Nicht mikrofonscheu: Gerd Birsner aus Diersheim sorgte für die Ansagen der grenzüberschreitenden Tram auf deutscher Seite. Doch es waren einige Hürden zu überwinden. | Foto: Christeleit

Tram Kehl-Straßburg

Radiomoderator Gerd Birsner macht Ansage: Vom „Bannoff“ zum Bahnhof

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Aus dem französischen Zungenbrecher „’altestelle Ochschule Lescher“ wurde „Haltestelle Hochschule Läger – aufgepasst jetzt wird’s g’scheit“. Die Straßburger Tram, die auch drei Haltestellen in Kehl bedient, kann jetzt Badisch. Der Mundartler und Radiomoderator Gerd Birsner aus Rheinau-Diersheim lieh der Tramansage seine Stimme – und baute einige Gags ein.

Von unserer Mitarbeiterin Karen Christeleit

Natürlich hat er es sich nicht nehmen lassen, medienwirksam live dabei zu sein, als erstmals die Durchsage in den grenzüberschreitenden Straßenbahnen läuft. Doch er musste mehrmals hin und her fahren, bis er seine Stimme vernahm, denn die Ansage funktionierte nur in den Straßenbahnen neuester Bauart und noch nicht in den älteren Tram-Wagen.

Doch dann kündigte sich der Wechsel der Sprachgrenze kurz nach der letzten französischen Haltestelle Port-Du-Rhin mit Klängen des Badnerlieds launisch mit „Nächster Halt – Kehl Bahnhof, jetzt wird’s badisch“ an und zur Ansage der Endhaltestelle am Kehler Rathaus erschallt noch die Titelmelodie „Eine Insel mit zwei Bergen“ aus der Augsburger Puppenkistenverfilmung von „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“.

Es war uns einfach wichtig, dass auf deutscher Seite auch die Ansagen auf Deutsch sind

„H“ und „Ä“ sind Zungenbrecher für Franzosen

„Es macht immer Laune, wenn man etwas außergewöhnliches machen darf“, meinte Birsner und lacht, „wenn man eine gute Stimme mit Musik und Witz paaren will, ist man bei mir immer in guten Händen.“ Die Idee, die Haltestellenansagen in heimatlicher Mundart und mit Witz einspielen zu lassen, hatte der scheidende Kehler Beigeordnete Harald Krapp.

„Es war uns einfach wichtig, dass auf deutscher Seite auch die Ansagen auf Deutsch sind“, erklärte Krapp, „H“ und „Ä“ sind einfach Zungenbrecher für französische Sprecher und so klangen in den Ohren vieler einfach die französischen Standardansagen „Kehl Bannoff“ oder „Kehl Rat-aus“ nicht schön.

Bürokratischer Aufwand und Probleme mit der Technik verzögerten den Start

Strenge Auflagen

Doch auch wenn die Straßburger Verkehrsbetrieben CTS offen für neue Ansagen waren – sie selbst haben andere Haltestellen bereits von Künstlern, aber auch auf elsässisch und von Kindern besprechen lassen – waren die Auflagen streng. „Die erste Ansage musste zwingend auf Hochdeutsch sein und zunächst mussten wir die CTS überzeugen, dass in Deutschland nicht die Ansage „Haltestelle“ sondern „Nächster Halt“ üblich ist“, erklärte Krapps Assistent Sascha Nossol, „auch die Dauer und die Stimmfrequenz waren vorgegeben.“

„Bügelfahrt“: Am 17. Oktober 2018 ist die Tram zu ihrer ersten Testfahrt auf der Strecke zwischen der bisherigen Endhaltestelle Bahnhof und dem künftigen Haltepunkt Rathaus gestartet. | Foto: Stadt Kehl

Gema-Präzedenzfall „Lummerland“

Einen Präzedenzfall bei der Gema schufen die Macher dann noch mit der Verwendung des Lummerlandliedes. Im Frühjahr werkelte Birsner im eigenen Tonstudio in Diersheim, Ende März lieferte er zahlreiche Spots, aus denen zunächst die Technischen Dienste Kehl und dann die CTS auswählte. „Ein großer bürokratischer Aufwand und Probleme mit der Technik verzögerten den Start“, bedauerte Krapp, umso mehr freue es ihn nun, dass es endlich geklappt hat.