Kerzengerade bahnt sich der Strom in seinem unnatürlichen Bett bei Memprechtshofen den Weg gen Rhein. Nach Plänen des Regierungspräsidiums wird sich das Landschaftsbild dort jedoch ändern. | Foto: Josef Budai

Renaturierung bei Helmlingen

Rench erhält neuen Verlauf

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Vor knapp 20 Jahren wurde die „Alte Rench“ bei Memprechtshofen, oberhalb des Mühlenwehrs, umgestaltet und renaturiert. Dies war eines von zahlreichen Projekten anlässlich der naturnahen Gewässerentwicklungsmaßnahmen im Bereich der „Acher-Rench-Korrektion“. Seit zahlreichen Jahren engagiert sich auch die IG-Rench, ein Zusammenschluss von Anglervereinen entlang der Rench, für eine Renaturierung des Flusses und der Verbesserung des ökologischen Gesamtzustandes.

Seit der Renaturierung am Oberlauf bei Memprechtshofen hat sich seitdem nicht mehr viel getan. Bei der jüngsten Hauptversammlung des Angelsportvereins Memprechtshofen wurde nun aktuell darüber informiert, dass noch in diesem Jahr Vorplanungen für eine Renaturierung des Renchabschnittes zwischen Memprechtshofen und Helmlingen anlaufen sollen und ein Konzept erstellt wird. Das Regierungspräsidium Freiburg (RP) bestätigt dies auf Nachfrage von bnn.de und ABB. Wie Elisabeth Korb vom RP erklärt, handelt es sich bei dem Plangebiet um einen Gewässerabschnitt vom Zusammenschluss von Rench und Flutkanal bei Memprechtshofen bis unterhalb der Renchbrücke bei Helmlingen.

Planung und Genehmigung in „einigen Jahren“

Dabei gilt es sowohl die Belange des Hochwasserschutzes, des Naturschutzes und allgemein ökologische Gesichtspunkte zu berücksichtigen. „Ein komplexer Managementplan, der bereits von Beginn an die Beteiligung der betroffenen Kommunen, sonstigen Interessengruppen und eine transparente Öffentlichkeitsarbeit vorsieht“, erklärt die Sachbearbeiterin. Erfahrungsgemäß werden noch einige Jahre ins Land gehen, bis das Planungs- und Genehmigungsverfahren umgesetzt werden kann, so Korb. Der Bereich der Renchmündung in den Rhein bleibt jedoch außen vor. Die Renchmündung sei ein „spezieller Fall“ und wird gesondert geplant, ein verbindlicher Zeitpunkt stehe noch nicht fest.

Rench Renaturierung

Verändertes Strömungsverhalten

Hintergrund ist, dass die Rench seit der Inbetriebnahme der Staustufe Iffezheim ihr Strömungsverhalten unnatürlich veränderte. Seitdem strömt das Wasser vom Rheinstrom, entgegen dem natürlichen Strömungsverhalten, wieder flussaufwärts, in die Rench. Da sich zahlreiche Fischarten insbesondere bei ihren Wanderbewegungen an der Strömungsrichtung orientieren und die Gegenströmung, als „Leitlinie“ instinktiv suchen, wird durch die aktuelle Sachlage das natürliche Verhalten der Fische negativ beeinflusst. Betroffen davon sind vor allem typische Wanderfische wie Lachs, Meerforelle, Aal oder Meerneunaugen sowie andere Fischarten bei ihren instinktiven Wanderungen zu den Laichgebieten.

Dämme mindestens 200 Meter voneinander entfernt

Nach Auskunft des Regierungspräsidiums wird sich die Vorplanung eng am Managementplan für das FFH-Gebiet „Westliches Hanauerland/Vogelschutzgebiet Kehl-Helmlingen“ orientieren. So würde der bisherige Verlauf der Rench zwischen Memprechtshofen und Helmlingen als sterile, strukturarme „Wasserrinne“ ein völlig neues Gesicht bekommen. Der Managementplan sieht erhebliche Korrekturen des durchgehend begradigten, teilweise gepflasterten Flusslaufes mit wenig Struktur und natürlichen Lebensräumen, vor. So beschreibt der Plan einen sich in mehreren Bögen windenden Flusslauf, der sich naturbelassen, mit Kolken, Sandbänken, Uferunterspülungen und lockerem Pflanzenwuchs an den Ufern, in Richtung Rhein bewegt. Gleichzeitig wurde festgelegt, dass die flankierenden Deiche mindestens 200 Meter Abstand voneinander haben. Ähnlich renaturiert wurde bereits der Unterlauf der Kinzig bei Kehl. Das gewohnte Landschaftsbild wird sich erheblich ändern, wenn die Rench ihren ursprünglichen Verlauf wieder erlangt und sich als ökologisch deutlich aufgewertetes, natürliches und artenreiches Flusssystem präsentiert. Die Entwicklung des gesamten Acher-Rench-Systems wird mehrere Jahre dauern.

Naturferner Ausbau vor mehr als 80 Jahren

Angefangen hat der naturferne Ausbau im Acher-Rench-System vor mehr als 80 Jahren. Durch Niederschläge oder Schneeschmelze gab es immer wieder Hochwasserabflüsse in die Rheinebene. Deshalb existierten 1831 erste Pläne zum Ausbau der Rench. Finanzielle Probleme und der mangelnde Konsens zwischen den Gemeinden führten zu Verzögerungen. Zwischen 1926 und 1929 wurden erste Maßnahmen im Maiwald zwischen Renchen und Memprechtshofen realisiert. Anfang 1936 wurde erneut überplant. Am Ende waren 66 Gemeinden involviert, mit einer Gesamtfläche von 120 Quadratkilometern. Neben den Vorteilen für die Landwirtschaft und den Siedlungsbau wurde auch der Autobahnbau möglich.

Durchgehendes Gewässersystem

Der Ausbau der Gewässer hatte allerdings einige ökologische Nachteile und auch die Leistungsfähigkeit der Gewässer bei Hochwasser wurde in der Folgezeit überschritten. Zudem boten die begradigten Flüsse wenig Lebensraum, was man zwischenzeitlich mit umfangreichen ökologischen Umgestaltungen wieder verbesserte. Dazu gehörte unter anderem die Wiederherstellung des durchgängigen Gewässersystems, vom Rhein bis in die Oberläufe im Schwarzwald, etwa für Wanderfische wie Lachs und Meerforelle.

Von Josef Budai