Trainer Rudi Schleif (rechts) ist eine der Triebfedern im Sinzheimer Jugendfußball. | Foto: Steuerer

Talentförderung

Sinzheimer Jugendfußball vor vielfältigen Herausforderungen

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Was bringt Männer und Frauen dazu, sich in der Jugendabteilung eines Sportclubs aktiv zu betätigen? Speziell im Fall des Fußball-Landesligisten SV Sinzheim kann Jochen Sammüller, Vorstand Jugend, eine klare Antwort auf diese Frage geben. „Es ist eine Herzensangelegenheit, für den Verein zu arbeiten, bei dem schon mein Vater und meine Brüder gespielt haben“, sagt der ehemalige Leistungsträger der ersten Sinzheimer Mannschaft.

Jugendleiter Andreas Kraft, der aus Nordbaden stammt, treiben nicht die Familienbande an. Er sieht das Engagement beim SVS „nach einem Stressjob als sinnvolle Aufgabe im Ruhestand“. Das Duo Sammüller/Kraft ist zusammen mit der den Mädchenbereich versorgenden Claudia Huber dafür verantwortlich, dass in der Stabsgemeinde Jugendfußball auf gehobenem Niveau praktiziert wird. Zusammen mit dem SV 08 Kuppenheim sind die Sinzheimer in der Nachwuchsförderung führend im Bezirk Baden-Baden.

Rund 400 Kinder und Jugendliche in 19 Mannschaften

Dahinter steckt Arbeit. Viel Arbeit sogar. Es gilt, rund 400 Kindern (gut 350 Jungen und mehr als 50 Mädchen), die in 19 Mannschaften den Verein von den Bambini bis zur A-Jugend repräsentieren, entsprechende Trainings- und Spielmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen. Das erfordert Manpower. Sammüller erklärt: „Wir haben 55 sogenannte Unterstützer im Einsatz. Trainer, Betreuer und Helfer, die sich beispielsweise um die Ausstattung oder das Passwesen kümmern.“

„Wir platzen aus allen Nähten“

Jugendleiter Kraft zur Seite stehen die Koordinatoren Klaus Keller, Rudi Schleif sowie Claudia Huber bei den Mädchen. Sie kümmern sich speziell um die Bereiche Grundlagen (G-, F-, E-Junioren), Aufbau (D-, C-Junioren) sowie Leistung (B-, A-Junioren). In der Spitze führen die Bemühungen dazu, dass der SV Sinzheim mit den B- und A-Junioren in der Verbandsliga und damit in der höchsten Jugendklasse des Südbadischen Fußball-Verbandes vertreten ist. Das Problem: Es fehlt an ausreichend Trainingsgelände. „Wir platzen aus allen Nähten“, sagt Kraft, der auf den beiden vorhandenen Rasenplätzen mit seinen Leuten nur ein Sechstel des Trainingsgesamtbedarfs abdecken kann. Die Konsequenz: Die Sinzheimer weichen nach Varnhalt, Leiberstung und Kartung aus. Abgesehen vom logistischen und finanziellen Mehraufwand sieht Sammüller den entscheidenden Nachteil auf der psychologischen Ebene: „Das Vereinsherz schlägt nur auf der SVS-Anlage.“

Neue Kunstrasenplätze sollen Entlastung bringen

Abhilfe schaffen sollen laut den SVS-Funktionären wetterunabhängige Kunstrasenplätze. „Das ist eine der existenziellsten Fragen, um die Jugendarbeit hier fortzusetzen“, sagt Sammüller, der freilich Licht am Ende des Tunnels siegt. „Wir befinden uns mit der Gemeinde in sehr guten Gesprächen, hoffen, dass 2020 die entsprechenden Entscheidungen fallen und 2021 beziehungsweise 2022 der Bau der neuen Kunstrasenplätze startet.“

Keine heile Welt

Bei allem Engagement und Spaß, das die Beschäftigung mit Jugendlichen mit sich bringt, ist man beim SV Sinzheim weit davon entfernt, von „heiler Welt“ zu reden. „Die Herausforderungen sind riesengroß, wenn man eine solch aufwendige Jugendarbeit betreibt“, sagt Sammüller. „Das beginnt mit der Digitalisierung, geht über die Integrationsfrage bis hin zur Erwartungshaltung von manchen Eltern.“ Um die vielfältigen Aufgaben zu meistern, setzt der SV Sinzheim auf Kommunikation. Das gelte auch beim Thema „auswärtige Spieler ansprechen“.

Transparenz und Kommunikation

Kraft legt dabei nach einer Aussage größten Wert auf Transparenz. „Wenn ein Jugendlicher zum Probetraining kommt, dann verlangen wir die Einverständniserklärung des abgebenden Vereins. Wir graben die Jungs nicht hintenrum ab, sondern wollen das seriös abwickeln.“

Angebote neben dem Rasen

Ziel der Sinzheimer Jugendarbeit, die auch von der Partnerschaft mit dem Karlsruher SC profitiert, ist es, die Talente im eigenen Seniorenbereich unterzubringen. Das ist in der Vergangenheit nicht immer gelungen. „Um dem entgegenzusteuern, versuchen wir, das Angebot auch außerhalb des Rasens attraktiv zu gestalten – wie etwa mit dem Marktplatz zur Berufsfindung oder der medizinischen Versorgung“, so Sammüller. Dazu gibt es eine aktuelle Erfolgsmeldung: Alle sieben Spieler, die in diesem Jahr die A-Junioren altersbedingt verlassen, haben zugesagt, beim SV Sinzheim zu bleiben.