Das Bild zeigt die Behandlung eines Schlaganfallpatienten im Ortenau Klinikum Lahr. | Foto: red

Eurodistrikt Straßburg-Ortenau

Schlaganfallversorgung: Kein Interesse an Kooperation

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Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute. Deshalb könnte besonders für betroffene Menschen aus der nördlichen Ortenau eine Erstversorgung im nahen Straßburger Universitätsklinikum lebensrettend sein. Dieser Ansicht sind die Schlaganfall Selbsthilfegruppe Ortenau um Petra Junker, sowie Professor Rémy Beaujeux von der Uniklinik Straßburg. Das Ortenau Klinikum sieht indes keinen grenzüberschreitenden Kooperationsbedarf bei der Schlaganfallversorgung und verweist auf eine 24-Stunden-Notfallversorgung am Standort Lahr.

Fünf Spezialisten an Straßburger Uniklinik

Seit diesem Juni arbeiten in der Straßburger Universitätsklinik fünf Experten. Ausgestattet sind sie mit mehreren Computer- und Kernspintomographen und eine rein radiologisch genutzte Angiographie-Anlage. Weitere Einrichtungen vor Ort sind rund um die Uhr einsatzbereit, weiß Junker. Die Straßburger Mediziner sind auf die mechanische Thrombektomie spezialisiert. Diese verbessere die Prognose für Schlaganfallpatienten. Bei dieser Methode werden Blutgerinnsel mit einem Schlauchsystem und einer Leistenakupunktur entfernt. In Lahr ist Professor Harald Brodoefel Spezialist dieser Behandlungsart.

Transportzeit würde sich verkürzen

„Wenn er nicht verfügbar ist, werden die Patienten nach Freiburg oder Karlsruhe transportiert“, erklärt Junker. Transportzeiten von bis zu 60 Minuten seien dann keine Seltenheit, nach Straßburg wären es nur bis zu 30 Minuten. Bei einem längeren Transport könnten gravierende Schäden an den Patienten auftreten.
Junkers Vorschlag: In einem ersten Schritt könnten Straßburger Mediziner die Notfallversorgung zu Nachtzeiten und am Wochenende für den Ortenaukreis übernehmen, wenn hierzulande die radiologischen Abteilungen nicht besetzt sind oder das Personal bereits andere Notfälle behandelt.

Straßburger Uniklinik bietet Kooperation an

Auch die Straßburger Uniklinik kann sich eine Kooperation vorstellen. So regt Rémy Beaujeux, Professor der dortigen neuroradiologischen Interventionseinheit in einem offenen Schreiben, das bnn.de vorliegt, eine grenzüberschreitende „Bündelung der Ressourcen“ an. In Zeiten der Abwesenheit der Interventionalisten der Ortenau Kliniken sei es möglich, Patienten ohne Zeitverlust in Straßburg zu behandeln und nach 24 bis 48 Stunden Stabilisierung den Patienten zur weiteren Behandlung in die Schlaganfallstationen nach Offenburg und Lahr zu verlegen. Beaujeux rechnet mit einer Steigerung der medizinischen Behandlungszahlen in Straßburg sowie in den Ortenau Kliniken und eine Steigerung des Erhalts der Selbstständigkeit der betroffenen Personen von bis zu 20 Prozent. Zudem strebt der französische Herzspezialist eine Ausbildungskooperation für junge deutsche Mediziner an.

Ortenau Klinikum sieht kein Kooperationsbedarf

Die deutschen Krankenkassen, schildert Petra Junker, seinen für das grenzüberschreitende Behandlungsmodell für Schlaganfallpatienten offen. Die Geschäftsführung des Ortenau Klinikums sieht auf Anfrage in der Schlaganfallversorgung keinen Kooperationsbedarf über den Rhein. Die „qualitativ hochwertige Versorgung der Schlaganfallpatienten im Ortenau Klinikum“ sei durch die Umsetzung des Schlaganfallkonzeptes Baden-Württemberg inklusive der Etablierung einer Thrombektomie „bestens gewährleistet“. „Das Ortenau Klinikum ist mittlerweile an 24 Stunden und sieben Tagen mit einem hervorragenden eigenen Leistungsangebot im Bereich der Thrombektomie-Versorgung am Standort Lahr sehr gut aufgestellt“, erklärt Kliniksprecher Christian Eggersglüß. Zu einem praktisch arbeitenden Zwei-Mann-Team werde derzeit ein dritter Neuro-Interventionalist aufgebaut. „Auch in Lahr steht ein Neuro-MR Scanner 24 Stunden bereit und wird rege genutzt“, so Eggersglüß weiter.

Ausfallkonzept mit Uni Freiburg „bewährt“

Das Ausfallkonzept mit der Uni Freiburg habe sich als „qualitativ hochwertig“ bewährt. Nach Darstellung der Geschäftsführung des Ortenau Klinikums lassen sich die von Beaujeux prognostizierten Steigerungen des Erhalts der Selbstständigkeit von Schlaganfallpatienten durch die vorgeschlagene Kooperation nicht ausreichend wissenschaftlich begründen.

Veranstaltungstipp:
Das Acute Stroke International Cooperation Synopsium (ASICS) diskutiert an diesem Freitag, 29. Juni, von 9 bis 17 Uhr in der Straßburger Uniklinik mit Medizinern und Vertretern der Behörden und Krankenkassen über Chancen einer deutsch-französischen Kooperation in der Schlaganfallversorgung.