Puma-Männchen "Tikam", das kurz vor Weihnachten im vergangenen Jahr in einer Wohnung in Lahr beschlagnahmt wurde, ist inzwischen in seinem neuen Zuhause bei der Tier- und Artenschutzstation "Tierart" in Maßweiler angekommen. | Foto: VIER PFOTEN

Neues Zuhause bei „Tierart“

Puma an der Leine: Wie die Geschichte des Pumas aus Lahr auch hätte enden können

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Puma-Männchen „Tikam“, das kurz vor Weihnachten im vergangenen Jahr in einer Wohnung in Lahr beschlagnahmt wurde, ist inzwischen in seinem neuen Zuhause bei der Tier- und Artenschutzstation „Tierart“ in Maßweiler angekommen. Obwohl erst wenige Monate alt, wird „Tikam“ hier wohl sein ganzes Leben verbringen. Dass das allerdings ein großes Glück für alle Beteiligten ist und die Sache auch ganz anders hätte enden können, weiß Florian Eiserlo, Betriebsleiter der Auffangstation, zu berichten.

Die Tier- und Auffangstation „Tierart“ beherbergt viele Tiere. Die meisten bleiben nur vorübergehend in der Obhut der Mitarbeiter, bis sie nach dem Aufpäppeln wieder ausgewildert werden können. Neben Siebenschläfern, Eichhörnchen und Rehen, leben bei „Tierart“ jedoch auch Tiger – und inzwischen ein junges Puma-Männchen. Die Großkatzen können nicht mehr ausgewildert werden, sagt Florian Eiserlo und auch in einen Zoo oder Tierpark wolle man die Tiere ungern geben. Dass auch Puma-Baby „Tikam“ nun in die im August 2015 offiziell eröffnete Großkatzenanlage einziehen kann, ist ein großes Glück. Wie Eiserlo erklärt, hätte die Geschichte auch ein weniger schönes Ende nehmen können.

Ein Puma geht Gassi

Puma „Tikam“ sollte eigentlich als Haustier in der Wohnung gehalten werden. So habe es sich der Besitzer, der den Puma in Tschechien erworben hatte, eigentlich vorgestellt, sagt Eiserlo. Und so sei der Mann auch mit „Tikam“ umgegangen. Er sei beispielsweise mit dem Puma an der Leine durch den Park spaziert. Dadurch sei die Vermieterin des Puma-Halters, die kurz darauf die Behörden informierte, überhaupt erst auf das ungewöhnliche Haustier aufmerksam geworden. In wenigen Monaten hätte das Gassigehen an der Leine jedoch Lebensgefahr für den Tierhalter selbst, aber auch für unbeteiligte Menschen auf der Straße bedeuten können. Eine „sehr unüberlegte und dumme Aktion“ sei das gewesen, sagt Eiserlo. Ein ausgewachsener männlicher Puma kann bis zu 100 Kilogramm wiegen. Mit einer Leine wäre ein solches Tier nicht mehr zu halten gewesen, denn Pumas haben „Kraft ohne Ende“, weiß Eiserlo. Bereits jetzt, im Alter von nur wenigen Monaten, sei das Leben mit „Tikam“ nicht ganz ungefährlich gewesen.

Scharfe Krallen und Zähne

Puma-Baby „Tikam“ spiele „sehr energisch“, sagt Eiserlo. Seine Krallen seien bereits jetzt sehr scharf und immerhin bereits gut drei Zentimeter lang. Sein „Herrchen“ hätte sich bereits jetzt ernste Fleischwunden zuziehen können. Bald wird „Tikam“ außerdem seine Milchzähne verlieren. Ab diesem Zeitpunkt „ist das lebensbedrohlich“, sagt Eiserlo. Schon jetzt wiegt „Tikam“ zwölf Kilogramm.

„Tikam“ spielt bereits „sehr energisch“, sagt Florian Eiserlo, Betriebsleiter der Auffangstation „Tierart“. Für den Menschen könnte dieses Spiel in wenigen Monaten lebensgefährlich werden. | Foto: VIER PFOTEN

Raubkatzen als Haustiere keine Seltenheit

Anfragen wegen Raubkatzen aus Privathaltungen gebe es tatsächlich häufig, sagt Eiserlo. Dabei gehe es nicht nur um Zirkustiere, sondern tatsächlich auch um Raubkatzen, die als Haustiere gehalten werden sollen. Ein Problem bei deren Aufnahme bei „Tierart“ sei jedoch zum einen der benötigte Platz, andererseits erforderte die Haltung von Raubkatzen auch einen hohen Sicherheitsstandard, daher könne man nicht jeder Anfrage entsprechen. Dass „Tikam“ also nach der Meldung bei den Behörden tatsächlich im Großkatzengehege bei „Tierart“ einziehen konnte, war keine Selbstverständlichkeit. Im schlimmsten Fall wäre „Tikam“ wieder zurück in einen Zoo nach Tschechien gebracht worden. Da die Behörde selbst keine Möglichkeit gehabt hätte, den kleinen Puma aus Lahr unter Quarantäne zu stellen, hätte „Tikam“ sogar noch zwei Tage in der Wohnung seines Besitzers bleiben müssen. In dieser Zeit hätte das Puma-Baby auch „in dunklen Kanälen zu anderen Besitzern verschwinden können“, weiß Eiserlo. Wegen der fehlenden Papiere hätten Zoos oft auch kein Interesse an einem Puma wie „Tikam“, zumal es immer schwierig sei, einen männlichen Puma unterzubringen. Diese seien nämlich Einzelgänger. Zum Glück habe die Behörde jedoch von „Tierart“ gewusst und einfach nach Hilfe gefragt.

„Tikam“ fühlt sich wohl

Im neuen Gehege müsse sich „Tikam“ natürlich noch ein bisschen einleben und sich an die ganzen neuen Eindrücke gewöhnen. Das Puma-Baby fresse jedoch gut und sei wohlauf. „Der hat Glück gehabt“, sagt Florian Eiserlo.

Glück dürfte auch „Tikams“ ehemaliger Besitzer gehabt haben – zumindest vor dem Hintergrund, was hätte passieren können, wenn der Puma länger als Haustier gehalten worden wäre. Um eine Geldstrafe wird der Mann dennoch wohl nicht herum kommen, glaubt Eiserlo.