Startschwierigkeiten: Dem Rufauto-Angebot in Rheinau fehlt es bislang noch an Kunden. Der Seniorenrat hofft deshalb auf den „Schneeball-Effekt“. | Foto: kec

Nahverkehr in Rheinau

Rufauto: Verhaltene Bilanz nach drei Monaten

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Die neuen Rufauto-Halteschilder in Rheinau suggerieren den Bürgern einen verbesserten öffentlichen Nahverkehr, doch in der Wirklichkeit sieht man das Rufauto nur sehr selten halten. „Das Rufauto ist sehr gut angelaufen“, vermeldete der stellvertretende Hauptamtsleiter Markus Bogner. „Ab dem ersten Tag wurde das Rufauto genutzt und den Abrechnungen sind regelmäßige Fahrten zu entnehmen.“ Dabei werden die Fahrten den ganzen Tag über gebucht und es gebe einige „Stammkunden“, die Fahrten für den ganzen Monat im Voraus verbindlich buchen. „Anpassungsbedarf bei den bestehenden Linien konnten wir bisher nicht feststellen“, so Bogner. Doch während die Verwaltung Positives vermeldet, sieht dies das betreibende Taxiunternehmen verhaltener.

Von Karen Christeleit
„Lediglich 25 Personen nutzten im November, 17 im Dezember und 23 im Januar den Service von Freistett nach Achern und retour, dabei erst einmal eine Gruppe, sonst nur Einzelpersonen“, bedauert Claudia Meder-Thumberger, Inhaberin des für ein Jahr beauftragten Taxiunternehmens. „Die innerörtliche Linie wurde sogar nur einmal bestellt und dann wieder storniert.“

Rufauto-Angebot seit dem 1. November

Das Rufauto Rheinau verbindet seit dem 1. November mit einer Linie Freistett mit Achern und mit einer anderen innerhalb Freistetts den Ortskern über das Unterdorf mit dem Einkaufszentrum „Am Glockenloch“. Ziel der Stadt Rheinau ist es, das bestehende ÖPNV-Angebot innerhalb Rheinaus zu den Einkaufs- und Dienstleistungsangeboten der Stadt sowie zu den benachbarten Kreisstädten zu optimieren und so insbesondere für ältere, nicht mehr so bewegliche Menschen die Mobilität im Straßenverkehr zu verbessern. Es fährt in Abstimmung mit den regulären Buslinien von Montag bis Freitag zwischen 9 Uhr und 17 Uhr sowie Samstag und Sonntag zwischen 9 Uhr und 16 Uhr zwischen Rheinau und Achern sowie innerhalb Freistetts. Dabei muss es explizit vom Fahrgast telefonisch im Voraus angefordert werden.

Seniorenrat hofft auf „Schneeball-Effekt“

„Man muss dem ganzen Zeit lassen und gut Werbung machen“, meint Rolf Meder. Der Rheinauer Seniorenrat, der beim Arbeitskreis zur Entwicklung der Rufautokonzeption mitgearbeitet hatte und bei Freunden aus Achern Erfahrungsberichte einholte, hat es sich nicht nehmen lassen, selbst gleich eine Vergnügungstour mit dem Rufauto zu buchen. „Das klappte gut“, so seine Erfahrung. Meder ist sich sicher: „Jetzt müssen es nur etliche nutzen und dann wird es nach dem Schneeballsystem richtig anlaufen.“ Doch aus Thumbergers Erfahrung mit dem Rufauto in Achern, wo das Rufauto als Stadtteilverbindung ausgebaut wurde und seit fünf Jahren nach ihren Angaben „bombastisch läuft“, nutzen die Menschen so ein Angebot vor allem, um zum Arzt, zum Friseur oder zu Besuchen zu fahren. „Für den Großeinkauf haben die meisten noch Familienangehörige, die sie regelmäßig mit zum Einkauf nehmen“, so Thumberger.

Anrufer fordern Anbindung der Stadtteile

Darum müsste in Rheinau ein Rufauto auch die Stadtteile miteinander verbinden. Sie habe schon viele Anrufe aus den Stadtteilen bekommen, die bedauerten, dass diese nicht angeschlossen sind, weil es mit dem Umsteigen vom öffentlichen Bus auf das Rufauto nicht funktioniere oder insbesondere der Busbahnhof für viele zu weit ab vom Schuss sei. Anderen wäre die zweimalige Gebühr für die einfache Fahrt für das Innerorttaxi von drei Euro und der Preis nach Achern für vier Euro einfach zu teuer. Dabei wird das Rufauto bereits jetzt schon von der Stadt Rheinau und dem Landratsamt Ortenaukreis bezuschusst.

Stadtverwaltung beobachtet Nutzungsverhalten

Laut Stadtverwaltung wolle man das Nutzungsverhalten weiter beobachten und nach gegebener Zeit auswerten, um gegebenenfalls reagieren zu können. Eine Ausweitung des Rufauto-Angebots, wie vor kurzem in dieser Zeitung bereits im Zusammenhang mit Verschlechterung der Busanbindung der Linie 403 zwischen Diersheim und Kehl thematisiert, ist derzeit aber noch nicht geplant.