ES IST IHR BERUF, IHR HOBBY – IHR LEBEN: Sabine Späth neben zwei Models ihrer internationalen Modenschau-Agentur Top S, die sie von Kappelrodeck aus führt. | Foto: Top S

Kappelrodeck

Sabine Späth betreibt die wohl älteste Modenschau-Agentur Deutschlands

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Sie betreibt die wohl älteste Modenschau-Agentur in Deutschland, hat 400 Models in ihrer Datei, schickt diese mehrere Male in der Woche auf den Laufsteg. Doch wer jetzt eine Geschichte über eine Agentur-Chefin lesen will, die als kleines Mädchen ihre Püppchen dresste, heute von einer Schicki-Micki-Metropole aus arbeitet und in deren Leben sowieso alles Glamour ist und war, der wird hier enttäuscht.

Dabei wäre das Leben von Sabine Späth auch gut für eine Verfilmung, zumindest für eine Biografie. Arbeitstitel: Mädchen vom Land boxt sich durch. Allein die Tatsache, dass sie als 18-Jährige im beschaulichen Kappelrodeck ihre Agentur gründete, wäre ein Kapitel für sich. Damals, 1980, das war noch die Zeit vor den Supermodels. Zu Laufsteg-Schönheiten sagten viele noch Mannequin – Model, das klang eher verrucht.

Büro von Sabine Späth ein Traum in Weiß

Zurück in die Gegenwart: Das Büro von Sabine Späth ist ein Traum in Weiß. Entworfen und durchgestylt von ihr, der Perfektionistin, bis hin zur prächtigen Blumenschale mit opulenten Orchideen. Für die riesigen Bodenfliesen ist sie bis nach Tschechien gefahren, bis sie dort die passenden fand. Draußen, vor der Glasfront, plätschert der Dorfbach, die Weinberge sind auch nicht weit.

Das Handy der 57-Jährigen vibriert: wieder eine junge Frau, die sich bewirbt. International hat es sich herumgesprochen, dass Sabine Späth fair und familiär arbeitet. „Ich passe auf meine Mädels auf wie eine Löwenmutter auf ihre Jungen.“ Für Showeffekte wird von ihr kein junges Talent verheizt, auch wenn sie durchaus streng sein kann. „Wir sind wie eine große Familie“, sagt sie und holt ein Fotobuch aus dem Regal, das ihr Models zum 50. Geburtstag geschenkt hatten. Langsam blättert sie durch das liebevoll gestaltete Büchlein, liest eine Passage vor. Wer Sabine Späth genau dabei beobachtet, der sieht, wie ihre Augen dabei feucht werden.

 

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Die Modenschau-Agentur Top S ist das Leben von Sabine Späth

Die Agentur Sabine Späth Top S ist ihr Leben. Man kann noch so viel nachfragen, immer wieder kommt die toughe und zugleich sensible Frau darauf zurück. Klar, sie war auf Reisen. Und bei ihrer Figur liegt nahe, dass sie regelmäßig drüben durch die Berge joggt. Natürlich lebt sie auch auf, wenn sie mit ihrer weißen Mercedes-Benz S-Klasse oder mit ihrer dunklen Corvette durch die Lande düst. Aber vor allem hat sie Freude daran, wenn sie im Kastenwagen von Termin zu Termin fährt, während ihre Model-Familie an Bord mit ihr singt oder, erschöpft nach einem Auftritt, eingenickt ist.

Die Eltern hatten Landwirtschaft, Raiffeisen-Lager, Milchzentrale, Getränkehandel, Schnapsbrennerei. Die kleine Sabine trägt kurze Haare und zieht mit den Jungs durch die Gassen. Sie ist alles, nur kein Mode-Püppchen. Die Geschäftsfrau steckt aber in ihr. „Ich konnte kaum laufen, da hatte ich schon die erste Flasche Wasser verkauft.“

Als sie sieben Jahre alt ist, eröffnet eine Cousine ein Kindermodegeschäft – Sabine modelt dort zum ersten Mal. Bei den drei TV-Programmen der damaligen Zeit bleibt sie vor allem beim Fernsehballett hängen. Diese Inszenierungen begeistern sie – das ist es wohl bis heute, was ihre Modenschauen so außergewöhnlich machen. Schon früher, bei der Fastnacht – die in Kappelrodeck etwas ganz Besonderes ist – moderiert und arrangiert sie, wenn ihre Mädels-Bande in den Gasthäusern für Spektakel sorgt.

Talent für Modenschauen

Aber, wie es sich auf dem Land gehört, wird als erstes etwas Ordentliches gelernt: Schuhverkäuferin. Es ist aber nicht ihr Leben. Sabine Späth kündigt, präsentiert und verkauft in noblen Hotels Kleider eines Modehauses, jobbt außerhalb der Saison in der Schweiz, verkauft dort auf Messen Schmuck und Parfum.
Vor allem aber ist es ihr Talent, Modenschauen zu inszenieren und zu organisieren, das sich herumspricht – zunächst in der Ortenau.

Aber es läuft eben nicht alles glatt: Ende der 80er werden ihre Eltern krank. Sie kann, sie will jetzt nicht mehr auf Reisen gehen. Als sie kurz darauf sterben, gehört ihr plötzlich eine Getränkehandlung. Sabine Späth räumt auf, entrümpelt ihre Wohn- und Geschäftsräume. „Ich habe in meinem Leben 40 Großcontainer mit meinen eigenen Händen gefüllt“, sagt sie und zeigt diese wie zum Beweis her. Sie trägt transparenten Nagellack, kein knalliges Rot.

Autohandel parallel zur Agentur

Eine zeitlang führt Sabine Späth parallel zur Modenschau-Agentur mit ihrem damaligen Freund einen Autohandel, verkauft Porsche, BMW, Ferrari, Mercedes-Benz – von Kappelrodeck aus. Sie lernt schnell dazu, was sie noch nicht beherrscht. „Alles, was ich kann, habe ich mir selbst beigebracht.“

Auch nach dem Ende der Beziehung bleibt die Freude an schnellen Fahrzeugen. Was nicht überrascht: „Mit 19 habe ich mir den ersten Porsche gekauft“, auch wenn es nur ein 924er war. Oder später einen Golf GTI. 111 PS, das war damals eine Menge Kraft unter der Motorhaube eines Kleinwagens.

Stolz auf die Model-Familie

Sabine Späth hat Krankheiten bekämpft, ihren inzwischen 17 Jahre alten Sohn Paul allein großgezogen, ist heute mit ihrer Agentur auch im Ausland gefragt. Da könnte sie mächtig stolz sein. Das ist sie auch irgendwie, aber nicht im Sinne von: „Ich habe etwas zum Angeben“.

Es ist der Stolz auf ihre Model-Familie, auf den Beifall, den das Publikum gibt, wenn sich all der Perfektionismus („Ich bin wie ein Uhrwerk“) gelohnt hat. Insofern ist Sabine Späth vor allem bodenständig und bescheiden bei all ihrem Erfolg.