WIE EINE RIESIGE MUSCHEL: Über 25 Attraktionen wird der Wasserpark „Rulantica“ in Rust einmal haben. Das Familienunternehmen Mack investiert in das Projekt 150 Millionen Euro. | Foto: Michael Thoma

Wasserpark

„Rulantica“ in Rust: Exklusive Führung über die Baustelle

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Es wird eine riesige Wasser-Welt, in der eine Geschichte erzählt wird: „Rulantica“ in Rust. Am Dienstag feierte die Investorenfamilie Mack das Richtfest. Einige Tage zuvor gab es für die BNN eine Exklusivführung über das 45 Hektar große Grundstück.

Kurz vor dem Europa-Park grüßt nicht Ed, die Euromaus, sondern stürzt ein Wasserfall von einem Felsbogen herab. „Rulantica“ steht dort auf einem Schriftzug. Die Nebenstraße, die zu dem künftigen Wasserpark der Familie Mack führt, kennt das Navi noch nicht. Gleich hinter dem Bauzaun liegen farbige Einzelteile der geplanten 17 Wasserrutschen in Reih und Glied. Neben dem Containerdorf der 500 Bauarbeiter wartet Europa-Park-Pressesprecherin Diana Reichle auf ihren Besucher.

Bis vor gut einem Jahr war es noch eine Ackerfläche. Ende 2019 sollen täglich bis zu 3 500 Besucher gleichzeitig ihren Spaß in „Rulantica“ haben, dieser versunkenen nordischen Stadt mit ihren 25 Attraktionen. Ein Freizeitpark für sich wird das sein, um Rust als Kurzurlaubsziel noch attraktiver zu machen. 150 Millionen Euro investiert das Familienunternehmen Mack, mit geringem Fremdkapitalanteil. Zum Vergleich. Das Karlsruher Europabad kostete 30 Millionen Euro.

GANZ SCHÖN BUNT HIER: Ein Teil des neuen Themenhotels Kronasar beim Wasserpark ist farbenfroh verkleidet. | Foto: Michael Thoma

Reichle steht im Matsch. Wenige Minuten später balanciert sie mit ihren Arbeitsschuhen über Paletten, die in Pfützen liegen. Vor ihr wird die Fassade des Hotels Krønasår verklinkert und an anderer Stelle mit bunten Hölzern verkleidet. Dann erreicht sie auch schon die Tür des künftigen Vier-Sterne-Superior-Hauses, das direkt neben dem Wasserpark liegt. Die provisorische Bautür knarzt. „Mach’ die Tür zu“, hat ein Arbeiter mit schwarzem Edding drauf geschrieben. Aus gutem Grund: Warm ist es in der Lobby des Hotels, das das Thema Museum aufgreift. Trockenbauer stehen auf Gerüsten und montieren die abgehängte Decke. Schnell die Treppe hoch. Reichle lässt in Zimmer blicken, in denen schon Schreibtische und Doppelstockbetten – in der Form von überdimensionalen Reisekoffern – stehen. Nun weiter den Flur entlang zu dem großen Raum, von dem aus ein Steg über einen See hinüber zum Spaßbad führt.

SCHIFFSWRACK INKLUSIVE: Diese Simulation zeigt, wie es in „Rulantica“ aussehen wird. | Foto: Europa-Park

Alle Gäste von einem der sechs Europa-Park-Hotels können bevorzugt ins „Rulantica“. Damit es in dem Bad nicht zu voll wird oder es zu enttäuschten Gesichtern kommt, werden grundsätzlich nur Online-Buchungen möglich sein. Zur Höhe der Eintrittspreise könne sie noch nichts sagen, meint Reichle, die schon wieder im Matsch steht. Sie begrüßt Thomas Renner-Boh. Der Direktor für Baumanagement des Europa-Parks ist hinzu gekommen. Er schiebt sich den Helm zurecht. Vor ihm hämmern Arbeiter an Schalungen. Noch einige wenige Wände des 21 Meter hohen Bauwerks müssen gegossen werden. So um die 34 000 Kubikmeter Beton werden zusammenkommen. Fünf Kräne drehen sich im tristen Dezembergrau – „zu Spitzenzeiten hatten wir elf“, sagt Renner-Boh. Ein Bagger dieselt und buddelt ein tiefes Loch für Kabel. Einige Stufen einer Bautreppe sind zu nehmen, dann ist Renner-Boh mit seinen Besuchern drin. Es riecht nach dem Gips an den Eckschienen, die frisch fixiert sind. Von der Decke tropft etwas Wasser herab. Der Sichtbeton wird später komplett verschwunden sein. Es entsteht aber kein Tropenparadies im Badischen, wie es in der Bäder-Welt üblich ist. „Es wird keine einzige Palme hier drin geben. Auch keine Piraten“, deutet Reichle an. Dafür Meerjungfrauen, Trolle, zwei Schiffswracks – und dennoch warmes Wasser. Renner-Boh watet durch das spätere Kleinkinderbecken, in dem jetzt noch Regenwasser steht. „Da kommt ein 350-Liter-Wassereimer rein, der regelmäßig umkippt“, erzählt er. An den Wänden sind Gitterkonstruktionen und Gewebe fixiert – die Basis für künstliche Felsen.

MÄCHTIGE HOLZKONSTRUKTION: Diana Reichle und Thomas Renner-Boh auf Baustellentour. | Foto: din

Wer die Macks kennt, der weiß: Sie kleckern nicht, sie klotzen. So wie bei der muschelförmigen Haupthalle des Bades. 20 Meter lichte Höhe, kaum Stützen. Da stockt der Atem schon jetzt, im Rohbau. Fünf Holzgiganten dienen als Basis der 12 000 Quadratmeter großen Dachfläche des Wasserparks – sie messen jeweils rund vier mal fünf Meter, sind 87 Meter lang und und 85 Tonnen schwer. Eine Vergleichsgröße: Eine einfache Fertiggarage ist etwa 2,68 Meter breit und 2,45 Meter hoch.

In dieser Halle herrscht die große Vielfalt des Bauens: Hier buddeln Arbeiter mit dem Minibagger Versorgungsschächte aus. Dort flechten ihre Kollegen Eisen, lassen die Flex schrillen und Funken sprühen. Es sind Vorarbeiten für den Boden des 800 Quadratmeter großen Wellenbeckens. Die Maschinen, die für wilde Fluten sorgen werden, sind schon installiert. Seitlich wird die Deko an Wänden vorbereitet. Im Hintergrund stehen weite Teile der Rahmenkonstruktion, in die später riesige Glaselemente montiert werden. Der Badegast wird also einmal auf eine große Wasserwelt samt Schiffswracks blicken und im Hintergrund den Schwarzwald sehen. „Das sind dann aber norwegische Landschaften“, meint Renner-Boh schmunzelnd. Schließlich soll der Besucher für einen spannenden Tag in eine nordische Welt entführt werden.

VIELE, VIELE BUNTE BAUTEILE: Die Einzelelemente für die 17 Wasserrutschen liegen bereits für die spätere Montage bereit. | Foto: din

Sein Handy klingelt mal wieder. Der Mann ist gefragt. Fix geht der 48-Jährige durch weitere Pfützen, zeigt auf den künftigen „leisure pool“ mit Bar, in dem die Gäste einmal abhängen können. Er erklärt kurz den „Shotgun“-Wasserfall und den Verlauf des rund 600 Meter langen „Lazy River“, in dem man auch unter Tage im Wasser treiben wird. „Und dort draußen wird der ,Wild River‘ tosen“, sagt der Manager mit einem Blick, der verrät: Wäre es doch nur schon soweit zum Baden in Baden.

„Rulantica“ in Rust bedeutet auch Perfektion

In Rust wollen sie wahre Bade-Meister sein. Mit der nötigen Perfektion, die ihre Zeit braucht. Allein die Konzept- und Planungsphase für „Rulantica“ dauerte über 20 Jahre. Aber in einigen Monaten werden die Rutschenelemente, die noch draußen auf dem Baufeld liegen, installiert sein. Wenn „Rulantica“ beim Publikum einschlägt, wie es die Fachwelt erwartet, kann die Fläche des Wasserparks später noch verdoppelt werden.

Der Name „Rulantica“ ist eine Kreation des deutschen Branding-Urgesteins Manfred Gotta (71), der in Forbach-Hundsbach und in Barbados lebt. Von ihm stammen auch Namen wie Megaperls, Xetra, Twingo, Smart, Panamera und Targobank. „Rulantica“ sei ein erfundenes neues Wort, „das nun konkret mit Inhalten von einem Wasserpark geladen wird“. Ergo bedeute es international das gleiche, so Gotta gegenüber den BNN. „Für mich assoziiert Rulantica bewegte Wellen, und wenn man den Namen Rulantica spricht, dann hört es sich so ähnlich an wie eine Wellenbewegung – es sind immerhin vier Silben.“
Mit Rust oder Europa-Park-Chef Roland Mack habe der Name „Rulantica“ nichts zu tun, auch wenn es Assoziationsversuche zu „Rolantica“ gegeben habe. In „Rulantica“ stecke der Atlantik. Ein origineller Auslöser im Namensgebungs-Prozess war, als ein beteiligter Brite sang: „Britannia, Britannia rules the waves“.