Laut Micha Mayer, Bereichsleiter Schwarzwald Nord bei der Bergwacht, sollen Teile der B500 heute wieder für den Verkehr geräumt werden. | Foto: Margull

Skifahrer sitzen in Hütte fest

Schneechaos im Nordschwarz­wald

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Nach den heftigen Schneefällen am Wochenende im Schwarzwald sind die größten Gefahren nun vorbei. Laut Micha Mayer, Bereichsleiter Schwarzwald Nord bei der Bergwacht, sollen Teile der B500 heute wieder für den Verkehr geräumt werden. Dennoch ist die Lage auch am Montag teilweise noch angespannt. 

„Die meisten Bäume sind inzwischen schneefrei“, berichtet Micha Mayer, „die Gefahr von Schneebruch ist also nicht mehr gegeben.“ Er rechnet zwar damit, dass es am Montagnachmittag und Abend nochmals schneit, dennoch beruhigt er: „Die Lage sollte sich jetzt wieder entspannen“.

Auf Skihütte eingeschneit

Am Samstag musste die Bergwacht im Nordschwarzwald zwei Verletzte versorgen: Im Bereich der Teufelsmühle wurde eine Person durch Schneebruch schwer verletzt, im Bereich Unterstmatt gab es einen Leichtverletzten. Kritisch war die Lage auch für zwölf Personen, die am Sonntag in der Skihütte Hornisgrinde eingeschneit wurden. Wie Mayer berichtet, hatte die Bergwacht eine Evakuierung vorbereitet, die aber nicht mehr nötig wurde: Die Gruppe marschierte selbstständig über den Ochstenstall-Lift zur Unterstmatt. Von dort aus konnten sie unversehrt die Heimfahrt antreten.

Die Straßenmeistereien Bühl und Achern sind pausenlos im Einsatz, um die umgestürzten Bäume und herabgefallene Äste zu beseitigen. An der B500 zwischen Hundseck und Unterstmatt hat sich durch die Schneeschmelze eine 30 Meter lange Böschung gelöst, teilweise wurde die Fahrbahndecke unterspült.

An der B500 zwischen Hundseck und Unterstmatt hat sich durch die Schneeschmelze eine 30 Meter lange Böschung gelöst, teilweise wurde die Fahrbahndecke unterspült. | Foto: MArgull

Nur zwei Skilifte geöffnet

Von den Skiliften im Nordschwarzwald sind aktuell nur der Skilift Ruhestein (Öffnungszeit 13 bis 22 Uhr) und der Skilift Kaltenbronn (Öffnungszeit 14 bis 21.30 Uhr) geöffnet – darüber informiert der ADAC Nordbaden in seinem Wintersportbericht am Montag. Alle anderen Lifte im Nordschwarzwald seien geschlossen.

Gesperrte Straßen

„Die Aufräumarbeiten laufen auf Hochtouren“, meldet Kai Hockenjos, Sprecher des Landratsamt Ortenaukreis. Dennoch blieben aktuell alle gemeldeten Strecken noch bis auf Weiteres gesperrt. „Wir bitten weiterhin, die Sperrungen zu beachten und melden, sobald Straßen wieder für den Verkehr freigegeben werden“, heißt es vom Landratsamt.

Auf Facebook berichtet die Bergwacht von drei Skiunfällen bei Furtwangen:

Hotelgäste fahren durch den Schnee nach Hause

Das Berghotel Mummelsee ist wegen der Wetterlage seit Sonntag geschlossen. Am Dienstag soll das Haus wieder für Gäste geöffnet werden. Die Gäste des Hotels reisten am Sonntagvormittag ab – obwohl die Straße gesperrt war. „Eigentlich hätten wir nicht losfahren dürfen, aber niemand konnte uns sagen, wie lang es dauern würde, bis die Straße wieder freigegeben wird“, berichtet einer der Gäste von der abenteuerlichen Heimfahrt aus dem Schwarzwald. Etwa 30 Gäste sollen am Sonntag noch im Hotel gewesen sein, die sich dann im Laufe des Vormittags nach und nach auf den Weg nach Hause machten. „Wir haben gefrühstückt, danach haben wir die Autos freigeschaufelt. Ein Sattelschlepper hat den ersten Bereich geräumt, dass wir losfahren konnten“, erzählt der Gast. Vor der Abfahrt mussten alle eine Einverständniserklärung gegenüber der Hotelbetreiber unterschreiben, berichtet er.

Abenteuerliche Fahrt auf der B500

Die Fahrt über die B500 sei dann abenteuerlich gewesen: Immer wieder mussten die Fahrer auf der völlig verschneiten Straße mit ihren Autos umgestürzten Bäumen ausweichen – „wir waren mit fünf oder zehn Stundenkilometern unterwegs“. „Von der Polizei haben wir niemanden gesehen“, berichtet der Gast. „Es war wunderschön, den Schnee so zu sehen, es war abenteuerlich, aber es war schon extrem. Ich habe erst einmal genug Schnee gesehen“, sagt der Gast im Gespräch mit den BNN. Dennoch ließ sich wohl nicht jeder Besucher im Schwarzwald vom Wetter von seinem Wintersport abhalten: „Wir haben viele Leute gesehen, die zum Schlittenfahren den Berg hochfuhren. Das habe ich nicht ganz verstanden, ehrlich gesagt“, meint der Augenzeuge.

Kam die Straßensperrung zu spät?

Eine Leserin hat sich per Mail an die Badischen Neuesten Nachrichten gewandt: „Wir haben auf einem der Parkplätze bei Hundseck geparkt und wollten einen kleinen Winterspaziergang machen, da es bei uns in Karlsruhe keinen Schnee hat“, schreibt sie zu dem Bild. „Auf einer großen freien Fläche, auf der lediglich ein Haus stand, gab es ein krachendes lautes Geräusch: ein Baum ist auf das Haus gestürzt. Als wir dann zurück kamen, sahen wir die Katastrophe. Eine Baumspitze ist in unser Auto gekracht.“ Mit Hilfe eines Mannes hätte sie dann den Baum aus dem Auto gezogen und seien dann schnell weggefahren, schreibt sie. Bei dem Haus hätte es sich um das Gebäude neben dem Soldatenheim bei Hundseck gehandelt (die BNN berichteten).

Dieses Foto von einem Parkplatz bei Hundseck hat eine Leserin an die BNN geschickt. | Foto: privat

Laut Angaben der Leserin ist ihr Auto noch nicht einmal ein Jahr alt. „Wir sind dort hoch gefahren, da gesagt wurde, dass die Straße bis Unterstmatt sicher sei“, schreibt sie, und klagt: „Die Straße hätte viel früher geschlossen werden müssen beziehungsweise gar nicht erst geöffnet werden dürfen. Auf dem Parkplatz sind viele Menschen und vor allem auch Kinder gelaufen. Das hätte auch ganz schnell noch schlimmer ausgehen können. Wer auch immer für diese Organisation der Straßensperre zuständig ist, hat hier einiges verbockt. So etwas darf nicht nochmal passieren.“

Kommen mit dem Tauwetter jetzt Überschwemmungen?

Starke Schneefälle hatten dem Wintersportwochenende am Samstag ein schnelles Ende bereitet. Mehrere Straßen im Landkreis mussten gesperrt werden. Und die nächste Wetterbedrohung zieht bereits auf: Regen und Tauwetter könnten für Überschwemmungen sorgen. 

Mehr Infos rund um das Wetter im Nordschwarzwald gibt es am Dienstag im E-Paper und in der gedruckten Ausgabe der Badischen Neuesten Nachrichten.