Elf Hektar groß ist das Gelände der ehemaligen Acherner Glashütte in bester Innenstadtlage. | Foto: ug

Elf Hektar Brache in Achern

Sanierung der Altlasten auf Glashütten-Gelände mit Hochdruck

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Die Sanierung der vier Altlastenstandorte auf dem Areal der ehemaligen Acherner Glashütte läuft mit Hochdruck. Die Karl-Immobiliengruppe als Eigentümer des elf Hektar großen Geländes am Acherner Stadteingang geht davon aus, dass die Arbeiten in einem Jahr abgeschlossen sein werden. Auch auf einer anderen „Baustelle“ bei der Umnutzung von Acherns größter Brache ist inzwischen Bewegung: Am Montag wird sich der Bauausschuss des Acherner Gemeinderats mit dem Bebauungsplan „Neues Wohnen an der Acher“ befassen, der den Rahmen für die weitere Nutzung des bis 2013 zur Glasproduktion benutzten Areals absteckt. Zwischen Fautenbacher Straße und neuer B 3 ist bekanntlich eine Mischnutzung aus Wohnen und Gewerbe vorgesehen, auch für eine immer wieder diskutierte Stadthalle soll ein Grundstück frei bleiben.

Arbeiten mit hohem Druck

Mit welchem Nachdruck die Karl-Immobiliengruppe nach dem Abbruch der einstigen Glashütte mit ihren weitläufigen Hallentrakten nun die Bodensanierung betreibt, zeigt sich aus der Luft. An einer besonders belasteten Stelle wurde der vor allem mit Mineralölen und anderen Kohlenwasserstoffen kontaminierte Boden so weit abgetragen, dass sich durch das zutage tretende Grundwasser ein kleiner See gebildet hat. Dort wird bei der weiteren Sanierung auch die Belastung des Grundwassers durch eine inzwischen bekannte Technik abgebaut – Bodenbakterien werden aktiviert, um die Schadstoffe quasi „aufzufressen“.

Verfahren in Achern bekannt

Die Technik ist in Achern hinlänglich erprobt. Sie wurde bereits bei der Sanierung der von einer Reinigung in der Kronengasse hinterlassenen Schadstofffahne angewandt. Auf dem Glashütten-Areal allerdings soll das nicht so lange dauern wie einst in der Kronengasse: In einem Jahr, so hofft Projektleiter Stefan Gigl, soll die Angelegenheit erledigt sein. Dass es so schnell geht, hat technische Gründe, wie Fabian Bobbink von der mit der Umsetzung der Pläne beauftragten Re2area GmbH sagt: Während dass in der Kronengasse lagernde 1,1,1-Trichlorethan zunächst in ebenfalls giftige Abbauprodukte zerfiel, verwandelt die Bakterien die Mineralöle und Polycyclischen Aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) auf dem Glashütten-Areal direkt in unschädliche Substanzen. Die vier belasteten Stellen – eine gilt bereits als saniert – werden anschließend wieder mit unbelastetem Boden aufgefüllt.

Kosten in Millionenhöhe

Die Anstrengungen bis zu diesem Ziel sind erheblich: Die Kosten lägen in mehrfacher Millionenhöhe, sagt Gigl, der freilich keine Details dazu nennen will. Zudem müssen erhebliche Mengen Erde bewegt und teilweise endgelagert werden: Mehr als 25 000 Kubikmeter Boden gelten als mehr oder minder belastet. Die Arbeiten finden in enger Abstimmung mit dem Landratsamt statt, das bereits im März 2015 nach einer Erkundung der Schadstoffe entsprechende Weichen gestellt hatte.

Grundwasser wird saniert

Als schwierigste Altlast auf dem Gelände gilt der intern als „UB1“ bezeichnete Bereich, bei dem neben der Boden- auch die Grundwassersanierung ansteht. Hier stand einst der Schweröltank der Glashütte, eine weitere Altlast im Bereich der ehemaligen Glaswannen („UB4“) schließt sich unmittelbar an. Hier zeigt sich derzeit der „See“, der freilich keiner ist und der nach Abschluss der Sanierungsarbeiten wieder mit sauberem Bodenaushub verfüllt werden soll.

Bebauungsplan entsteht gerade

Wenn die Arbeiten daran in einem Jahr abgeschlossen sein werden dann, so hofft Projektleiter Gigl, könnte auch der rechtliche Rahmen mit dem Bebauungsplan „Neues Wohnen an der Acher“ weitgehend geschaffen sein. Am Montag werden in der Ausschusssitzung die Details vorgestellt.

 

Die Altlastenstandorte
Untersuchungsbereich (UB)1: Ehemaliger Schweröltank, betroffen sind Boden und Grundwasser, Das Schadstoffinventar besteht aus Mineralölkohlenwasserstoffen (MKW), Polycyclischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), Aromatischen Kohlenwasserstoffen (AKW) und Phenolen. 13 000 Kubikmeter Bodenaushub.
UB2: Tankstelle, betroffen waren der Boden und geringfügig das Grundwasser, Schadstoffinventar MKW, PAK, bereits saniert.
UB3: Champagnerglashalle, Schadstoffinventar MKW, PAK, Benzo(a)pyren, Sanierung durch Aushub von etwa 10000 Kubikmeter Boden.
UB4: Glaswannen, betroffen ist der Boden, MKW, PAK, AKW, Aushub von 2 700 Kubikmeter Boden.