Für den Erhalt des Kehler Krankenhauses setzten sich Räte aus den südlichen Rheinauer Stadtteilen ein. Sie befürchten weitere Anfahrtswege und eine schlechtere ärztliche Versorgung, sollte die Klinik in ihrem heutigen Umfang 2030 schließen. | Foto: lhb

Klinikdebatte im Ortenaukreis

Rheinauer Räte fordern Erhalt des Kehler Krankenhauses

Anzeige

Die Debatte um die Reform des Ortenau Klinikums und der Agenda 2030 hat knapp vier Wochen vor dem Kreistagsbeschluss nun auch den Rheinauer Gemeinderat erfasst. Eine entsprechende Anfrage stelle Rätin Annette Fritsch-Acar auch im Namen von Doris Hertweck, Doris Bless, Birgit Martens, Annette Sänger sowie Heiko Bach aus den südlichen Rheinauer Stadtteilen. Ohne den Klinikstandort Achern in Frage zu stellen, riefen sie Bürgermeister Michael Welsche auf, sich auch für das Krankenhaus in Kehl zu positionieren. Der Grund: Bürger aus den südlichen Ortschaften hätten deutlich kürzere Wege nach Kehl, zudem arbeiten dort zahlreiche Rheinauer, argumentieren die Räte.

Kritik an Informationspolitik

Aus Gesprächen mit Bürgern und Ärzten aus Honau, Diersheim und Linx habe sich ein Stimmungsbild ergeben, sich für Kehl einzusetzen mit der Begründung, dass eine wohnortnahe Versorgung lebensrettend sowie eine lange Fahrzeit nicht möglich sei. Ein Rheinauer Arzt gehe davon aus, so die Darstellung Fritsch-Acars, dass bei einer Schließung des Kehler Spitals ärmere Menschen und Senioren Verlierer sein würden. Die Honauer Rätin kritisiert zudem die Informationspolitik des Landratsamts. Bis auf eine „Hochglanzbroschüre“ habe es Infoveranstaltungen nur in den großen Städten gegeben, Vorgänge für die Bürger seien bislang kaum nachvollziehbar. Sie bedauert, dass die Debatte zumeist hinter den Kulissen geführt würde.

„Todesstoß“ für Kehler Krankenhaus?

Das Engagement des Acherner Oberbürgermeisters sei beispiellos gewesen, er habe Bürger und Gemeinderat früh eingebunden. „Das hat dazu geführt, dass der Standort Achern im Gutachten näher untersucht wurde. Dieses Privileg wurde Kehl nicht zuteil“, meinte Fritsch-Acar. Mit ihren südlichen Ratskollegen zeichnet sie ein düsteres Bild: Sie gehen davon aus, dass der Beschluss des Kreistags am 24. Juli der „Todesstoß“ für das Kehler Krankenhaus sei, zugleich stehe der Standort für ein neues Zentralklinikum noch nicht fest. Daher bitten sie die Kreisräte, darunter den Rheinauer Bürgermeister, die Entscheidung zu vertagen, bis ein Standort endgültig gefunden sei. Die Variante im Offenburger Holderstock sei für Rheinauer schlechter erreichbar als eine Klinik bei Windschläg.

Räte fordern öffentlichen Dialog

Fritsch-Acar und ihre Kollegen appellieren an Welsche, dass von einer Lösung bei der Klinikreform alle Rheinauer Bürger profitieren sollten. „Hinterfragen Sie vor dem Beschluss kritisch, ob die Fachärzte in Kehl bleiben würden oder ob zu befürchten ist, dass sie ihren Kassensitz in die Nähe des großen Klinikums verlegen“, so Fritsch-Acar in Richtung des Rheinauer Bürgermeisters. Sie fordern ihn auf, den Dialog mit den politischen Gremien in Rheinau sowie mit Ärzten, Bürgern und den Seniorenrat zu suchen.

Keine Infoveranstaltung in Rheinau

Welsche erklärte, dass eine Informationsveranstaltung zur Klinikreform in Rheinau nicht geplant sei. Er konterte, dass er als Kreisrat bereits lange im ständigen Dialog sei, er habe zahlreiche Gespräche geführt, auch mit anderen Kreisräten. Er unterstrich: „Das lassen wir alles in unsere Abwägungsprozess einfließen, der noch andauert.“ Das Ziel sei eine bestmögliche ärztliche Versorgung für Rheinau. Er stellte klar, dass die Rheinauer Stadtverwaltung selbst das Thema nicht aufgreift. Wenn der Gemeinderat eine Resolution zum Erhalt des Kehler Standorts verabschieden wolle, werde die Verwaltung reagieren.