zu ihrem jeweiligen Bestimmungsort transportiert“, erklärt Christian Winum. Das Bauwerk ist eine Beton-Stahl-Konstruktion. Die einzelnen Stahlkonstruktionen werden im Straßburger Hafen vorgefertigt und zur Schleuse Gambsheim transportiert.

Kleine Brücke wird angehoben

Auch nördlich der Schleusentore und insbesondere an der Zufahrt zum Cerga-Kraftwerk tut sich mittlerweile einiges. Während Autos und Lastwagen noch über die Schleusenkammern fahren, meißeln Arbeiter Betonblöcke aus dem alten Bauwerk. Doch dies sind keine Vorbereitungen eines Abrisses. „Hier werden die Stützwände für die eine Radfahrer- und Fußgängerbrücke gerichtet“, so Winum. Wenn der Neubau der Straßenbrücke Ende September voraussichtlich abgeschlossen ist, folgt der finale Akt:
An der Nordseite der dann renovierten Straßenbrücke wird eine neue Fußgänger- und Radwegbrücke angehängt. Die dafür nötige Zufahrtsrampe unweit des Cerga-Kraftwerkes errichten Arbeiter derzeit ebenfalls. Die Straßenbrücke über die Cerga-Zufahrt, westlich der Fischtreppe, wird übrigens nicht abgerissen, sondern lediglich angehoben, wie Winum verrät. Die neuen fertigen Bauteile für die Straße werden dann einfach darunter geschoben, die alten Elemente schließlich abgebaut.

Neugestaltung kostet zehn Millionen Euro

Knapp zehn Millionen Euro kostet die gesamte Neu- und Umgestaltung des Rheinübergangs. Davon übernimmt die deutsche Seite etwa 2,6 Millionen Euro für den Bau der Fußgänger- und Radwegbrücke zwischen der ehemaligen Zollstation und der Fischtreppe. Wegen diesen Bauarbeiten, die bis Anfang Juni abgeschlossen sein sollen, wird der Verkehr derzeit mit Ampeln geregelt. Für den Einbau der Stahlüberbauten und Betonplatten sind nach Angaben des Regierungspräsidiums Freiburg nächtliche Sperrungen zwischen dem 25. und 28. April sowie zwischen dem 30. April und 3. Mai vorgesehen.