Grün wohin das Auge reicht: Die Weinreben im Bühler Umland - hier in Neuweier - freuen sich über die warmen Temperaturen und stehen in der Blüte. | Foto: Alina Meier

Der Weinbau im Klimawandel

Reben mögen’s warm und trocken

Anzeige

Wer sich in der Region umschaut, der kann kaum übersehen, dass das Grün der umliegenden Weinberge geradezu zu explodieren scheint. „Wenn meine Winzer mit den Laubarbeiten fertig sind, können sie schon wieder von vorne anfangen“, sagt Felix Eberhard, Weinbauberater des Landratsamts Rastatt. Zum Glück habe es mehr Regen gegeben als im vergangenen Jahr, in dem sich eine Trockenperiode bis spät in den Herbst gezogen hatte. Auch in den vorherigen Jahren waren die Reben den immer häufiger auftretenden Launen der Natur ausgesetzt. Trotzdem sind die deutschen Weine der vergangenen Jahre ausnahmslos von guter Qualität. Profitiert der Weinbau also von den Folgen des Klimawandels?

2019 bisher mit einer normalen Entwicklung

An die Trockenheit im Jahr 2018 erinnert sich auch Samuel Gesell vom Landwirtschaftsamt Rastatt. Angesichts der diesjährigen kurzen Trockenperiode im März habe man befürchtet, dass sich diese wie im vergangenen Jahr durchziehe. Aktuell habe es erfreulicherweise genug Niederschläge gegeben. Diese hielten sich trotz einiger Gewitter und Starkregenereignisse in einem solchen Maße, dass es schnell genug wieder abtrockne. „Mit Regen kommen wir klar“ versichert Felix Eberhard. Dadurch seien zwar die Pilzkrankheiten wieder stärker als noch 2018, man habe sie aber derzeit gut im Griff. Auch den eher kühlen Mai hätten die Reben, die es eigentlich wärmer mögen, doch gut überstanden und danach im Wachstum gut aufgeholt.
Eberhard zeigt sich zufrieden mit dem aktuellen Wetter: „Ich würde meinen Winzern mal wieder ein ganz normales Jahr gönnen“. Auch Dr. Ralf Schäfer, Geschäftsführer der Affentaler Winzer, kann momentan nicht klagen: „Was draußen steht, sieht gut aus, wir haben eine ganz normale Entwicklung“. Bis jetzt spricht demnach alles dafür, dass auch 2019 wieder ein gutes Jahr für die Winzer wird.

Auch Weinbau muss sich auf Veränderungen einstellen

Doch auch im Weinbau bleiben die Folgen des Klimawandels nicht unbemerkt, denn obwohl insbesondere der Rotwein es „warm und trocken“ mag, müssen sich auch die Winzer auf die Erderwärmung einstellen. So versucht beispielsweise die Hochschule Geisenheim den Rebbau im Zuge verschiedener Forschungsprojekte für die Zukunft zu wappnen. In den Weinbergen der Hochschule etwa, wird untersucht, wie die Reben auf klimatische Veränderungen reagieren. Die wärmeren Temperaturen und steigenden CO2-Werte scheinen den Pflanzen dabei nicht einmal zu schaden. Zum Problem werden viel eher die weiter sinkenden Niederschlagsmengen, denn so ganz ohne Regen kommt der Wein dann doch nicht aus.
Für Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes ist klar: Extreme Wetterereignisse wie Gewitter, Hagel, Frost oder Dürreperioden habe es schon immer gegeben, allerdings seien sie heute deutlich ausgeprägter und hielten länger an.

Vergangene Jahre waren unbeständig

Diese Feststellung wird für Felix Eberhard auch durch einen Blick auf die Erträge der vergangenen Jahre im Weinbau bestätigt: So sei 2015 ein sehr heißes und trockenes, so genanntes „Rotweinjahr“ gewesen, im Jahr 2016 hingegen habe es dann zu viel Regen gegeben. 2017 hätten die Reben wegen anfänglich milder Temperaturen früher ausgetrieben und seien dann vom wiederkehrenden Frost überrascht worden. 2018 war für Eberhard in jeglicher Hinsicht ein Rekordjahr, zuerst beim Regen, dann bei Hitze und Trockenheit und zu guter Letzt auch im Ertrag.

Zukunft erfordert Flexibilität

Kurzum: Durch die steigenden Temperaturen verschieben sich die Anbaugebiete weiter in den Norden und die Winzer müssen möglicherweise auf andere Sorten umsteigen. Sie müssen immer flexibler sein, denn durch den Klimawandel werden auch die Wetterschwankungen in Zukunft zunehmen. „Normale Jahre“, wie Weinbauberater Felix Eberhard sie sich wünscht, werden dann wohl eher die Ausnahme sein.

Wälder brauchen Wasser
Nicht nur der Wein gedeiht, auch die übrige Landwirtschaft kann laut Felix Eberhard nicht klagen. Die Bestände haben sich gut entwickelt, das Getreide wächst gut und auch der Mais, der es ähnlich wie der Wein warm mag, hat nach dem recht kühlen Mai dann doch anständig aufgeholt. Geregnet hat es allerdings noch nicht genug, vor allem, wenn man die hiesigen Wälder betrachtet. In der viel zu langen Trockenperiode im vergangenen Jahr haben sie einen großen Teil ihrer Reserven aufgebraucht. Und obwohl die Reben ihren Speicher durch die Regenereignisse in der letzten Zeit schon recht gut auffüllen konnten, gilt das für den Wald bedauerlicherweise noch lange nicht.