Fühlen sich im Regen stehen gelassen: Die erste Fridays For Future-Kundgebung in Achern hat mehr als 350 Schüler auf die Straße getrieben. | Foto: Daniela Busam

Fridays For Future in Achern

Schüler in Sorge um die Zukunft

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Die „Fridays For Future“-Bewegung hat auch in Achern Fuß gefasst. 350 junge Menschen, so die offizielle Schätzung der Polizei, aus Achern, Bühl, Oberkirch, Kappelrodeck und Sasbach demonstrierten auf dem Acherner Rathausplatz. Gut 1 200 weitere Jugendliche gingen in Offenburg, Kehl und Lahr auf die Straße.

Von Wolfgang Winter

Statt in ihrem gut geheizten Klassenzimmer zu sitzen, scheuten die Jugendlichen nicht vor dem Regenwetter zurück und machten sich zu Fuss, mit dem Fahrrad und dem Bus auf dem Weg nach Achern. Aufrüttelnde, aber auch witzig formulierte Plakate schwenkend, nahmen sie dabei auch den angedrohten Eintrag ins Klassenbuch in Kauf, um gemeinsam in Kampf gegen die Klimakatastrophe Flagge zu zeigen.


Fehlzeiten im Zeugnis

Maja Brunner von der Heimschule Lender eröffnete den Reigen der Rednerinnen. „Wie wir wissen, können Schule und Eltern bei diesem Thema gerne ein wenig Stress schieben“, so die Zwölfklässlerin. Eine Schülerin aus der Region hatte wegen ihre Streik-Teilnahme sogar nachsitzen müssen. Auch habe die Schüler-Union und die Junge Union Baden Württemberg gefordert, dass Fehlzeiten ins Zeugnis eingetragen werden sollen. „Das könnt ihr bei mir gerne machen. Das kommt bei den Stellen, für die ich mich bewerben möchte, sicher super an,“ erklärte Brunner selbstbewusst.

Verantwortung übernehmen

In der Forderung des Kultusministeriums, das Demonstrationsrecht in der unterrichtsfreien Zeit auszuüben, sieht Brunner einen Widerspruch und erklärte unter großem Beifall: „Uns wird doch seit Jahren vorgeworfen, dass wir zu unpolitisch sind und uns so wenig engagieren. Doch plötzlich machen wir etwas, und das scheint niemanden mehr zu passen.“ Weiter sagte sie: „Wir übernehmen Verantwortung für unseren Planeten. Wir nehmen unsere Rechte wahr. Wie sollen wir, die Generation deren Zukunft ihr verspielt, unsere demokratischen Rechte wahr nehmen, wenn wir noch nicht wählen dürfen. Wir werden deshalb nicht länger in der Schule hocken um uns auf eine Zukunft vorzubereiten, die wir womöglich gar nicht haben.“

Umweltorganisationen reichen nicht

Die Lenderschülerinnen Annika Huber und Gina Meier erklärten: „Wo ein Recht verweigert wird, und zwar das Recht auf eine lebenswerte Zukunft, wird Widerstand zur Pflicht.“ Täglich werde weltweit eine Fläche abgeholzt die so gross ist wie Deutschland, täglich, so wird geschätzt, gehen 70 Tier- und Pflanzenarten verloren. Organisationen wie Greenpeace können allein den Klimawandel niemals aufhalten, „ dafür brauchen sie jeden Einzelnen von uns“, wurde mit Nachdruck erklärt.

Politiker ignorieren Fakten

„Die Politiker müssen endlich damit aufhören neue Ausreden und Vorwände zu finden um nichts zu tun und die Fakten zu ignorieren“ betonte das Duo und zitierten Greta Thunberg mit dem Slogan „ Euch gehen die Ausrede aus und uns die Zeit.“ Mit dem Aufruf: Wir müssen etwas tun, wir sind vielleicht die letzte Generation die es schaffen können den Klimawandel in den Griff zu kriegen. In eine paar Jahren wird es schlicht weg zu spät sein. Wir dürfen nicht länger stillschweigend zusehen wie unsere Erde zerstört wird“, endeten die Lender Schülerinnen ihre begeistert beklatschte Rede.

Für Zukunft kämpfen

Die Acherner Realschülerin Anika Ferch erklärte, dass der in NRW angedrohte Schulverweis „keinen Schüler abhalten darf weiter auf eine Demo zu gehen“. „Das Klima bedroht unsere Zukunft, der Klimawandel ist eine Verletzung der Menschenrechte, die Regierung muss endlich etwas tun“ forderte Ferch. „Lasst uns den Politikern dort oben auf ihren hohen Ross zeigen was die Jugend von heute möchte und dass sie zu mehr fähig ist als sie denken, lasst uns Greta nachfolgen und für eine gute Zukunft kämpfen, die gerecht und sicher für jeden ist“, rief Ferch der Versammlung zu.

Rapper Melüh redet ins Gewissen

Der aus Stuttgart angereiste Rapper, Sänger und Produzent Max Melüh aus Önsbach, ein ehemaliger Lenderschüler, sorgte darüber hinaus mit seinen tollen musikalischen Beiträgen für Stimmung. Während er zum Einstieg eine glänzende Parodie auf Donald Trump zum Besten gab redete er seinen Mitschülern am Ende in Sachen Fleischkonsum ins Gewissen. Allein in Deutschland werden täglich zwei Millionen Tiere geschlachtet erklärte Melüh. Der Ausstoss von Treibhausgasen für die weltweite Tierzucht sei so gross, wie der komplette Treibstoffausstoss aller weltweit eingesetzten Transportmittel.

Generation muss „Powerplanet“ retten

„Das sind Fakten die man nicht ignorieren kann. Mit jeder Mahlzeit, mit jedem Einkauf und jeder Omi die wir damit vielleicht enttäuschen, haben wir Einfluss darauf wie sich unser Klima verändert und wie unsere Zukunft aussehen wird“, betonte der Rapper und erklärte zum Schluss: „Wir sind die Generation die es in der Hand hat, unsere Erde zu retten und die unseren Kindern erklären müssen warum es uns nicht gelungen ist, wenn wir jetzt nicht handeln, Deshalb lasst es uns jetzt angehen. Damit unser Powerplanet auch noch in 50 Jahren so wunderschön sein wird wie er noch heute ist.“ Nach den Ansprachen zog die Schülerdemo über die Ratskellerstraße und der Hauptstraße bis zum Klauskirchel um sich danach auf der Eisenbahnstrasse aufzulösen. Aus dem Kreis der Organisatorinnen wurde verlautet, dass die nächste Freitags-Demonstration wahrscheinlich in 14 Tagen in Achern stattfinden wird

Fridays-for-Future-Protest in Pforzheim

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