„Ich bin froh, dass es das Rufauto gibt“: Nicole Frey aus Wagshurst nutzt das Mobilitätsangebot regelmäßig, würde sich aber über eine Erweiterung des Fahrdiensts freuen. | Foto: Michael Moos

„Eine Erfolgsgeschichte“

„Rufauto“ in Achern könnte künftig mehr und weiter fahren

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Seit 2014 gibt es in Achern das Rufauto. Das als Ergänzung zum Nahverkehr gedachte Angebot hat sich für die Stadt als Erfolgsgeschichte erwiesen. Deswegen erwägen die Verantwortlichen, das Angebot auszuweiten. Eine entsprechende Vorlage ist bereits in Planung.

Nicole Frey wohnt im Acherner Stadtteil Wagshurst, arbeitet in Offenburg und hat kein Auto. Eigentlich sind das keine guten Voraussetzungen für den Weg zur Arbeit. Zum Glück gibt es das Rufauto in Achern: „Das vergrößert meinen Aktionsradius beträchtlich.“

Allerdings wünscht sich die 39-Jährige noch Verbesserungen im Angebot. Sie kann jetzt hoffen: Die Stadt Achern will in Zusammenarbeit mit dem beauftragten Fahrdienst („Baden-Blitz“) das Rufauto optimieren.

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Bald 10.000 Fahrten

„Das Rufauto ist eine Erfolgsgeschichte – die Nutzerzahlen steigen kontinuierlich“, freut sich Oberbürgermeister Klaus Muttach. Das Rufauto feierte Ende vergangenen Jahres den fünften Geburtstag.

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Zwischen Dezember 2014 und Dezember 2019 gab es exakt 9.202 Fahrten und 10.795 Fahrgäste. Nicht ohne Stolz verweist der Rathauschef darauf, dass es mit diesem Mobilitätsangebot gelungen sei, den Menschen vor allem in den durch den Öffentlichen Personennahverkehr schlechter erschlossenen Stadtteilen einen Taktverkehr und mehr Beförderungssicherheit anzubieten.

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Das Rufauto verkehrt an Werktagen zwischen 8 Uhr und 20 Uhr sowie am Samstag zwischen 8 Uhr und 14 Uhr im Stundentakt auf drei Linien zwischen der Kernstadt und den Stadtteilen – allerdings nur dann, wenn es von einem Fahrgast angefordert wird und wenn sich die Fahrt nicht mit einem Linienbus zeitlich überschneidet.

Linie 1 bedient Gamshurst, Großweier und Sasbachried, Linie 2 Wagshurst, Önsbach und Fautenbach sowie Linie 3 Mösbach und Oberachern.

Die meisten Fahrten wurden innerhalb der ersten fünf Jahre auf der Linie 2 gemeldet (3.655, gefolgt von Linie 1 (3.644) und Linie 3 (1.903). Mit Abstand am häufigsten wird das Rufauto für Fahrten von Wagshurst in die Kernstadt geordert (1.362); es folgen Gamshurst (807), Sasbachried (762) Großweier (685), Mösbach (593), Oberachern (518), Önsbach (325) und Fautenbach (308).

Von Achern in die Stadtteile führten die meisten Fahrten nach Gamshurst (855), gefolgt von Wagshurst (833) und Großweier (597). Die meisten Fahrten gibt es zwischen 8 und 11 Uhr (3.832).

Nicht zum Nulltarif

Zum Nulltarif ist das Rufauto nicht zu haben: Eine Fahrt kostet pro Person und unabhängig von der Fahrtstrecke drei Euro. Inhaber von TGO-Zeitkarten (Wochen-, Monats- und Jahreskarten) erhalten eine Ermäßigung, für sie kostet die Fahrt zwei Euro.

Bestimmte Fahrten werden aus Mitteln des Ortenaukreises mit einem 33-Prozent-Zuschuss gefördert. Das gilt unter anderem für Fahrten zwischen der Kernstadt und solchen Stadtteilen, in denen weniger als viermal täglich ein Bus fährt und damit die „Grundversorgung“ nicht erfüllt ist. Dennoch rechnet die Stadt mit einem Zuschussbedarf von rund 20.000 Euro pro Jahr.

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Dabei muss es nicht bleiben: Der Gemeinderat zeigte sich offen dafür, das Budget zu erhöhen. Zum Ausbau des Angebots bereit ist auch das mit dem Fahrdienst beauftragte Unternehmen „Baden-Blitz“: Dessen Geschäftsführerin Claudia Meder-Thumberger hätte damit „kein Problem“.

Das in Rheinau beheimatete Unternehmen mit Standorten in Achern und Oberkirch beschäftigt derzeit 60 Mitarbeitende, die mit 30 Fahrzeugen unterwegs sind.

Zeitliche Ausweitung des Angebotes geplant

Eine Möglichkeit der Verbesserung des Angebots wäre nach Ansicht von Oberbürgermeister Klaus Muttach eine zeitliche Ausweitung – beispielsweise am Abend oder auch am Samstag. Eine entsprechende Vorlage ist bei der Stadtverwaltung in Vorbereitung.

Bei Nicole Frey würde das auf uneingeschränkte Zustimmung stoßen. Sie hält das bisherige Angebot für „nicht praxisgerecht, meint aber auch: „Natürlich bin ich froh, dass es das Rufauto gibt“, sagt sie mit Blick auf die grundsätzlich schlechte Anbindung des Stadtteils Wagshurst an das Nahverkehrsnetz. „Eigentlich gibt es hier nur den Schulbus.“

Nicole Frey nutzt das Rufauto regelmäßig, ebenso ihre Kinder. Zu den positiven Aspekten zählt für die 39-Jährige, dass sowohl sie selbst als auch die älteren Mitbürger durch das Rufauto „ein Stück weit autonomer bleiben“.

Mehr Haltestellen in Randgebieten?

Man könne beispielsweise Arzttermine in der Kernstadt wahrnehmen, ohne dass man jedesmal jemanden fragen muss, der einen fährt. „Das finde ich persönlich schon sehr wichtig. Deshalb wäre es noch wichtiger, dass man auch den Rückweg besser anbindet.“

Ein weiterer Wunsch von Nicole Frey betrifft ebenfalls den Stadtteil Wagshurst: „Dort gibt es bisher nur eine Haltestelle für das Rufauto. Das kann vor allem für ältere Menschen mit dem Rollator weite Wege bedeuten.“