Dauerstau in Achern: Wenn bald 1 000 neue Bürger auf dem Glashütten-Areal wohnen werden, dürfte sich das Problem weiter verschärfen, fürchtet der Gemeinderat. Er gab der Verwaltung eine Liste mit Arbeitsaufträgen auf den Weg.
Dauerstau in Achern: Wenn bald 1 000 neue Bürger auf dem Glashütten-Areal wohnen werden, dürfte sich das Problem weiter verschärfen, fürchtet der Gemeinderat. Er gab der Verwaltung eine Liste mit Arbeitsaufträgen auf den Weg. | Foto: sp/Archiv

„Neues Wohnen an der Acher“

Acherner Rat pocht auf Lösung der Verkehrsprobleme

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Der Acherner Gemeinderat hat den Bebauungsplan „Neues Wohnen an der Acher“ auf den Weg gebracht – einstimmig. Das Abstimmungsergebnis aber spiegelt in keiner Weise das Gewicht der Bedenken wider, die die Räte plagten. Schon bei der Vorberatung im Bauausschuss hatte sich abgezeichnet, dass die Volksvertreter damit hadern, hier ein Baugebiet auf den Weg zu bringen, das weitere rund 1 000 Bewohner in die Acherner Kernstadt bringt, ohne gleichzeitig ein schlüssiges Verkehrskonzept vorliegen zu haben.

Kritik am Konzept

Am Montagabend nun wurde die Kritik noch einmal in deutlich massiverer Form vorgetragen. Die Stadtverwaltung sicherte zu, das Verkehrsgutachten für die Kernstadt im kommenden Februar auf den Tisch zu legen. Dieses ist, gemeinsam mit dem gerade entstehenden Masterplan, nach Lesart der Verwaltung die Voraussetzung dafür, auch für die hochbelastete Fautenbacher Straße eine vernünftige Lösung zu finden.

Problem: Fautenbacher Straße

Wie die aussehen könnte, steht noch in den Sternen. Der Verkehr für das neue Baugebiet auf dem ehemaligen Glashütten-Areal wird jedenfalls auch über diese Verbindung abgewickelt. Die ist seit Jahren an den Grenzen der Belastbarkeit, mutmaßlich auch, weil der sogenannte Scheck-in-Kreisel mehr Fahrzeuge in die Innenstadt spült als notwendig wäre. Deshalb ist auch dieser, wie ausführlich berichtet, unter Beobachtung.

EInstimmig für Bebauungsplan

Angesichts der Bedeutung des Baugebiets – die Stadt schafft sich, wie es derzeit aussieht auf diese Weise in Windeseile eine Industriebrache an sensibler Stelle vom Hals – stellte sich der Gemeinderat einstimmig hinter den Bebauungsplan. Die an zahlreichen Details geäußerte Kritik und auch die Bedenken einiger Ratsmitglieder wurden sanft in „Prüfaufträge“ an die Verwaltung verpackt und damit erst einmal ausgeklammert. Doch sie werden, auch das war die Botschaft des Abends, wieder auf den Tisch kommen.

Mix aus kleineren Lösungen.

Zuvorderst geht es dabei um die Verkehrsanbindung und darum, woher die Probleme im einst eher beschaulichen Achern denn kommen. Dies wiederum führte zur Frage, wie denn ein Lösungsansatz aussehen könnte. Die Skepsis aus dem Gemeinderat, ob das Verkehrsgutachten denn wirklich etwas bewirken kann, fing Stadtplaner Rolf Bertram auf: Man werde in diesem Papier wohl nicht den Stein der Weisen finden, kündigte er an, doch er sei optimistisch, „dass ein Mix aus verschiedenen kleineren Lösungen den Verkehr wieder fließen lässt“. Dabei werden wohl auch Tempolimits kein Tabu sein. Zudem gelte es auch, den Scheck-in-Kreisel ins Auge zu nehmen, den man vor 20 Jahren „bewusst so gebaut“ habe, dass der Verkehr in die Innenstadt fließe. Die Bebauung des Glashütten-Areals hingegen sei mutmaßlich nicht das Problem.

Stimmen aus dem Gemeinderat

Das hatten die Räte zuvor ein wenig anders gesehen. Für die CDU hatte Karl Früh einige Aspekte aus dem im Bauausschuss vorgestellten Zehn-Punkte-Plan in Prüfaufträge umgemünzt und dabei die Verwaltung nochmals aufgefordert, die Frage eines möglichen Geländeerwerbs für den Ausbau der Fautenbacher Straße auf drei Fahrspuren genau ins Auge zu fassen. Das sah Gebhard Glaser (FW) ähnlich: Es sei wichtig, sich so viel Gelände zu reservieren, „dass alle Gestaltungsmöglichkeiten an der Fautenbacher Straße“ weiter offen stehen. Die Verkehrssituation sei „unerträglich“.

Zehn Prozent der Bevölkerung.

Jutta Römer (FW) wies darauf hin, dass die mutmaßlich zu erwartenden 1 000 neuen Einwohner in den gut 400 dort geplanten Wohnungen immerhin zehn Prozent der aktuellen Bevölkerung in der Kernstadt seien. Da falle es einem „schwer, zu akzeptieren, dass es das Verkehrsgutachten noch immer nicht gibt“. Markus Singrün (SPD) argumentierte ähnlich.

Vekehrsgutachten unabdingbar

Vor allem Thomas Kohler kritisierte massiv, dass man nun die Entscheidung über ein so großes Baugebiet zu treffen habe, ohne ein Verkehrsgutachten als Grundlage zu haben: „Wir fühlen uns schon ein bisschen schlecht in der Angelegenheit“. Daher könne man sich auch nicht in Prüfaufträgen ergehen. Die Verwaltung habe den „glasklaren Auftrag, das Verkehrsproblem ernsthaft und für den Bürger nachvollziehbar zu lösen“. Dass Thema dulde keinen Aufschub, so Kohler, der darauf verwies, dass die Forderung nach einem Verkehrsgutachten seit geraumer Zeit im Raum stehe, dann aber wieder „eingefangen“ worden sei, um es mit dem Masterplan zu verbinden. Das Prinzip, einfach mal etwas zu bauen und danach zu überlegen, wie das verkehrlich zu lösen ist, sei am Ende: Die Dinge müssten „mehr vernetzt werden“, fordert Kohler.

Der Gemeinderat hat eine ganze Reihe von Prüfaufträgen an die Verwaltung formuliert, die im Verlauf des Verfahrens „Neues Wohnen an der Acher“ aufgearbeitet werden sollen. Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr soll ohne Beeinträchtigung des Verkehrs in der Fautenbacher Straße (durch haltende Busse) erfolgen (CDU). Das Mikroklima könnte durch Lärmschutzwall und Riegelbebauung an der Fautenbacher Straße leiden. Es soll geprüft werden, ob inmitten des elf Hektar großen Areals noch ein Platz frei gehalten wird (ABL). Der Bau von Einfamilienhäusern auf dem Gelände soll weiter untersucht werden. Derzeit sind diese nicht vorgesehen (CDU). Die Ausweisung einer Kindertagesstätte auf dem Areal der ehemaligen Glashütte soll weiter verfolgt werden (CDU). Der Weg für einen Ausbau der Fautenbacher Straße soll offen bleiben (CDU und FW). Ein Energiekonzept für die Bebauung wurde bislang nicht in Erwägung gezogen (ABL).