Training per Videokonferenz: Philipp Wolge, Coach der ersten Leistungsgruppe und seine Athleten in Aktion | Foto: pr

Von wegen Corona-Krise

Schwimmteam des TV Bühl trotzt dem Stillstand

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Das Schwimmteam TV Bühl trotzt mit Finesse und Engagement der Corona-Krise. Die Athleten halten sich in den heimischen vier Wänden fit, angeleitet von ihren Trainern per Videokonferenz. Es ist Einzelunterricht und doch ist die Gruppe zusammen.

Die ganze Sportwelt ist angesichts der Corona-Krise zum Stillstand gekommen. Die ganze Sportwelt? Nein! Das Schwimmteam TV Bühl trotzt dem Stillstand.

Chefcoach Christian Hensel und Trainer Philipp Wolge halten ihre Schwimmer weiter auf Trab. Dank digitaler Kommunikationsplattformen finden die Übungseinheiten nun eben zu Hause statt. Als Einzelunterricht und doch in der Gruppe.

Soziale Kontakte erhalten die Bindung an den Schwimmverein

Dabei geht es nicht nur um den Sport. Die jungen Schwimmer halten Kontakt zu Trainern, Verein und vor allem zu den anderen Teammitgliedern. Diese soziale Komponente ist laut Hensel und Wolge sehr wichtig, das erhalte die Bindung an den Verein. Mit dieser Form des Trainings habe das Schwimmteam im Reigen vergleichbarer Vereine durchaus ein Alleinstellungsmerkmal, so Hensel.

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Als wegen der Pandemie die Schulen dicht machten, schloss auch das Bühler Schwimmbad. Erst sei es ein Schock gewesen, berichtet Hensel, doch die Bühler waren ja nicht die einzigen Schwimmer, denen das Wasser abhanden gekommen war.

Wir haben sehr schnell die Athletik-Training, Koordinations- und Beweglichkeitsschulung extrem hochgefahren

Christian Hensel, Chefcoach Schwimmteam TV Bühl

Den Verantwortlichen wurde bald klar, was vordergründig ein Nachteil zu sein scheint, kann zum Vorteil genutzt werden. „Wir haben sehr schnell die Athletik-Training, Koordinations- und Beweglichkeitsschulung extrem hochgefahren“, so Hensel. Es handelt sich um Einheiten, die im normalen Trainingsablauf nicht an erster Stelle stehen, für die Schwimmer ebenso wichtig sind.

Der Weg zu digitalen Kommunikationsplattformen war nicht weit

Doch wie die Übungen an die Zöglinge bringen, wenn gemeinsames Sporteln verboten ist? Für zwei junge, kreative Trainer, die von Haus aus Pädagogen sind, war da der Weg zu geeigneten digitalen Kommunikationsplattformen nicht weit.

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Philipp Wolge, der die erste Leistungsgruppe betreut, nutzt dazu zum Beispiel „Padlet“, eine digitale Pinnwand. Dort veröffentlicht er für seine Mädels und Jungs im Alter von zwölf bis 17 Jahren Trainingspläne und lädt diverse Lehrvideos hoch.

Übungseinheiten vor dem Bildschirm

Die Einheiten in den Bereichen Koordination, Kondition, Technik und Beweglichkeit sind ein Komplex der regelmäßigen Übungsstunden vor dem Bildschirm von Mobiltelefon, Tablet oder PC. Je nach Alter dauern diese 15 bis 20 Minuten bei den Jüngsten (sechs/sieben Jahre) bis hin zu eineinhalb Stunden bei den Großen. Mindestens drei Mal sind die „Kleinen“ gefordert, bei den älteren kann die Trainingsintensität bei bis zu fünf Einheiten pro Woche liegen.

Das Mentaltraining ist ein weiterer Komplex. Es geht darum, Bewegungsabläufe zu visualisieren – also sie in der Vorstellung zu Leben zu erwecken. Skirennläufer praktizieren so etwas vor dem Start, wenn sie im Kopfkino den Verlauf der Strecke durchgehen.

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„Das wollte ich schon lange einmal probieren“, so Wolge, der dabei auch auf die Kompetenz eines Psychologen bauen kann, mit dem er befreundet ist. Momentan stehe er mit seinen Teammitgliedern noch am Anfang. „Das muss man trainieren.“ Zuerst sind die Übungen überschaubar, es gehe um die Visualisierung „einfacher Objekte wie Glas, Uhr oder Zimmer.“

Sukzessive wird der Anspruch dann höher, die Trainings komplexer, bis die Schwimmer irgendwann vor ihrem inneren Auge ein ganzes Rennen durchgehen können. Um irgendwann einmal zu dieser hohen Kunst des Mentaltrainings anzukommen, müssen die Schwimmer Drehbücher zu den Bewegungsabläufen erstellen.

Sequenzen werden mental abgerufen

Der Trainer schickt Bilder – zum Beispiel zum Kraul schwimmen – und die Informationen dazu. Die Schüler verdichten es zu einer kurzen Memo-Sequenz, die sich mental jederzeit abrufen lässt. Nicht zuletzt gibt es im Wochenplan noch so genannte Challenges (Herausforderungen).

Im Unterarmstütz: Chefcoach Christian Hensel trainiert mit seinen Schwimmern Kraft und Fitness. | Foto: pr

Der Trainer stellt eine Aufgabe – Jonglieren, Bücher auf dem Kopf balancieren und mehr, die Schwimmer haben eine Woche Zeit zum Üben und machen vom Ergebnis ein Video, das an den Coach geht. Langweilig dürfte es den Schwimmteam-Angehörigen damit nicht werden.

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Cheftrainer Hensel freut sich besonders, dass die ganze Abteilung mitzieht – Schwimmer wie Übungsleiter: Und wenn, wann auch immer, wieder Wettkämpfe anstünden und das digitale Training trage Früchte, „dann haben wir wirklich etwas erreicht.“ Hensel denkt zudem in die Zukunft: „Wenn in zehn Jahren ein Athlet sagt, beim TV Bühl habe ich mehr gelernt, als nur Schwimmen, dann geht es genau in die Richtung in die wir wollen.“