Vorsorglich hat das Karlsruher St. Vincentius-Klinikum eine Art Empfangszelt aufgebaut. 
Vorsorglich hat das Karlsruher St. Vincentius-Klinikum eine Art Empfangszelt aufgebaut.  | Foto: pr

Politik

Coronavirus: So bereitet sich die Region vor – Verdachtsfall in Karlsruhe bestätigt sich nicht

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Nachdem weitere Coronavirus-Infizierungen in Baden-Württemberg bekannt wurden, bereiten sich auch Behörden und Unternehmen in der Region für den Ernstfall vor. Panik, so ist von vielen Stellen zu hören, ist nicht angebracht – Pläne gibt es dennoch.

Landkreis Karlsruhe

Zwei Verdachtsfälle sind im Landkreis Karlsruhe getestet, aber nicht bestätigt worden, so Landkreissprecher Martin Zawichowski. „Bei Auftreten von Symptomen sollte eine Kontaktaufnahme mit dem Gesundheitsamt erfolgen, während dieser Zeit sollten eigene Kontaktpersonen notiert werden“, sagt er. Das Gesundheitsamt erhalte viele Anfragen von Heimkehrern von Auslandsreisen, die sich in den vergangenen 14 Tagen in einem Risikogebiet aufhielten. Diesen werde empfohlen, sich nach Möglichkeit häuslich zu isolieren und ihre Kontakte für etwa zwei Wochen zu minimieren.

Der Landkreis habe einen Pandemieplan. Ziel sei, dass erkrankte Menschen versorgt, weitere Erkrankungen verhindert und öffentliche Dienstleistungen aufrechterhalten würden. „Der Pandemiefall bedeutet für Krankenhäuser, dass etwa geplante, aber nicht lebenswichtige Operationen abgesagt werden.“ Für öffentliche Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten könne das bis hin zur Schließung, bei öffentlichen Großveranstaltungen bis zur Absage führen. jk

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Stadt Karlsruhe

Einem Fall geht das St. Vincentius-Klinikum in Karlsruhe nach. In der Nacht auf Dienstag sei ein 26-Jähriger aus Mailand mit Fieber und Atemwegsbeschwerden eingetroffen, wie eine Kliniksprecherin bestätigt. „Da zu diesem Zeitpunkt Mailand nicht als Endemiegebiet ausgewiesen war, wurde kein Screening auf das Coronavirus durchgeführt.“ Zwar kursierten die Fälle in Italien bereits in den Medien, man müsse sich aber an Vorgaben des Robert Koch-Instituts halten.

Nun wurde der Patient nachträglich getestet – das Ergebnis soll im Laufe des Donnerstags offiziell vorliegen. Nach BNN-Informationen handelt es sich um eine gewöhnliche Grippe. Diese Information bestätigten die ViDia Christliche Kliniken Karlsruhe am Donnerstagmorgen in einer Pressemitteilung.

Am KIT werden Mitarbeiter im Intranet über Handlungsempfehlungen informiert, wie das Institut mitteilt. Und: „Der betriebsärztliche Dienst des KIT verfügt über eine Ambulanz, wo bei akut auftretenden Beschwerden eine erste Abklärung und Beratung erfolgt.“

Die Behörden haben Großveranstaltungen abgebrochen und öffentliche Gebäude geschlossen.

Andreas Hirsch, Reiseveranstalter aus Karlsruhe über die Situation in Venedig, wo aktuell eine Reisegruppe ist

Der Karlsruher Reiseveranstalter Andreas Hirsch erwartet in diesen Tagen eine Gruppe aus Venedig zurück. Diese wollte dort Karneval feiern, fand aber eine leer gefegte Stadt vor. „Die Behörden haben Großveranstaltungen abgebrochen und öffentliche Gebäude geschlossen“, sagt Hirsch. Reisen nach Italien möchte er weiter anbieten, solange es keine Warnung des Auswärtigen Amtes gibt. tw, i-te, ser

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Achern

Zweieinhalb Stunden Zwangshalt verordnete die Bundespolizei am Mittwoch einem aus Frankreich einreisenden Fernbus an der Europabrücke in Kehl. In dem Fahrzeug saßen drei Passagiere aus Wuhan, einer chinesischen Stadt, in der das Virus um sich gegriffen hat. Erst als die Passagiere nachweisen konnten, dass sie China lange vor den ersten Infektionen verlassen hatten, durfte der Bus weiterfahren. Zwei von ihnen lebten seit Jahren in Frankreich. fl

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Ettlingen

Das SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach erklärt: „Wir verfügen über einen Notfallplan für den Umgang mit hochinfektiösen Patienten.“ Mitarbeiter seien sensibilisiert, wie sie sich bei Verdachtsfällen verhalten sollten. „Sollte es einen Verdachtsfall auf das neuartige Coronavirus geben, wird der Patient sofort isoliert.“ jtr

Rastatt

Das Landratsamt Rastatt ist in engem Austausch mit dem Landesgesundheitsamt. „Wir sind dabei, die notwendigen Strukturen zu schaffen“, sagt Sprecherin Gisela Merklinger. Katastrophenschutz und Rettungswesen stünden bereit. Thomas Iber, medizinischer Geschäftsführer beim Klinikum Mittelbaden mit Standorten in Baden-Baden, Rastatt und Bühl, sagt: „Wir haben Routine und Erfahrung in der Behandlung von Grippewellen, das gibt uns eine gewisse Ruhe.“ sie, gk

Ich würde erst mal die Ruhe bewahren.

Tatjana Zambo, Inhaberin der Vitalapotheke in Gaggenau

Gaggenau

Ärztin Tanja Gerlach aus Weisenbach im Murgtal schickt bei Verdachtsfällen einen Nasen- und Rachenabstrich des Betroffenen ins Labor. Bestätigt hat sich bislang keiner. „Ich würde erst mal die Ruhe bewahren“, sagt Tatjana Zambo, Inhaberin der Vitalapotheke in Gaggenau und Vizepräsidentin des Landesapothekerverbandes Baden-Württemberg. Seit den ersten Berichten über das Virus sind Mundschutz und Desinfektionsmittel besonders gefragt. dok, cbw

Pforzheim

Nach den Verdachtsfällen im Januar und Februar rechnen die Krankenhäuser in Pforzheim und im Enzkreis mit weiteren Verdachtsfällen. „Wir sehen uns gut gerüstet“, heißt es in einer Mitteilung des Pforzheimer Siloah-Klinikums. Derweil werden auch in der Goldstadt die Mundschutzmasken knapp. „Die Krankenhäuser müssen zunächst bevorratet werden“, erklärt Fritz Becker, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbands und Inhaber der Pforzheimer Nordstadtapotheke. seak

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Bruchsal

Der Bruchsaler Katastrophenschutzexperte Andreas Kling hält es für möglich, dass auch in Deutschland ganze Regionen dicht gemacht werden. „Diese Einschränkung von Grundrechten wäre legal“, erklärt er. Bislang verfolge man eine weichere Vorgehensweise. Kling sieht keinen Grund zur Panik, mahnt aber zu gewissen Vorsichtsmaßnahmen. Wer auf Medikamente angewiesen ist, solle sich um Vorräte kümmern. Auch einige Kilo Nudeln und Dosentomaten einzulagern, sei empfehlenswert. „Wir sollten das Thema nicht vernachlässigen.“ cz

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Linkenheim

Die Diözese Rottenburg hat ihre Pfarrer angewiesen, keine Handreichungen beim Friedensgruß zu empfehlen, keine Kommunion per Mund und kein Weihwasser in den Becken vorzuhalten. Das sieht Pfarrer Bernhard Feger von der katholischen Kirchengemeinde Graben-Neudorf-Linkenheim anders: „Bei uns gibt es keine Einschränkungen im Gottesdienst. Wir machen da keine Panik.“ tk