Blick in das Hallenbad Honau. Dessen Anlagen und Gewerke sind nach 45 Jahren dringend sanierungsbedürftig. | Foto: kec

Debatte um Hallenbad Honau

Sanierung kostet insgesamt mehr als 1,7 Millionen Euro

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Wird das Hallenbad Honau saniert? Erneut hat der Rheinauer Gemeinderat die komplexe Entscheidung mit fünf Gegenstimmen vertagt. Der Grund: Es ist noch offen, ob der Bund die Maßnahme über das Programm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ mit etwa 620.400 Euro fördert. Dies wird sich nach Angaben von Rheinaus Kämmerer Uwe Beck voraussichtlich erst im März oder April 2019 herauskristallisieren. Auf dem Tisch liegen jedoch die Sanierungskosten: knapp 1,77 Millionen Euro ermittelte ein auf Bäderbetrieb spezialisiertes Ingenieurbüro aus Baden-Baden.

Mit eingerechnet sind auch weitere Einrichtungen in dem Gebäudekomplex, wie Duschen und die Heizungsanlage für die Mehrzweckhalle und den Kindergarten sowie Dachgewerke. Den größten Posten nimmt die Sanierung der Schwimmbadtechnik sowie der Lüftung mit 745.138 Euro ein. Die 45 Jahre alte Anlage sei nicht mehr auf dem Stand der heutigen Technik. „Sie funktioniert noch, allerdings nur unter erheblichem Mehraufwand und durch das Engagement des Fördervereins für das Hallenbad Honau“, erläutert Timo Sykownik aus dem Ingenieurbüro. Ferner wurden Rostschäden an Leitungen festgestellt. Die Lüftungsanlage sei zu klein dimensioniert. Sie müsste künftig auf das Dach, das aus statischen Gründen dann auch eine Ertüchtigung benötigt. „Bei der Wasserqualität gibt es derzeit keine Bedenken“, so Sykownik. Dennoch sei es jederzeit möglich, wie bei einem alten Gebrauchtwagen, dass zum Beispiel die Filteranlage nicht mehr funktioniert. „Dann ist eine Sanierung oder Schließung des Bads unumgänglich.“ Ferner bemängelt der Experte, dass die Heizungsanlage ohne Wärmerückgewinnung arbeitet, zudem sei der Brandschutz in dem Gebäude weitestgehend nicht vorhanden.

Bad erhält Edelstahlbecken

Für ein Edelstahlbecken sowie der Erneuerung der Schwimmhalle fallen etwa 532.670 Euro an. Ein mögliches Blockheizkraftwerk würde mit 192.000 Euro zu Buche schlagen. Die Verwaltung ermittelte für das Honauer Hallenbad an sich Herstellungskosten von knapp 1,38 Millionen Euro. 2009 ist sie lediglich von 230.000 Euro ausgegangen. Unklar ist noch, ob ein Blockheizkraftwerk realisiert wird, da noch keine Wirtschaftlichkeitsrechnung für diese Anlage vorliegt.

Steigender Zuschussbedarf

Der Zuschussbedarf für den Badebetrieb liegt 2018 nach Angaben des Kämmerers bei 102.600 Euro. Nach der Sanierung prognostiziert die Verwaltung einen jährlichen Zuschuss von etwa 147.300 Euro ohne Zinsen, dies ist ein Anstieg um 44.700 Euro. Sollte das Bad über Fremdkapital betrieben werden, steigt der Zuschuss mit Zinsen um 57.900 Euro. Der Grund: Die Verwaltung greift auf die Erfahrung der Erneuerung des Freistetter Bades zurück. Demnach laufen die Anlagen mehr. Bis zu 30 Prozent mehr Strombedarf werden deshalb einkalkuliert, ferner höhere Abschreibungen und steigende Versicherungsbeträge. Bei den Personalkosten geht die Verwaltung davon aus, dass es bei der Betriebsvereinbarung mit dem Bürgerforum Hallenbad bleibt. Dessen Mitglieder bringen sich jährlich mit durchschnittlich 1818 Arbeitsstunden ein. Ein weiteres Plus: Im Honauer Bad gibt es 2.690 Stunden im Jahr Angebote wie Kurse bei bis zu 10.000 Besuchern. Das Bäder-Fachpersonal aus Freistett unterstützt den Förderverein beim technischen Betrieb der Badanlage. Würde der Verein seinen Betrieb einstellen, wäre mehr als eine Vollzeitstelle notwendig, zusätzliche Kosten: 55.000 Euro.

Bürgermeister fordert Kompromissbereitschaft

Nach Darstellung der Verwaltung ist völlig offen, was mit dem Bad geschieht, wenn der Gemeinderat doch gegen eine Sanierung stimmt. Klar ist, so Bauamtsleiter Roland Mündel, dass für die Mehrzweckhalle und Kindergarten dennoch eine Sanierung der Lüftung, Duschen und Heizungsanlage notwendig wäre. Einstimmig beschloss der Gemeinderat ebenfalls, dass der Ortschaftsrat Honau über die Badsanierung berät. Bürgermeister Welsche positionierte sich klar für eine Sanierung des Hallenbads, er erwartet dabei aus der Bevölkerung indes ein Entgegenkommen bei anderen Entscheidungen, wie zum Beispiel bei Kieswerkserweiterungen.

Stimmen zu den Kosten

Die Sanierungsfrage des Honauer Bads ist in Rheinau sowie im dortigen Gemeinderat angesichts hoher Kosten nicht unumstritten. Marianne Felder, Vorsitzende des Fördervereins Bürgerforum Hallenbad Honau, betont zu Beginn der Sitzung in der Bürgerfragerunde, dass der Förderverein vieles richtig gemacht habe. Der Zuspruch, auch aus dem Umland, sei groß. „Die Bezuschussung des Badebetriebs nach der Sanierung würde die Stadt pro Person 1,23 Euro im Monat kosten“, rechnet sie vor. „Das Hallenbad ist immer ein Zuschussbetrieb.“ Das Engagement des Bürgerforum sei nicht mehr wegzudenken und eine Vorbildfunktion für folgende Generationen. Seit zweieinhalb Wochen hat es 1.219 Unterschriften für den Erhalt des Honauer Bads gesammelt, davon 804 Unterzeichner aus Rheinau. „Wir hoffen auf eine positive Entscheidung, das Bad darf nicht untergehen“, so Felder.

Klares Bekenntnis gefordert

„Eine Badruine kann nicht der Wunsch des Gemeinderats sein“, meint Stadträtin Annette Frisch-Acar (CDU/FWG) aus Honau. Die Kosten seien nun bekannt, „im Haushalt 2018 wurde bereits vorsorglich eine Million Euro eingestellt“. Es gehe nicht darum, Besitzstand zu wahren, sondern eine beliebte Einrichtung zu erhalten. „Auch Angebote der Ortschaften am Rande Rheinaus sind wichtig“, meint Fritsch-Acar. Sonst drohe die Gefahr, dass Honau nur noch für Kiesabbau und eine Schlafstätte stünde. „Wir wünschen uns ein klares Bekenntnis für das Hallenbad Honau.“
Dass in Honau spezielle Schwimmkurse für Kleinkinder angeboten werden, ist für Stefan Seifried (IG Handel), ein Argument für den Erhalt des Honauer Bads. Diese Kurse seien im Freistetter Bad in dieser Form nicht möglich. Anderer Meinung als seine Fraktionskollege ist Achim Feurer (IG Handel): „Wir haben noch viel vor der Brust und müssen viel investieren in Schulen und die neue Rheinauer Mitte.“

„Einnahmenseite verstärken“

Klemens Zimmer (SPD) beantragt, die Entscheidung zu vertagen, bis klar ist, ob die Bundesregierung die Sanierung fördert. „Wir haben auch noch andere Projekte in Rheinau, die das Anlagevermögen erhöhen“, gibt der SPD-Fraktionssprecher zu bedenken.
Sein Fraktionskollege Horst Siehl fordert, dass die Einnahmenseite in Rheinau verstärkt werden müsse, „auch im Hinblick darauf, dass in der nächsten Zeit zwei Kieswerke geschlossen werden“ und die Kiespacht dann geringer ausfalle. „Große Brocken“ gebe es bei Bildung und Erziehung. „Folgt die Finanzierung des Bads durch eine Steuererhöhung? Dann müssten alle Bürger das Defizit tragen“, unterstreicht Siehl.
CDU/FWG-Sprecher Christian Dusch erklärt, dass die Mehrheit seiner Fraktion abwarten will, bis die Entscheidung zur Förderung vorliegt.

Bürgermeister lobt Förderverein

Robert Reifschneider (CDU) bedauert die Grundsatzdiskussion. Das Geld für eine Badsanierung sei vorhanden. Unabhängig von Fördergeldern wolle er sich für das Honauer Bad persönlich stark machen. „Freistett ist ein einfaches Bad für Erwachsene, Honau bietet spezielle Kurse.“ Er sei stolz, dass sich der Förderverein so für das Honauer Bad engagiere.
Bürgermeister Michael Welsche lobt, dass der Förderverein sein Wort gehalten habe mit seinem Engagement. „Die Nutzung ist nachhaltig gestiegen, das Hallenbad funktioniert gut“, so das Stadtoberhaupt. Er sei für den Erhalt des Hallenbads, da die Stadt eine Vorbildfunktion für den Erhalt der Infrastruktur habe. Er erwarte jedoch Kompromissbereitschaft. Es sei wichtig, Einnahmen der Stadt zu sichern. „Bürger müssen bereit sein, woanders zu verzichten.“