Im Einsatz: Christoph 43 landet am Dienstag nach einem Skiunfall bei Unterstmatt auf einer Kreuzung. Die Leitstelle entscheidet, ob der Notarzt vom Boden aus oder per Helikopter angefordert wird. | Foto: Alessandra Hamsch

Notfälle bei Unterstmatt

Rettungshubschrauber braucht acht Minuten

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Aufregung im Skigebiet Unterstmatt: Eilig sperren Helfer des Ortsverbands Karlsruhe der Bergwacht die Schwarzwaldhochstraße in der Kreuzung, ein lautes Knattern kündigt die Landung des Rettungshubschraubers Christoph 43 an. Ein Skifahrer hatte sich bei einem Unfall verletzt. So geschehen am Dienstag, als zahlreiche Menschen bei Sonnenschein zum Ski- und Schlittenfahren in das Höhengebiet fuhren. Die Konsequenz: Parkplätze waren kaum noch zu ergattern. Der mehr als eine Stunde andauernde Rettungseinsatz komplettierte das Verkehrschaos.

Leitstelle fordert Rettungshubschrauber an

War der Einsatz von Christoph 43 gerechtfertigt? „Wenn ein medizinischer Notfall im Höhengebiet eintritt, rufen wir zunächst den Notarzt“, stellt Dietmar Gräbe, Vorsitzender der Bergwacht Schwarzwald, Ortsgruppe Karlsruhe klar. Die Leitstelle entscheidet dann, wie der Notfallmediziner an den Einsatzort gelangt. „Nur ein Notarzt darf bei der Erstversorgung Medikamente zur Schmerztherapie verabreichen“, ergänzt DRF-Pilot Michael Niegisch. Derzeit ist der Rettungshubschrauber der DRF Luftrettung am Baden Airpark stationiert.

Landung auf der Kreuzung

Innerhalb von acht Minuten ist die Besatzung an der Schwarzwaldhochstraße. Ein Notarzt am Boden braucht vom Tal bis ins Höhengebiet je nach Einsatzort und Verkehrsaufkommen zwischen zehn und 40 Minuten. Platz zum Landen hat der Rettungshubschrauber bei Unterstmatt nur im Kreuzungsbereich. „Der Bereich lässt sich schnell absperren, die tagsüber vorgeschriebene Landefläche von 25 mal 25 Metern ist vorhanden“, sagt Gräbe. Der exakte Landeplatz sei je nach Windrichtung unterschiedlich. Eine andere Möglichkeit, in dem Skigebiet zu landen, gibt es nicht. Ein ehemaliger Hubschrauberlandeplatz ist nun zugewachsen.

Schaulustige bereiten kaum Probleme

Bei einem weiteren Einsatz am Mehliskopf wollte der Pilot eine Ecke auf der dortigen Piste ansteuern. „Doch er musste die Landung abbrechen, da der Schnee zu weich war“, so Gräbe. Ein Rettungswagen brachte dann den Notarzt zum Einsatzort. Auch am Seibelseckle gebe es am unteren Hang einen Landebereich. Trotz des touristischen Andrangs bereiten Schaulustige den Rettungskräften kaum Probleme: „Die Bevölkerung ist hilfsbereit und macht Platz“, schildert Dietmar Gräbe seine Erfahrungen.

Parkplatzsituation ist katastrophal

Die Parkplatzsituation auf Unterstmatt bezeichnet er als „katastrophal“. Vor 20 Jahren gab es eine Polizeistation auf dem Berg, erinnert sich Gräbe. Nun sei fast keine Polizei mehr vor Ort. Den Verkehr dürfen die ehrenamtlichen Helfer der Bergwacht nicht regeln. „Wir mussten Einsätze der Leitstelle teilweise absagen, da wir wegen parkenden Autos nicht durchgekommen sind“, so Gräbe. „Bisweilen stehen die Fahrzeuge entlang der B 500 in zwei Reihen. Die Bergwacht fordert deshalb bauliche Maßnahmen wie fest installierte Absperrketten mit Abweisern, Rettungszufahrten deutlicher zu kennzeichnen sowie einen zweiten größeren Parkplatz.

Bergwacht fordert Behörden zum Handeln auf

Die Mitarbeiter der Bergwacht haben bereits an verschiedene Stellen wie Straßenverkehrsbehörden und die Polizei geschrieben und telefoniert. „Doch es passiert nichts“, zieht Gräbe ein nüchternes Fazit. Erschwerend kommt hinzu, dass die Grenze der Regierungspräsidien Karlsruhe und Freiburg genau durch Unterstmatt verläuft, Kompetenzgerangel erschwere den Prozess, die Situation zu verbessern. Es sei, so Dietmar Gräbe, eine Frage der Zeit, wenn es bei einem Unfall im Höhengebiet deshalb zu schwerwiegenden Folgen kommt. „Bis jetzt hatten wir großes Glück.“

Bergwacht: Mehr Einsätze im Nordschwarzwald

Der Landesverband der Bergwacht rechnet im Nordschwarzwald mit steigenden Einsatzzahlen in den kommenden Jahren. Als Grund nennt Lutz Scherer, Landesgeschäftsführer der Bergwacht, auf Anfrage von bnn.de, dass sich immer mehr touristische Angebote entwickeln. 2017 gab es nach Angaben der Bergwacht entlang der Schwarzwaldhochstraße 215 Einsätze. „Davon sind 111 dem Wintersport zuzurechnen“, erklärt Scherer. An Rosenmontag und Fastnachtsdienstag zählte die Bergwacht alleine sieben medizinische Notfälle im Bereich Unterstmatt.