Freundlich und mit Verbeugung übergibt Roboter Sweaty eigenhändig die Zollpapiere für eine Reise zur WM nach Japan an Antonia Fieß vom Zollamt in Appenweier, beobachtet von Professor Hochberg und seinem Team. | Foto: ABB

Zollamt Appenweier

Roboter Sweaty gibt Zollpapiere persönlich ab

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Selbst ist der Mann: „Sweaty“, der humanoide Roboter der Hochschule Offenburg, hat am Donnerstag als erster Roboter weltweit die Zollpapiere für eine Reise nach Japan höchstpersönlich beim Zollamt in Appenweier abgegeben. In Nagoya wird der Offenburger Vize-Weltmeister von 2016 Ende Juli versuchen, bei der Weltmeisterschaft im Roboterfußball als eines von acht Teams in der Kategorie „Adult Size“ den Titel zu holen.

Roboter strahlt Zollbeamtin an

So etwas hat auch Antonia Fieß noch nicht erlebt: Mit kurzen Schritten läuft der Besucher auf die Zollbeamtin zu, strahlt sie mit leuchtend blauen „Augen“ an, stellt sich kurz vor und übergibt ein mit roter Schleife geschnürtes Päckchen Zollpapiere: „Ich hoffe, es passt alles, und ich kann zum Robo-Cup nach Japan“, sagt Sweaty, verbeugt sich höflich und macht auf dem Absatz kehrt.

Der Titel ist bestimmt sicher

Wohl als erster Roboter weltweit hat der 1,72 Meter große und 26 Kilo schwere Sweaty die Zollabfertigung buchstäblich selbst in die Hand genommen. Die Abfertigungsleiterin Ausfuhr bei dem mit 31 Beschäftigten für den ganzen Ortenaukreis zuständigen Zollamt in Appenweier ist begeistert und wünscht viel Erfolg: „Der Titel ist bestimmt sicher.“

Sweety entwickelt sich weiter

In der Tat hat sich Sweaty seit dem vergangenen Jahr, als er in Leipzig den Vize-Weltmeistertitel holte, wieder mächtig weiterentwickelt. Laut Projektleiter Professor Ulrich Hochberg, der die Reise zusammen mit seinen Kollegen Michael Wülker und Klaus Dorer sowie einem 19-köpfigen Team aus Studierenden und Assistenten antritt, wurden die Bewegungen des Roboters ebenso verbessert wie die Ball-, Linien- und Torerkennung, der Gleichgewichtssinn und auch die Spracherkennung in Deutsch und Englisch.

Roboter bei „Schere, Stein, Papier“ unschlagbar

Dazu wurde Sweaty mit Unmengen an Daten gefüttert: Wie schnell Sweaty dank leistungsstarker Rechner Algorithmen entwickelt und „gelernt“ hat, hat auch die Profis überrascht. Ein Beispiel dafür ist auch Sweatys Leistung beim Spielen von „Schere, Stein, Papier“: In 20 Millisekunden erkennt er, was der Gegner vorhat und lässt sich nicht mehr überlisten. Ein Mensch hat damit keine Chance mehr, gegen ihn zu gewinnen: „Wenn er so gut Fußball spielt wie Schere, Stein, Papier, dann werden wir gewinnen“, sagt Hochberg lachend.

Hoffen, dass die Mechanik durchhält

Professor Michael Wülker vom Sweaty-Team ist ebenfalls optimistisch: „Wir sind mit den Vorbereitungen zufrieden, im Zeitplan und hoffen nur noch, dass die Mechanik durchhält.“ Die beiden Kollegen sind sich einig: Mit dem neuen Kopf, Kameras hinter den blauen Augen, zwei Mikrofonen hinter den Ohren und Lautsprechern hinter dem Mund zeigt sich Sweaty auch optisch in Hochform.

Roboter tritt auch bei Schönheitswettbewerb an

Vorgesehen ist, dass er mit dem von der Fakultät Medien- und Informationswesen entwickelten kindlichen Gesicht auch bei einem Schönheitswettbewerb antritt. Im Wettbewerb wird er dann laut Hochschul-Sprecherin Arwen Möller allein gegen seinen Konkurrenten im Vorrundenspiel, dem Viertel- und Halbfinale und hoffentlich auch im Finale kicken. Je Halbzeit wird mit einem Ball auf dem Spielfeld zehn Minuten lang gespielt. Dann erfolgt der Seitenwechsel. Am 30. Juli steigt das Endspiel.

Der Robo-Cup
In diesem Jahr kehrt der Robo-Cup laut Hochschulsprecherin Arwen Möller wieder an seinen Geburtsort Nagoya zurück. Zu dem mehrtägigen Turnier werden mehr als 100 000 Zuschauer, 3 500 Teilnehmer aus aller Welt und rund 1 400 Roboter erwartet. Von der Hochschule Offenburg ist neben der Sweaty-Mannschaft auch das Team Magma dabei, das mit Simulationsrechnern antritt.
In der Simulation können die elf Spieler auch ihre Zehen bewegen – und damit doppelt so weit kicken wie mit festen Füßen. Sie spielen analog zum klassischen Fußball Elf gegen Elf. Magma holte jüngst beim Wettbewerb Robotica den Sieg.