Im Stadion: Rüdiger Barth hat seinen ersten Roman geschrieben. | Foto: Erik Weiss

Autor aus Bühlertal

Rüdiger Barths erster Roman

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Nach zahlreichen Sachbüchern hat sich Rüdiger Barth erstmals auf das Feld des Romans gewagt. Der Autor und Journalist siedelt seine Geschichte im Sport an – doch es geht um weit mehr.

Rüdiger Barth hat ein Buch geschrieben. Ein banaler Satz, ja, denn Barth hat eine beachtliche Titelliste gesammelt, auf der Reisereportagen und Sportlerporträts stehen, das Segeln hat er ebenso zwischen Buchdeckel gepackt wie – gemeinsam mit Hauke Friederichs – den Niedergang der Weimarer Republik. Ein weites Sachbuchfeld, doch nun hat er eine für ihn neue literarische Parzelle bearbeitet: Rüdiger Barth hat seinen ersten Roman geschrieben. „Das Haifischhaus“ erscheint an diesem Montag.

15 Jahre beim „Stern“

Barth ist in Bühlertal aufgewachsen, hat 1991 am Windeck-Gymnasium in Bühl das Abitur abgelegt (im vergangenen Jahr hat er dort die Festrede zum 125-jährigen Bestehen gehalten) und in Tübingen Zeitgeschichte und Allgemeine Rhetorik studiert. Beim Acher- und Bühler Boten sammelte er erste journalistische Erfahrungen; 15 Jahre war er später in verschiedenen Positionen beim „Stern“ tätig, wurde stellvertretender Chefredakteur der P. M. Gruppe, ehe der Wahl-Hamburger 2016 das Redaktionshaus Looping Group mitbegründet hat, bei dem er „Head of Print“ ist.

Mit Roman einen Wunsch erfüllt

Mit dem „Haifischhaus“ hat sich Barth einen Wunsch erfüllt; schon lange hatte er mit der Roman-Form geliebäugelt. Es dauerte Jahre, bis er sich daran wagte: „Ich habe keine Angst vor der literarischen Langstrecke. Aber ein Roman ist doch noch mal etwas ganz Anderes“, sagt er im ABB-Gespräch. Manches habe er sich erst aneignen müssen: „Wie werden die Figuren glaubwürdig und wie stehen sie zueinander? Ist die Handlung realistisch und dabei spannend?“

Die Welt des Tennis

„Das Haifischhaus“ spielt in der Welt des Sports, des Tennis. Doch es ist weit mehr als ein Sportroman. Barth hat viel hineingepackt in seine Geschichte. Krankheit, Sucht, das Älterwerden, große und kleine Egos, Liebe und Enttäuschung – was treibt einen Menschen an, was lässt ihn seine Ziele konsequent verfolgen? Wer ist der eigentliche Gegner: Der Mann auf der anderen Seite des Netzes, oder bin ich es vielleicht selbst?

Es beginnt ganz unten

Die Hauptfigur Toto Berger war der gefeierte Stern am Tennishimmel, bis er abrupt aufhörte und in tiefste Tiefen fiel. Der Roman beginnt mit einer Erniedrigung, die aber auch zum Auftakt eines Comebacks wird, das von einer gewissen Besessenheit genährt wird (und einer dramatisch schlechten finanziellen Lage). Es ist spannend mitzuerleben, wie sich Berger Stück um Stück zurückkämpft, „in den Berg fräst“; Rückschläge sind inklusive, bis zu einem dann doch überraschenden Finale. Das Figurenensemble bildet verschiedene Facetten der Tenniswelt ab: den (alt gewordenen) Trainer, den Datenfreak, die Ex-Spielerin, den Technikexperten, den Physio und den Manager. Dazu kommt Bergers Sohn aus einer gescheiterten Ehe, der auch als Option gelesen werden kann, wie Bergers Leben sich ohne Filzbälle hätte entwickeln können.

Barth kennt auch den Innenblick

Als Sportreporter hat Barth viele Asse des Sports getroffen, von Michael Ballack bis Pete Sampras. In den Interviews habe er oft gespürt, „dass da noch etwas hinter der Fassade ist, an das man nicht rankommt. Und genau das wollte ich in einem Roman festhalten“, erzählt er. Natürlich seien viele Erfahrungen des beobachtenden Sportreporters eingeflossen; aber er kennt auch den Innenblick. Barth, einst beim TV Bühl aktiv, spielte in der zweiten Volleyball-Bundesliga, war Manager eines Volleyball-Erstligisten, er weiß um die Mentalität der Profis. Und manches Detail holte er sich in Gesprächen, etwa mit dem Physiotherapeuten eines russischen Profis, oder einem Freund aus dem Umfeld von Boris Becker. Wie der Star sein Umfeld dominiert und auch zersetzt, das ist auch eines der zentralen Themen des Romans. Dass man sich dabei gelegentlich an den Leimener erinnert fühlen kann (wie beim Manager Ion Tiriac in den Sinn kommt), streitet Barth nicht ab: „Er schwebt wie ein Schatten über dem Buch.“ Allerdings versteht der Autor seine Titelfigur eher als Gegenentwurf: „So wie sich Toto Berger in der Anfangsszene wehrt und dann den Dingen stellt, so hätte ich es mir von Becker gewünscht.“

Erste Lesung in Hamburg

Mitte des Monats liest Barth beim Harbour Front Literaturfestival in Hamburg erstmals öffentlich aus seinem Buch. Ob’s dazu auch in der alten Heimat kommt, die er regelmäßig besucht? „Wenn eine Anfrage aus Bühl käme, würde ich alles dafür tun, das zu ermöglichen.“

Rüdiger Barth, Das Haifischhaus, Wilhelm Heyne Verlag München, ISBN: 978-3-453-27239-2, 20 Euro.