In einem Meer aus Flaschen befindet sich "Obstbrand-Prüfer" und Verbandsgeschäftsführer Klaus Lindenmann. | Foto: Roland Spether

Edelbrände in Sasbachwalden

Gaumenfreude für 50 Prüfer

Von Roland Spether

„Eine Frau brennt die Früchte wohl etwas feinfühliger, experimentierfreudiger und mit etwas mehr Zeit als ein Mann“. Die Brennerin und Prüferin Ulrike Kohler aus der Obst- und Edelbrand-Hochburg Kappelrodeck wollte damit ganz gewiss nicht sagen, dass die edlen Brände einer Frau auch die besseren sind.

50 Prüfer testen Obstbrände

Vielleicht haben sie auch eine etwas andere, sanftere und lieblicher Noten in den Aromen und im Charakter. Dies hatten Ulrike Kohler und 50 Prüfer bei der Prämierung von Obstbränden des Verbandes Badischer Klein- und Obstbrenner allerdings nicht zu bewerten, die noch bis diesen Dienstag im Kurhaus „Alde Gott“ stattfindet und die weltweit größte Prämierung von Edelbränden ist.

Intensität des Aromas ein Kriterium

Mit Ulrike Kohler saßen Brennmeister Johannes Halter und Destillateurmeister Franz Pent mit am Tisch und testen eine Probe nach der anderen, diskutierten kritisch die vorgegebenen Kriterien von Reintönigkeit im Geruch über Charakter der Frucht bis zur Intensität des Aromas und kamen dann zu ihrer Einschätzung. „Das ist ein typischer Großer Preis mit maximaler Punktzahl“, meinte Franz Pent, nachdem er mit viel sensorischem Gefühl die Probe ausgiebig testete und dann zu seiner Einschätzung kam. Der eingereichte und jetzt am Tisch getestete Edelbrand war so eindeutig exzellent, dass auch Ulrike Kohler und Johannes Halter mit Formulierungen wie „klar fruchttypisch, vollaromatisch, sehr ausdrucksstark und sehr nachhaltig“ geradezu ins Schwärmen kamen.

Herkunft bleibt vorerst geheim

„Das war bestimmt eine Probe von mir“, scherzte Johannes Halter aus Oberkirch-Ödsbach im Renchtal, das mit 850 Brennereien allein im Bereich der Stadt Oberkirch ein wahrlich edler Ort für köstliche Brände ist. Doch woher die Probe kam, wissen die Prüfer nicht, sie halten lediglich Gläser mit Nummern in den Händen und alles andere müssen sie im Gaumen schmecken, fühlen, testen und dann mit hoffentlich schönen Worten wie „da ist eine richtig schöne, ehrliche und vollaromatische Frucht im Glas“ bewerten.

Hochkonzentrierte Arbeit bei Wasser und Brot

Drei Tage bei Wasser und Brot: Diese Zutaten waren zur Neutralisierung des Gaumens erforderlich, wollten die 50 fachkundigen und in Sensorik geschulte Prüfer der edlen Brände eine differenzierte, dem Produkt angemessene und gerechte Bewertung für die Auszeichnung mit Gold, Silber und Bronze zu Papier bringen. Für die Prüfer selbst bedeutete dies eine hoch konzentrierte Arbeit, um dem edlen Brand seine genussvollen Geheimnisse zu entlocken oder dann doch feststellen zu müssen, dass der Charakter der Probe dann doch eher als „stark stechend“ und „völlig untypisch“ oder gar „unbewertbar“ bewertet wurde. Doch die badischen Brenner sind Experten in der Veredelung des Obstes und im Destillieren einer Spezialität, die mit zum jahrhundertealten Kulturgut gehört.

„Herbe Verluste“ wegen Frostnächte

Dass die Edelbrände aus heimischem Obst nach wie vor bei den Kunden stark gefragt sind, bestätigten der zweite Vorsitzende Frank Küchlin und der Geschäftsführer Klaus Lindenmann, ebenso wie die erfreuliche Tatsache, dass junge Leute in die Betriebe einsteigen und mit trendigen Produkten wie Gin oder Whiskey in den Verkauf gehen. Die eisigen Frostnächte im April 2017 hätten dafür gesorgt, dass es bei vielen Landwirten etwa bei Kirschen und Äpfeln herbe Verluste bis zum Totalausfall gab, was sich dann auch in der geringeren Zahl an Edelbränden gegenüber 2016 zeigte. Aber es würde ja nicht von einem Jahr zum nächsten gebrannt, sondern über mehrere Jahre mit einem gewissen Vorrat (Lagerzeit), so dass ein Frostjahr mit Ernteausfall wie 2017 kompensiert werden kann. Ein zweites oder gar drittes Frostjahr dürfe es aber nicht geben, so Frank Küchlin, denn für die klassischen Edelbrände seien Basisprodukte wie Kirchen, Zwetschgen, Äpfel und Mirabellen erforderlich.

Prämierung
Das Kurhaus „Alde Gott“ ist noch bis Mittwoch, 28. März, Ort der weltweit größten Prämierung von Obstbränden, die der Verband Badischer Klein- und Obstbrenner seit 1949 und in diesem Jahr zum 36. Mal veranstaltet. Gleichzeitig findet hier auch die 17. Prämierung von Obstbränden des Verbandes Rheinischer und Saarländischer Klein- und Obstbrenner statt, so Geschäftsführer Klaus Lindenmann, der zum Auftakt der Prämierung von einem sehr guten Teilnehmerergebnis sprach. Denn es sind 3.168 Proben (2016: 3.473 Proben) von 338 Anstellern, davon 314 aus dem Land Baden. Unter den am meisten vertretenen Edelbränden wie Kirschwasser, Williams und Apfelbrände waren 381 Liköre und 150 Brände mit Fruchtauszug, so dass die 50 Prüfer über die drei Prämierungstage hinweg einiges zu tun haben. Insgesamt wurden 40 verschiedene Sorten von Obstbränden eingereicht. Der Bereich Kernobstbränden aus Äpfeln, Birnen und Quitten sortenrein oder als Gemisch stellt mit über 1.000 Bränden rund ein Drittel der Anstellungen. Die Preisverleihung ist am Sonntag 29. April, um 14 Uhr im Kurhaus in Sasbachwalden.

Hintergrund: Kulturgut Schnaps
Dass zwischen Sasbachwalden, Kappelrodeck und Oberkirch schon seit Menschengedenken Schnaps gebrannt und Obst in Flaschen gezaubert wird, ist mit Erlass des Fürstbischofs und Kardinals Armand Gaston von Rohan vom 26. Juni 1726 auch urkundlich verbrieft. So wurde den Bewohnern des Amtes Oberkirch und damit auch allen Orten drum herum die Erlaubnis zum „Brennen von Kirschen aus eigenem Gewächs“ sowohl für den Eigengebrauch als auch zum Verkauf erlaubt. Diese Einladung ließen sich die Bauern nicht zweimal sagen – und deshalb ist die Ortenau das Herz der Kleinbrenner, allein in Kappelrodeck gibt es 400 Brennrechte und im Bezirk Achern sind 900 Brenner zu Hause.