Freiburger Archäologen entdeckten in Grab Nummer 18 in der Diersheimer Fachhau Reste eines Schwertssamt Urne. Schwarze Pechsteine weisen auf eine elbgermanische Bestattung hin. | Foto: Foto: Landesamt für Denkmalpflege

Funde bei Rheinau-Diersheim

Römer warben wohl Elbgermanen an

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Interessante Funde in der Fachhau: Archäologen der Universität Freiburg haben ein verbranntes und verbogenes Schwert aus der Römerzeit entdeckt. Seit 2015 sind die Wissenschaftler im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege unweit von Diersheim auf der Suche nach Relikten in einem der seltenen römisch-germanischen Gräberfelder.

Grabfeld 100 nach Christus angelegt

Experten gehen davon aus, dass das Grabfeld 100 nach Christus angelegt wurde. Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter der Denkmalpflege entdeckt es. Über den genauen Grabungsort hüllen sich die Freiburger Wissenschaftler in Schweigen, um die Neugierde von Hobbyarchäologen zu unterbinden. Denn Raubgräber bereiten mit ihren Metalldetektoren den Wissenschaftlern zunehmend Probleme, klagte Johannes Schrempp im August 2016.

Überreste einer Urne in der Fachhau bei Rheinau-Diersheim. Foto: kec

Schwert weist auf begrabenen Soldaten hin

Bislang untersuchte Schrempp mit seinen Kollegen 21 Brandgräber. Die aus archäologischer Sicht interessante Entdeckung gab es in Grab Nummer 18, wie sich im August und September des vergangenen Jahres herausstellte: Neben und unter der Urne lag in der Grabgrube ein verbogenes und verbranntes Schwert, informiert das Stuttgarter Landesamt für Denkmalpflege in einer Pressemitteilung.

Soldat gehörte zu römischer Hilfstruppe

Bei diesem Exponat handelt es sich um eine so genannte Spatha. Zudem entdeckten die Archäologen eine Lanzenspitze, eine Schere, ein Rasiermesser und die zusammengefalteten Reste eines römischen Bronzeeimers. Die Spatha ist nach Angaben des Landesamts eine Waffe, die vor allem Soldaten römischer Hilfstruppen, so genannte Auxilia, trugen. Die Reste der römischen Soldatenschuhe, mit denen der Leichnam verbrannt wurde, sind ein Indiz auf die militärischen Dienste des Verstorbenen.
Eine im Spätsommer 2017 entdeckte Urne. Foto: kec

Pechstücke Teil einer elbgermanischen Bestattung

Bei den sterblichen Überresten entdeckten die Archäologen schwarze Pechstücke. Die Beigabe von diesem Urnenharz ist bei Römern und Kelten eigentlich unbekannt. Verbreitet war er hingegen bei elbgermanischen Stämmen, die zwischen der Ostsee und dem heutigen Tschechien angesiedelt waren, heißt es weiter. Wissenschaftler gehen deshalb davon aus, dass das Militär des damaligen Römischen Reiches Gruppen aus dem elbgermanischen Gebiet anwarb.

Legionäre verteidigten Argentorate

Das Ziel: Die Verteidigung des rechten Oberrheintal und die Flussgrenze vor dem Legionsstandort Argentorate, dem heutigen Straßburg. Diese Gruppen bezeichneten sich selbst als „Sueben“, so das Landesamt für Denkmalpflege. Sie waren auch noch bewaffnet, als die Gebiete jenseits des Rheins zwei Generationen später Teil der römischen Provinz geworden waren.

Erste Ausgrabungen gab es in Diersheim bereits im Jahr 1938. Repro: kec

Erste Entdeckungen bereits vor 80 Jahren

Bereits in den 1930er Jahren war Lehrer Gottfried Schlörer im Diersheimer Oberfeld zugange. Seinerzeit hob er mit seinen Schülern 50 suebische Gräber aus. Weitere Funde von ehrenamtlichen Archäologen rief das Landesamt für Denkmalschutz vor drei Jahren auf den Plan. Als vielversprechend stellten sich erste Funde bereits 20 Zentimeter unter einem Acker heraus.

In 30 Jahren wäre Grabstätte zerstört

Da das Denkmal wegen der landwirtschaftlichen Nutzung und Erosionen in 20 bis 30 Jahren unwiederbringlich verloren geht, unternahmen Freiburger Archäologen Rettungsausgrabungen aus Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Einige Exponate stellten die Freiburger Wissenschaftler bereits im Offenburger Ritterhaus aus.

Exponate landen in Rastatter Fundarchiv

Was genau geschieht mit den Gegenständen aus Grab Nummer 18? „Generell werden Funde im Labor aufbereitet und dann wissenschaftlich ausgewertet“, erklärt Behördensprecherin Désirée Bodesheim auf Anfrage von bnn.de. Nach Absprache mit der Fundortgemeinde würden diese auch ausgestellt. Untergebracht werden die Exponate im zentralen Fundmagazin in Rastatt.