Neugierige Blicke zogen das Modell und Pläne des neuen Stadtviertels bei einem Informationsabend in der Freistetter Stadthalle auf sich. | Foto: Christian Schäfer

Neue „Rheinau-Mitte“

Skepsis trifft auf Optimismus

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Nun sind die Rheinauer Bürger am Zug: Bei einer Informationsveranstaltung am Mittwochabend in der Freistetter Stadthalle haben Interessierte Vorschläge für das neue Stadtzentrum „Rheinau-Mitte“ eingebracht. Das Konzept stößt jedoch auch auf Skepsis.

Wie berichtet, plant die Verwaltung mit dem Stadtentwicklungskonzept „Rheinau 2030“ ein neues Quartier. Auf dem etwa 30 Hektar großen Areal zwischen Rheinbischofsheim und dem Friedrich-Stephan-Stadion sollen überwiegend Freizeitangebote für die Gesamtbevölkerung entstehen. Auch Feuerwehr, Polizei und Bauhof werden in dem Areal angesiedelt, ebenso eine neue Kita und der Zentrale Omnibusbahnhof. Herzstück ist das sogenannte Rheinaukarree, eine 1000 Meter lange, rechteckige Joggingstrecke, die 200 Linden säumen. Am nördlichen Ortsrand von Rheinbischofsheim sind weitere Gewerbehallen sowie Gebäude für junge Unternehmen, so genannte Start-ups geplant. In den nächsten Jahrzehnten soll das Viertel innerhalb von drei Bauabschnitten realisiert werden, so der Plan. Eine Reservefläche bleibt für Ideen und Konzepte nachfolgender Generationen zunächst unbebaut.

Baubeginn noch völlig offen

Wann die ersten Bagger anrollen, ist indes völlig offen. Die Gesamtkosten für die Erschließung neuer Straßen, Wege sowie für den Bau öffentlicher Gebäude ist ebenfalls noch nicht zu prognostizieren. Fest steht, dass im Rheinauer Haushalt für die Stadtplanung 400 000 Euro vorgesehen sind. Die Rheinauer Stadtverwaltung verhandelt derzeit mit Grundstückseigentümern, kalkuliert sind zwischen 1,4 und 1,6 Millionen Euro für den Erwerb sämtlicher Flächen auf dem 30 Hektar großen Areal, die noch in Privatbesitz sind. Bürgermeister Michael Welsche gibt sich optimistisch: „Die meisten Eigentümer haben das Entwicklungspotential Rheinaus erkannt und unterstützen uns“, sagte er bei der Informationsveranstaltung. „Einige wenige müssen noch überzeugt werden“, wie Welsche zugleich einräumte. Denn sollte sich ein Eigentümer beispielsweise in der Mitte des Areals querstellen, könnte dies das Projekt erheblich verzögern. Doch dieses Szenario wollte sich die Verwaltung an diesem Abend öffentlich nicht ausmalen. „Die Verhandlungen laufen gut“, meinte Bauamtsleiter Roland Mündel.

INF_Strukturkonzept.pdf

Konzept wird modifiziert

In einem nächsten Schritt bespricht ein Arbeitskreis aus Vertretern des Gemeinderats, der Freistetter und Rheinbischofsheimer Ortschaftsgremien sowie des Jugendgemeinderats und Seniorenrats die Ideen und Änderungswünsche mit Stadtplaner Wolfgang Schreiber, bevor der Gemeinderat das überarbeitete städtebauliche Konzept verabschiedet. Auf dieser Grundlage entsteht dann ein Bebauungsplan, den das Landratsamt als Baurechtsbehörde prüft. Auch hier steht der genaue zeitliche Ablauf noch nicht fest. „Das funktioniert nur abschnittsweise, dann schauen wir, wie und mit welchem Geld wir was machen“, erklärte Welsche kurz und knapp. Jetzt gehe es zunächst um die Basisarbeit.

Verlust für Landwirtschaft

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, der auch Einschnitte mit sich bringt. Unumwunden stellte Stadtplaner Wolfgang Schreiber dar, dass der Landwirtschaft Flächen zur Nahrungsmittelproduktion weggenommen werden. Einen kompletten Ausgleich der 30 Hektar könne es nicht geben, wie zu hören war. „Darüber muss man noch reden“, betonte Schreiber. Sorgenfalten hatte so manch ein Veranstaltungsbesucher ob der Entwicklung der Ortskerne sowie der Vereine, wenn sich sämtliche Freizeitangebote auf die neue Mitte konzentrieren. Schreiber appellierte an die Vereine, das Sport- und Freizeitportfolio mitzugestalten. Zudem ist er überzeugt, dass sich der Einzelhandel in den Ortskernen „mit sehr besonderen, individuellen Angeboten“ spezialisieren müsse. Zudem sei in Rheinau-Mitte bewusst kein Einzelhandel zugelassen. Allerdings wird bereits als Teil des Stadtentwicklungskonzepts der neue Pennymarkt am Freistetter Ortseingang in diesem Frühjahr samt neuer Apotheke eröffnet. Besucher der Infoveranstaltung äußerten Bedenken wegen der Indoor-Freizeithalle, die ein kommerzieller Betreiber realisieren soll: „Zu viel Verkehr von auswärts.“

Kritik an Kita-Zufahrt

Kritische Anmerkungen gab es auch zu den Parkplätzen und der Bushaltestelle an der neuen Kita. „Zu gefährlich, denn Kinder steigen nicht nur rechts an der Kita aus, sondern auch zur Fahrbahnseite“, meinte eine Bürgerin. Angeregt wurden eine Umfahrung von Rheinau-Mitte sowie eine Fußwegunterführung der L87 nach Freistett. Zudem sei die Baumbepflanzung zu monoton, das Karree zu statisch.

Zufahrt über Kreisverkehr

Erstmals hatte die Verwaltung im Dezember 2017 die Idee der neuen „Rheinau-Mitte“ im Gemeinderat öffentlich vorgestellt. Seitdem hat ein Arbeitskreis die Pläne beraten und modifiziert. Neu hinzugekommen im Vergleich zum ersten Planentwurf ist der Kreisverkehr an der L75 zwischen Rheinbischofsheim und Freistett als Einfahrt zur neuen Rheinauer Mitte, um den Verkehr zu entzerren. An dieser Stelle soll die neue Feuerwache entstehen, damit Einsatzfahrzeuge ungehindert ausrücken können.

Busbahnhof rückt in die „Mitte“

Im weiteren Verlauf der Stichstraße ist zudem der Zentrale Omnibusbahnhof auf Höhe der neuen Kita geplant, der von seinem jetzigen, beengten Freistetter Standort dorthin verlegt werden soll. Ergänzend ist eine Mobilitätsstation mit E-Ladesäulen sowie Carsharing vorgesehen; ebenso eine zweigeschossige Kita mit Pultdach und Sonnenkollektoren, auch das Cafe an dem Begegnungsplatz zwischen Kita und Indoor-Funpark soll zweigeschossig werden. Die Dächer der Geschäftsgebäude für Start-ups in der verlängerten Hungerfeldstraße werden dreigeschossig gestaffelt. An der L75 entstehen naturbelassene Regenrückhaltebecken, da das Gelände ein leichtes Gefälle nach Westen hat.

Stadionzufahrt über L75

Die Zufahrt von der L87 zum Stadion wird nach Empfehlung des Straßenbauamts aus Sicherheitsgründen geschlossen. Südlich des vorhandenen Kreisels geht es über eine Linksabbiegerspur auf die nördliche Stichstraße zur Arena. Am Ende dieser Straße ist zudem eine Tennisanlage angedacht. Nach Angaben von Stadtplaner Wolfgang Schreiber hat das neue Quartier ein sparsames Straßensystem und durch Grünstreifen abgesetzte Gehwege. Im Plangebiet sind keine durchgehende Straßen zu den Ästen vorgesehen. Zudem soll der Schwerlastverkehr der angrenzenden Gewerbebetriebe in Rheinbischofsheim durch eine Neuordnung des innerörtlichen Verkehrsnetzes von Wohn- und Schulverkehr ferngehalten werden.

Freifläche für Schwarzwald-Blick

Eine Freifläche wird einen Blick zum Schwarzwald „als identitätsstiftendes Merkmal“ ermöglichen. Diese Fläche, so Schreiber, könne weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden, allerdings als Lehrgarten mit Blumen- und Rapsfeldern. Das Freizeitangebot soll als Treffpunkt alle Generationen ansprechen mit variablen Angeboten, wie beispielsweise einem Skatepark, Hindernisparcours und Krafttraining, „je nachdem, was gerade in Mode ist“.