Bürgermeister Wahl Sasbach
Gratulanten aus dem Umland: Ulrich Bell (Bürgermeister-Stellvertreter Ottenhöfen), Christian Zorn (Ortsvorsteher Sasbachried), Oliver Rastetter (Bürgermeister Lauf), Rudi Retsch (Ortsvorsteher Obersasbach), Gregor und Tanja Bühler, Dietmar Stiefel (Bürgermeister Achern), Sonja Schuchter (Bürgermeisterin Sasbachwalden), Linus Maier (Bürgermeister-Stellvertreter Ottersweier), Reinhard Schmälzle (Bürgermeister Seebach) und Bernd Siefermann (Bürgermeister Renchen). | Foto: Roland Spether

Abgewählte Bürgermeister

Sasbach ist die Nummer 13 im Ortenaukreis

Anzeige

Der Ausgang der Bürgermeisterwahl in Sasbach am Sonntag war für viele unerwartet – auch für das Sasbacher Rathaus: Wie es dort in Zukunft weitergeht, war am Tag nach der Wahl noch nicht klar. Offizielles Ende der Amtszeit von Bürgermeister Wolfgang Reinholz ist am 25. November, über den Übergang und den Amtsantritt von Wahlsieger Gregor Bühler ist noch nichts bekannt, sagt Standesbeamtin Veronika Reck: „Niemand hat mit einem so eindeutigen Ergebnis gerechnet.“

Die Tedenz zur „Nichtwiederwahl“ ist steigend

Dass ein Bürgermeister nicht wiedergewählt wird, kommt ausgesprochen selten vor: Seit dem Jahr 1975 – so weit reichen die Zahlen des Landratsamts des Ortenaukreises zurück – ist Wolfgang Reinholz der 13. Bürgermeister im Kreis, der nicht wieder in sein Amt gewählt wurde. Davon fiel die Entscheidung in fünf Fällen im ersten Wahlgang, sagt Helmut Lasch, Leiter des Kommunalamts im Landratsamt.  In Baden-Württemberg wurde dem Statistischen Landesamt zufolge von 2010 bis 2015 in 4,9 Prozent aller Wahlen der Bürgermeister nicht wiedergewählt. Die Tendenz sei dabei steigend, aber sehr langsam, sagt Paul Witt, Rektor der Kehler Hochschule für öffentliche Verwaltung. „In der Regel sitzen die Amtsinhaber fest im Sattel, vor allem in kleineren Gemeinden.“ Ab 20 000 Einwohnern aufwärts gebe es zudem häufiger mehr Mitbewerber.

Identifikation und Projektion im Einklang

Über die Abwahl von Bürgermeistern gibt es eine Studie, der Politikwissenschaftler Timm Kern hat dafür Wahlen in Baden-Württemberg untersucht und mögliche Gründe zusammengetragen. „Er hat festgestellt, dass ein Bürgermeister im Prinzip zwei Dinge in Einklang bringen muss: Identifikation und Projektion“, sagt Paul Witt. Zum einen müsse ein Bürgermeister „einer von uns“ sein, er müsse Harmonie ausstrahlen und identifikationsstiftend auftreten.

Die Zahlen in Sasbach sind deutlich

Zum anderen müsse er ein Anführer sein, der Autorität ausstrahlt, „und die Bevölkerung muss den Eindruck haben, wenn der das regelt, regelt sich alles“. Beide Punkte, Identifikation und Projektion, müssten beruflich wie privat erfüllt sein. „Wenn ein Bürgermeister gegen eines von beidem verstößt, läuft er Gefahr, nicht wiedergewählt zu werden“, erklärt Paul Witt. Die Zahlen in Sasbach seien deutlich – meist falle das Ergebnis so aber erst im zweiten Wahlgang aus.

Großer Amtsbonus für Bürgermeister

Ob man als Neuling gegen einen amtierenden Bürgermeister antreten will, müsse man sich gut überlegen, sagt Witt. „Der Amtsbonus ist natürlich riesig. Gegen einen Amtsinhaber, der fest im Sattel sitzt, anzutreten, davon würde ich jedem abraten.“ Andererseits müsse ein Bewerber dann mit oft mit wesentlich weniger Mitbewerbern rechnen als bei Konstellationen, bei denen der Amtsinhaber nicht auf dem Wahlzettel steht.

Wahlbeteiligung im „Normalbereich“

Die Wahlbeteiligung in Sasbach mit anderen Gemeinden zu vergleichen fällt schwer, weil sie von vielen Faktoren abhängt: von der Größe der Gemeinde bis zur Bewerberzahl. „Die letzte Abwahl in der Ortenau war 2013 in Neuried“, sagt Helmut Lasch. Die Beteiligung lag bei 55 Prozent, die 59,8 Prozent aus Sasbach seien also „im Normalbereich“.