Auch große amerikanische Produzenten wurden bereits auf Matto Barfuss aufmerksam. Der Rheinauer lebt für die Kunst und das Filmen der afrikanischen Tierwelt und setzt sich für deren Erhalt ein. | Foto: Christian Schäfer

Neue Projekte und Filme

Rheinauer Tierfilmer Matto Barfuss setzt sich für Artenvielfalt ein

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Maleika, die Gepardendame – kann sie auch das Herz der Zensoren des chinesischen Regimes besänftigen? Tierfilmer Matto Barfuss ist davon überzeugt. Voller Vorfreude blickt er auf die China-Premiere seines erfolgreichen Films in Peking – voraussichtlich gegen Ende des Jahres soll es soweit sein.

Während die Gepardendame in den Kinos rund um die Welt Kinder- und Erwachsenenherzen erobert, der große Film- und Serienanbieter Netflix gar großes Interesse zeigt, arbeitet Matto Barfuss an seinen nächsten großen Projekten. Gerade kommt er aus Uganda zurück von einem Dreh über Berggorillas. Barfuss verbringt stets ein halbes Jahr in Afrika – der Kontinent hat auf den 49-Jährigen eine magische Anziehungskraft.

Naturkunstwerk gegen Klimawandel

Vor Ort bekommt der Rheinauer Tierfilmer die massiven Folgen des Klimawandels mit. „Die Regenzeit blieb dieses Jahr aus, das Okavango-Delta im Nordwesten Botswanas ist deshalb sehr vertrocknet. Darunter leiden besonders die Elefanten“, berichtet Barfuss. 150 der sensiblen Dickhäuter seien bereits verdurstet. „Hier sind die Auswirkungen des Klimawandels direkt zu spüren.“ Neben der Produktion von Dokumentarfilmen hat er deshalb eine Stiftung ins Leben gerufen, die den Kontinent direkt unterstützen soll. So pflanzte er mit Helfern entlang des südlichen Wendekreises 7.800 Bäume als 522 Kilometer langes grünes Band durch Botswana – in Kooperation mit dem dortigen Ministerium für Wiederaufforstung. „Ein Naturkunstwerk gegen den Klimawandel“, beschreibt Barfuss die Aktion.

„Natur erzählt spannende Geschichten“

Zudem unterstützt er Farmer in Botswana mit den Bau von Grals, damit ihre Tiere nicht von Geparden gerissen werden. „Wir gehen nicht in diese Länder, um zu belehren. Es geht darum, eigene Versäumnisse und Fehler in Sachen Klimaschutz, die die westlichen Industrienationen begingen, aufzufangen, damit es die afrikanischen Länder besser machen“, betont der Tierfilmer. Maleika derweil spielt weiterhin eine große Rolle im Leben des Afrikakenners – nun steht sie in seinem neuen Filmprojekt nicht mehr im Mittelpunkt, sondern sie wird zur Erzählerin – aus ihrer Perspektive nimmt sie den Betrachter mit in die afrikanische Wildnis, Titel: „African Tale“ (Afrikanische Märchen). „Denn die Natur erzählt die spannende Geschichten.“ Opernsängerin Katja Richter aus Karlsruhe leiht der Gepardendame ihre Stimme.

Weitere Filme

Einen weiteren Film hat Barfuss bereits vollendet – nach acht Jahren Drehzeit: „Die Geister der Savanne“ heißt das Werk: „Leoparden sind nicht einfach zu sehen. Sie sind wie Geister sie sind da und irgendwie doch nicht“, lacht der Tierfilmer. Die Premiere folgt am 12. Oktober im geschlossenen Kreis Premiere in seiner Freistetter Galerie, am 13. Oktober gibt es einen Tag der offenen Tür für die Öffentlichkeit. Mit einer Filmcrew ist der 49-jährige Rheinauer hauptsächlich in Botswana unterwegs. „Dort ist es
weniger korrupt als in Deutschland, die haben keine 13.000 Lobbyisten in der Hauptstadt.“ Das südafrikanische Land sei für ihn eine zweite Heimat geworden, es sei ein „tolles Land“, schwärmt der Tierfilmer. Sein nächster großer Kinofilm, den er derzeit dreht, soll voraussichtlich Ende 2021 in die Kinos kommen. Titel und Inhalt bleiben vorerst geheim.

Kritik an Filmindustrie

Barfuss bedauert, dass kein deutscher Sender seinen Film „Maleika“ zeigen will. „Es heißt dann immer, man habe kein Geld. Doch dann unterstützen sie die Tierfilmmacher großer Filmfirmen, die in Luxushotels nächtigen und dann mit dem Helikopter den Kontinent überfliegen“, kritisiert Barfuss. „Die zeigen nur Fragmente. Das ist nicht das wahre Bild von Afrika“, meint der 49-Jährige. Der umtriebige Rheinauer Tierfilmer zeigte Netflix übrigens die Rote Karte. Der Grund: „Die wollten die kompletten Rechte an Maleika. Doch wer würde schon seine Partnerin verkaufen?“ In seinem Archiv schlummern noch 240 Stunden Rohmaterial von Maleika, bislang unbekannte Szenen, die nicht in den Kinofilm gelangten.

Anerkennung in den USA

Auch in den USA könnte Maleika über die Kinoleinwände flimmern – wenn Disney keine Probleme machen würde. Barfuss kennt den Neffen von Arnold Schwarzenegger – und dieser wiederum ist gut bei Disney vernetzt. „Maleika ist ein schönes Thema – aber schlecht für uns“, stellte der amerikanische Filmgigant laut Barfuss fest. Der Tierfilmer nimmt es sportlich. Diese Reaktion sei eine gute Chance, „dass unser Film beim amerikanischen Publikum ankommt – allerdings nur in kleineren Kinos“. Eine Premiere gab es bereits in Los Angeles beim „American Film Market“ für Filmrechteeinkäufer. „Bei unserem Film blieben alle 15 Leute im Saal sitzen“, sagt Barfuss stolz.

Imagefilm für TSG Hoffenheim

Daneben drehte er, als gebürtiger Sinsheimer, einen Imagefilm für die TSG Hoffenheim. Der Verein fragte bei ihm an. „Eine tolle Sache, Wildlife und Fußball zusammenzubringen“, lacht Barfuss. Und ein Film über die heimische Auenlandschaft? „Das wäre ein Projekt, wenn ich mal 70 Jahre und älter bin.“ In Rheinau fühle er sich wohl, „die Bewohner interessieren sich für meine Arbeit“, stellt Barfuss fest. Mit einer Multivisionsschau „Wild und Weit – 25 Jahre Afrika“ blickt Barfuss auf seine Arbeit als Tierfilmer zurück. Seit 1. November 2000 hat er in Freistett seine Galerie eröffnet. Neben dem Filmen hat Barfuss nach eigenen Angaben mehr als 6.500 Kunstwerke kreiert, nur einen Bruchteil könne er zeigen. Seit seinem zwölften Lebensjahr ist der gebürtige Sinsheimer Künstler, zu seinem Portfolio gehören Tierporträts und Filme. Seit 2002 produziert er digital in HD, mittlerweile dreht er seine Filme in 8K-Auflösung.