Der Tomatenanbau in der Gärtnerei des Aspichhofs läuft sehr gut, wie Betriebsleiter Simon Glaser (links) und Geschäftsführer Ewald Glaser berichten. | Foto: Lienhard

Aspichhof in Ottersweier

„Sandwich-Position“ führt zu Konsequenzen

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Auf dem Aspichhof oberhalb von Ottersweier scheint das Getöse der Welt weit weg zu sein. Doch das scheint nur so: Die Welt ist ganz nah, der Traditionsbetrieb spürt in manchen Bereichen die Mechanismen des globalen Markts immer stärker und zieht die ersten Konsequenzen – der Obstbau wird zurückgefahren.

Ewald Glaser, der Geschäftsführer der als gemeinnützige GmbH organisierten Einrichtung, überrascht bei der jährlichen Pressekonferenz mit dieser Information. Ein genauerer Blick lehrt, dass dieser Schritt so überraschend gar nicht ist. Der Agrarbereich, sagt Glaser auch aus seiner Erfahrung als Vorstandsvorsitzender der Karlsruher ZG Raiffeisen, sei in einem fundamentalen Umbruch, auch deshalb, weil sich die gesellschaftliche Haltung zur Agrarproduktion ändere. Vor allen aber erkennt er eine „Sandwich-Position“: auf der einen Seite übe der Handel nach wie vor einen hohen Preisdruck auf die Erzeuger aus, auf der anderen Seite sei der Kostendruck konstant hoch. „Betriebsstoffe wurden teurer, und auch die Verwaltungskosten steigen, während die Erlöse stagnieren“, ergänzt Betriebsleiter Simon Glaser.

Klage über Standortnachteil

Die Sonderkulturen Obst- und Weinbau seien bislang eine „Perle in Baden“ gewesen, aber auch hier gebe es einen Knick in der Entwicklung: „Wir bekommen die Preise nicht hoch, weil zum Beispiel Spanien gut und günstig produziert“, sagt Ewald Glaser, der aber auch einen massiven Standortnachteil beklagt: „Wir kämpfen mit dem Mindestlohn.“ Der liege inklusive Lohnnebenkosten bei mittlerweile elf Euro: „Da wird die Luft dünn, denn umlegen auf die Preise können wir das nicht. Wir stehen im Wettbewerb mit Ländern, in denen drei Euro gezahlt werden.“ Welche Folgen das habe, zeige sich auch darin, dass laut Glaser im Einzugsbereich des Obstgroßmarkts Mittelbaden 40 Prozent weniger Erdbeerpflanzen bestellt worden seien. Der Mindestlohn als solcher sei nicht infrage zu stellen, sagte Glaser, es müsse aber eine Harmonisierung angegangen werden.

Zwetschgenbäume gerodet

Zehn Hektar umfasste der Obstbau auf dem Aspichhof bislang; ein Hektar Zwetschgenbäume wurde bereits gerodet, ein halbes Hektar Apfelbäume soll folgen. „Wenn wir Apfelsaft nicht direkt vermarkten könnten, sähe es noch düsterer aus“, sagt Simon Glaser und fügt an: Die Anlagen wären aus Altersgründen zu erneuern gewesen; darauf habe man verzichtet.
Beim Wein wiederum nehme der Absatz nach wie vor zu; das gelte für die 15 Prozent der insgesamt 14 Hektar Rebfläche, die man selbst vermarkte; der Direktabsatz belaufe sich auf 95 Prozent, sagt Simon Glaser. Der Preisdruck sei auch hier spürbar, berichtet Ewald Glaser. „Der Durchschnittspreis für eine 0,75-Liter-Flasche liegt in Deutschland bei drei Euro. Wir sind im Segment sechs Euro gut aufgestellt. Darüber wird die Luft dünn.“

Minderertrag beim Mais

Ein weiterer Schwerpunkt auf dem Hof ist der Ackerbau. Der Witterungsverlauf sei insgesamt in Ordnung gewesen, auch wenn ein gewisser Wassermangel geherrscht habe. Das könne beim Mais je nach Standort zu einem Minderertrag von bis zu 20 Prozent führen (im vergangenen Jahr waren es 40 Prozent). Grundsätzlich, so der Geschäftsführer, werde sich die die Landwirtschaft bei der Sortenwahl auf veränderte klimatische Bedingungen einstellen müssen, etwa Weizensorten mit trockenheitsresistenten Grannen anbauen, und auch bei der Bodenbearbeitung werde man sich umstellen müssen.

Tomaten sind gefragt

Als gute Entscheidung hat sich die Ausweitung der Gemüseproduktion in der Gärtnerei erwiesen: „Das läuft richtig gut“, berichtet Ewald Glaser. Gerade Tomaten seien sehr gefragt, und es würden hier regionale Sorten gezüchtet, auch alte wie die Ochsenherz-Tomate. Ein Renner blieben Joghurtprodukte, und die Milch im Tetrapak habe sich etabliert: „Da ist die Ökobilanz besser als bei den Flaschen, weil beispielsweise die Reinigung entfällt.“ Da der Aspichhof bald der letzte Milchviehbetrieb in Ottersweier sein wird, sei zu überlegen, ob die Vermarktung ausgebaut werden könne.

Das größte Projekt der vergangenen Monate war für die Aspichhof gGmbH die Verlagerung der Bäckerei ins Weinbrennergebäude der Hub (der ABB berichtete). Damit einher ging die Einrichtung des Cafés am Park: „Das ist super angelaufen“, sagt Geschäftsführer Ewald Glaser. „Wir haben große Resonanz auch von außerhalb. Es ist die Ruhe, die geschätzt wird.“ Das Cafè führt auch zur Aufstockung der Inklusionskräfte, die auf dem Aspichhof arbeiten. Aktuell sind es noch sieben. Das ambulante betreute Wohnen ist derzeit mit acht Personen belegt, zwei Plätze sind frei: „Das muss aber passen.“

Hoffest rund um den Mais

Das traditionelle Hoffest auf dem Aspichhof findet am Sonntag, 25. August, von 9.30 bis 18 Uhr statt. Das Schwerpunktthema lautet „Mais – eine Pflanze im Fokus der Öffentlichkeit“. Rund um den Mais gebe es viele Mythen und Vorurteile, sagt Aspichhof-Geschäftsführer Ewald Glaser. Hier wolle man Aufklärung betreiben, unter anderem mit einer Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftsamt Offenburg. Die landschaftsprägende Pflanze komme mit den sich verändernden Temperaturen gut zurecht, erläutert Betriebsleiter Simon Glaser. Der Mais sei eine C4-Pflanze: Er könne CO2 nachts einspeichern und an heißen Tagen gewissermaßen die Arbeit einstellen. Ein Hektar Mais erzeugt nach Angaben des Rheinischen Landwirtschafts-Verbands den Jahresbedarf an Sauerstoff für 50 bis 60 Menschen.

Gottesdienst macht den Auftakt

Das Fest beginnt wieder mit einem Gottesdienst um 9.30 Uhr, den Pater Jürgen Würtenberger aus Waghäusel feiert. Danach gibt es zahlreiche Angebote für die Besucher, mit Führungen durch die Ställe, die Molkerei, auch ein Imker ist vor Ort. Vorgeführt wird die Eierbrüterei (der Aspichhof setzt auf die Hühnerrasse Sundheimer). Informationen gibt es zum Großversuch Phytomedizin im Weinbau – Glaser möchte vom Begriff Pflanzenschutzmittel wegkommen. Der Großversuch setzt auf biologische Mittel. Vor Ort wird auch die Berufsgenossenschaft sein; sie informiert aus gegebenem Anlass über Sonnenschutz: „Das Thema Hautkrebs nimmt in der Landwirtschaft zu“, sagt Ewald Glaser. Für Kinder wird eine Strohburg aufgebaut, und auch ein Quiz wird vorbereitet.

Feierabendhock mit „Schießpulver“

Bereits am Freitag, 23. August, beginnt um 18 Uhr ein Feierabendhock. Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr sei diese Ouvertüre zum Hoffest wieder ins Programm genommen worden, wie Ewald Glaser sagt. Ab 19 Uhr spielt die Kapelle „Schießpulver“ auf, die sich aus Blasmusikern aus der Region zusammensetzt. Neben ehrenamtlichen Helfern sind auch die Mitarbeiter mit Handicap beim Hoffest im Einsatz, „je nach Fähigkeit und Neigung“, so Ewald Glaser. Für sie sei dieser Sonntag ein ganz wichtiger Termin im Jahr: „Das ist ein Stück weit auch ihr Fest.“